Entscheidende Woche Kölner Steuerverzicht heizt Kampf um Karstadt an

Köln lenkt ein: Die Stadt will auf Steueransprüche an Karstadt verzichten - und so den Weg für den Verkauf des Konzerns freimachen. Wer das Rennen um die Warenhäuser gewinnt, ist jedoch völlig offen. Um den Zuschlag buhlen unter anderem ein wohlhabender Privatinvestor und Goldman Sachs.

Karstadt-Filiale in Essen: Auch Metro hat noch Interesse an den Warenhäusern
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Karstadt-Filiale in Essen: Auch Metro hat noch Interesse an den Warenhäusern


Essen/Köln - Es ist noch nicht die endgültige Rettung, aber immerhin ein positives Signal für die 25.000 Beschäftigten bei Karstadt: Der Kölner Stadtkämmerer Norbert Walter-Borjans kündigte für Dienstag ein Schreiben an den Insolvenzverwalter der Warenhauskette, Klaus-Hubert Görg, an. Darin will die Stadt auf 1,7 Millionen Euro Gewerbesteuer verzichten.

"Eine Lösung für Karstadt wird an Köln nicht scheitern, sagte Walter-Borjans. Über Pfingsten seien noch einige juristische Fragen zu klären gewesen. Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) sagte: "Wir hatten uns zu vergewissern, dass die Sanierungspläne seriös und zukunftsfähig sind." Ohne Kölns Steuerverzicht kann der Insolvenzplan für Karstadt nicht in Kraft treten.

Außer Köln haben mittlerweile alle Städte mit Karstadt-Filialen über die Forderungen an die Warenhauskette entschieden. Fast alle Kommunen wollen verzichten. Bonn will das Geld zunächst nur stunden, was dem Insolvenzplan nicht weiterhilft. Der Insolvenzverwalter hatte bei allen 94 Städten mit Karstadt-Standorten eindringlich für einen Steuererlass geworben. Dabei geht es um eine Steuerforderung der Gemeinden von theoretisch bis zu 140 Millionen Euro.

Mindestens vier Interessenten

Hintergrund ist ein außerordentlicher Ertrag in der Karstadt-Bilanz, der durch einen Forderungsverzicht der Gläubiger entstehen würde. Görg braucht die Zustimmung so vieler Kommunen, dass 98 Prozent der Steuerforderungen vom Tisch sind. Eine Weigerung von Köln mit seinen hohen Karstadt-Umsätzen würde die zwei Prozent Spielraum überschreiten, erläuterte der Sprecher des Insolvenzverwalters.

Mit der angekündigten Zustimmung von Köln ist damit eine weitere Hürde für den Verkauf der Warenhauskette aus dem Weg geräumt. Nur die alles entscheidende Frage, wer denn nun eigentlich neuer Karstadt-Eigentümer wird, scheint offener denn je. Am Freitag läuft die Frist für Angebote zur Übernahme des insolventen Essener Konzerns ab.

Derzeit gibt es mindestens vier Interessenten: Am Freitagabend war bekannt geworden, dass neben der bisher als möglicher Investor in Erscheinung getretenen Triton-Gruppe auch der Berliner Privatinvestor Nicolas Berggruen Kaufinteresse an den Warenhäusern angemeldet hat. Sein Sprecher Wolfgang Weber-Thedy sagte, Berggruen wolle eine "deutsche Marke mit Kultstatus" und die damit verbundenen Arbeitsplätze retten. Nicolas Berggruen ist der Sohn des 2007 verstorbenen deutschen Kunstsammlers Heinz Berggruen.

Voraussetzung für einen möglichen Kauf durch Berggruen seien allerdings Zugeständnisse der Vermieter und der Kommunen - die Arbeitnehmer sollen demnach verschont bleiben. Insolvenzverwalter Görg sagte der Berliner Tageszeitung "B.Z.", es gebe unter den Bietern keinen Favoriten. Mit allen werde intensiv gesprochen.

Metros Chancen wohl eher gering

Als dritter möglicher Käufer wird auch das Immobilien-Konsortium Highstreet gehandelt, an dem die US-Investmentbank Goldman Sachs die Mehrheit der Anteile hält. Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" ("BamS") will Highstreet die 120 Karstadt-Häuser vollständig übernehmen und als Konzern erhalten. Die Firma besitzt die Immobilien von 86 Karstadt-Filialen. Außer einem 51-Prozent-Anteil von Goldman Sachs Chart zeigen gehören auch die Deutsche Bank Chart zeigen und zwei italienische Investoren zu den Eigentümern von Highstreet.

Insolvenzverwalter Görg sagte der "B.Z.", Highstreet habe bisher noch keine Gesellschaft benannt, die als Käufer auftritt. Sie habe dafür aber noch Zeit bis zum Abgabeschluss am Freitag. Auch bei den Angeboten der Investorengruppe Triton und des Privatinvestors Nicolas Berggruen gebe es noch keinen endgültigen Stand. "Der Teufel liegt im Detail", sagte Görg zu den abschließenden Beratungen. So sei bisher unklar, welche Investitionen die Karstadt-Interessenten zu tragen bereit sind. Auch die "Art der Kaufpreisdarstellung" sei noch nicht vergleichbar.

Nach wie vor interessiert - und damit der vierte potentielle Käufer - ist offenbar auch der Handelskonzern Metro: Die "BamS" zitierte aus einem Brief von Vorstandschef Eckhard Cordes an Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, wonach Metro Chart zeigen einen Teil der Häuser übernehmen wolle.

Allerdings sind die Chancen des Konzerns wohl eher gering. Denn Insolvenzverwalter Görg, der seit Monaten nach einem Käufer sucht, will alle Filialen an einen Bieter verkaufen und so eine Zerschlagung des Unternehmens vermeiden. Karstadt war 2009 zusammen mit dem Mutterkonzern Arcandor pleitegegangen.

böl/dpa/AFP



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Juan Pérez, 24.05.2010
1. Dumm, dümmer, die Steuerausfälle zahlt dann wieder der ALG2Empfänger
Diese Kölner sind ganz schön dumm! Warum auf Steuern verzichten bei Heuschrecken und Finanzinvestoren? Der Laden ist doch so was von pleite. Wenn wenigstens die Mitarbeiter den Laden übernehmen täten.
nas, 24.05.2010
2. Verzicht rechtlich angreifbar?
Wie ist ein Verzicht (nicht nur bezogen auf Köln) unter dem "Untreue-Aspekt" auf der einen und dem "Gleichbehandlungsgrundsatz" auf der anderen Seite zu werten?
Blendy 24.05.2010
3. es war so klar!
unglaublich, oder besser gesagt: logisch, dass ersteinmal die allgemeinheit auf seinen teil vom kuchen verzichten muss, damit sich die geier von finanzinvestoren und superreichen schnöseln ja nicht verschreckt fühlen! warum wird kein gedanke daran verschwendet, dass der neue besitzer bei besserer finanzlage die steuerschulden nachzahlen muss oder diese gleich besser im kaufpreis enthalten sind??
DrStrom66 24.05.2010
4. ICH fass es nicht
als ich insolvent gegangen bin hat das Finanzamt nicht auf die Steuern verzichtet!
Klaus Rabba 24.05.2010
5. Steuerverzicht? Warum denn?
Zitat von Blendyunglaublich, oder besser gesagt: logisch, dass ersteinmal die allgemeinheit auf seinen teil vom kuchen verzichten muss, damit sich die geier von finanzinvestoren und superreichen schnöseln ja nicht verschreckt fühlen! warum wird kein gedanke daran verschwendet, dass der neue besitzer bei besserer finanzlage die steuerschulden nachzahlen muss oder diese gleich besser im kaufpreis enthalten sind??
Richtig! Warum auf Steuern verzichten, wenn private Anleger oder sogar Heuschrecken über den Kadaver Karstadt herfallen? Die Steuern haben Karstadt doch nicht pleite gemacht, sondern das Management, dass die Entwicklung der Kaufhäuser Anfang des 21. Jahrhunderts und der Discounter auf der Wiese nicht erkannt haben. Das einzige Mitverschulden der Koimunen, liegt in der katastrophalen Verkehtrsplanung in den Innenstädten, die die Käufer dazu brachte, vor der Stadt in Einkaufszentren mit genügend Parkraum zu kaufen.
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