Enormes Defizit Anleger ziehen Geld aus irischer Großbank ab

Die Summe ist gewaltig: Die Einlagen der angeschlagenen Allied Irish Banks sind seit Jahresbeginn um 13 Milliarden Euro zurückgegangen - aus Sorge um das marode Bankensystem. Das Geldinstitut muss die Löcher mit Krediten stopfen. Zudem wird nun wohl die Regierung eingreifen.


Dublin - Die Allied Irish Banks hat nach eigenen Angaben seit Juni 17 Prozent ihrer Einlagen verloren - insgesamt rund 13 Milliarden Euro. Vor allem Institutionen und Geschäftskunden hätten ihr Geld abgezogen, teilte die irische Bank am Freitag mit. Die Kundenkonten seien betroffen von der derzeit "negativen internationalen Stimmung" gegenüber der Lage der irischen Staatsfinanzen und gegenüber dem irischen Bankensektor, so die Bank.

Die Europäische Zentralbank und die irische Zentralbank hätten kurzfristige Darlehen zur Verfügung gestellt, um das Defizit auszugleichen, hieß es in der Stellungnahme weiter. Über die Höhe der Kredite machte die Bank jedoch keine Angaben. Zudem stockte das bereits teilverstaatlichte Institut am Freitag eine geplante Kapitalerhöhung um 1,2 Milliarden Euro auf insgesamt 6,6 Milliarden Euro auf. Voraussichtlich wird die irische Regierung alle Aktien aufkaufen und ihren Anteil an der Bank damit von 18 auf mehr als 90 Prozent erhöhen. Börsianer hatten jedoch offenbar schlimmeres erwartet: Die Aktien des Instituts legten in Dublin rund fünf Prozent zu.

Auch andere irische Institute haben die Sorgen ihrer Kunden bereits schmerzhaft zu spüren bekommen. Vergangene Woche erst hatte die größere Bank of Ireland berichtet, dass Firmenkunden allein im vergangenen Vierteljahr zehn Milliarden Euro abgezogen haben. Die Probleme des Bankensektors in Folge der Finanzkrise sind der wichtigste Grund für die Schuldenkrise des Landes. Die Rettung verschiedener Institute treibt die staatliche Neuverschuldung in diesem Jahr auf 32 Prozent der Wirtschaftsleistung - mehr als zehn mal so viel wie von der EU erlaubt.

Finanzhilfen könnten bis zu 100 Milliarden Euro betragen

Am Freitag begannen Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) derweil ihre Mission, bei der sie in Dublin genauer bestimmen wollen, welche Finanzhilfen das Land benötigt. Bisher hat Irland keinen offiziellen Hilfsantrag gestellt. Die irische Zentralbank hatte am Donnerstag aber signalisiert, dass das Land diesen Schritt gehen könnte. Für die hohe Verschuldung des Landes ist vor allem die massive Krise der irischen Banken verantwortlich.

Die Finanzhilfen für Irland könnten sich einem Pressebericht zufolge auf mindestens 50 Milliarden Euro belaufen. Wie die "New York Times" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtete, könnte diese Summe für den Fall gelten, dass das Geld zur Stärkung des irischen Bankensektors verwendet wird. Falls aber entschieden würde, Irland für einige Jahre aus dem Anleihenmarkt herauszuhalten, so dürfte die Summe auf bis zu 100 Milliarden Euro steigen.

wit/ulz/AFP/Reuters/dapd

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
weltbetrachter 19.11.2010
1. wohin mit dem Geld ???
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wo die Gelder hingehen. Aber es gibt ja genug Banken und Staaten, die jetzt ihre Schleusen öffen und als "wohltätige Aufnahmeorte" fungieren.
wwwwebman 20.11.2010
2. wer schlau ist...
Zitat von weltbetrachterJetzt stellt sich natürlich die Frage, wo die Gelder hingehen. Aber es gibt ja genug Banken und Staaten, die jetzt ihre Schleusen öffen und als "wohltätige Aufnahmeorte" fungieren.
...gibt sein geld nicht an eine andere (korrupte, marode, gestützte, abhängige, ...) bank weiter, sondern legt sich wirkliche werte zu: gold, silber, immobilien, grundstücke, ... (fiat)money ist am ende !!!
auf.ein.wort 20.11.2010
3. Was geschieht hier eigentlich?
Versteht hier tatsächlich noch jemand, was auf dem Finanz- und Bankensektor wirklich passiert? Euro, Dollar, Yen oder Yuan - die Flut des "gedruckten" Geldes nimmt unablässig zu. Dabei müsste das Volumen endlich gedrosselt werden. Nur wie? Trichet hat gesprächsweise dargelegt, sowas ginge. Wieso tut er´s dann nicht, macht stattdessen eher das Gegenteil? Irland ist defacto pleite, Portugal und Spanien eventuell auch, Griechenland sowieso. HypoRealEstate gleicht einer Finanzruine, die Commerzbank ist teilverstaatlicht, BadBanks werden reihenweise gegründet, Rettungsschirme gespannt bis der Arzt kommt - und die Oppersten Europas tun so, als besäßen sie weiterhin die Handlungs- bzw. Gestaltungsmacht. Werden wir, die Bevölkerung also(wie so oft in der Geschichte vor großen Katastrophen), mächtig auf die Schippe genommen, damit wir nur ja nicht merken, was passiert? Steinbrück hat während der letzten Finanzkrise(?)entwaffnend offen zugegegeben, dass er "in einen Abgrund geblickt habe". Wäre es angesichts dieses Schocks nicht sinnvoll gewesen, diese Klüfte auch gleich, für breite Kreise selbstverständlich, gehörig auszuleuchten? Nee, hat er nicht getan, stattdessen ein Buch geschrieben und uns im Unklaren gelassen. Na toll! Ich leide normal nicht unter Paranoia - bin aber inzwischen der festen Überzeugung, das uns in Bälde etwas Großes, etwas Umwälzendes ins Haus steht. Meine Hoffnung ist, dass das Unabänderliche wenigstens einigermaßen geordnet ablaufen möge.
Realo, 20.11.2010
4. ...und....
Zitat von wwwwebman...gibt sein geld nicht an eine andere (korrupte, marode, gestützte, abhängige, ...) bank weiter, sondern legt sich wirkliche werte zu: gold, silber, immobilien, grundstücke, ... (fiat)money ist am ende !!!
...füllt die Bar auf, mit hochprozentigem, macht den Heizöltank voll, kauft Pallets, warme hochwertige Klamotten und Schuhe, und gönnt sich nochmal einen tollen Urlaub...
eisenfuss1 20.11.2010
5. Großes Defizit: Anleger ziehen Geld aus irischer Großbank ab
Zitat von wwwwebman..gibt sein geld nicht an eine andere (korrupte, marode, gestützte, abhängige, ...) bank Ich ergänze: die umlagefinanzierte Rente ist von der Regierung verpfändet (wird sicher als gestückeltes Zertifikat gehandelt und dient als Sicherheit für weitere Billiarden E,$,Yen Schulden, die wiederum...), die kapitalgedeckte Rente durch die Finanzkriese minimiert; Ersparnisse? man hat besser keine, also siehe wwwebman
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