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Entspannung an den Märkten Krisenangst lässt nach, Goldpreis fällt massiv

Hinter diesem Kurssturz stecken gute Nachrichten: Der Goldpreis geht auf Talfahrt - weil die Anleger nicht mehr ganz so pessimistisch sind. Zuvor hatten sie monatelang auf das Edelmetall gewettet, aus Angst vor der weltweiten Schuldenkrise. Nun gibt es wieder Gründe für Optimismus.
Goldbarren: Ihr Wert hat sich innerhalb von fünf Jahren verdreifacht

Goldbarren: Ihr Wert hat sich innerhalb von fünf Jahren verdreifacht

Foto: Arnd Wiegmann / REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Es war einer der gigantischsten Aufstiege, den die Finanzmärkte in jüngster Zeit erlebt haben: In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Goldpreis verdreifacht. Noch am Dienstag sprang er sogar zum ersten Mal über 1900 Dollar pro Feinunze (31 Gramm) - und markierte damit den vorläufigen Höhepunkt des Goldbooms.

Seitdem aber rauscht der Preis für das Edelmetall nach unten. Innerhalb von zwei Tagen fiel er zeitweise um rund 200 Dollar - mehr als zehn Prozent.

Hinter diesem Absturz stecken ausnahmsweise gute Nachrichten. Der Goldpreis gilt allgemein als Krisenindikator: Je größer die Sorgen der Anleger um die Entwicklung der Wirtschaft und die Sicherheit ihres Geldes, desto teurer wird Gold. Der rasante Anstieg der vergangenen Monate wurde denn auch vor allem durch die Schuldenkrisen in den USA und Europa verursacht.

Seit Mittwoch mehren sich nun Zeichen der Entspannung. Nicht nur der Goldpreis fiel, parallel dazu klettern die Aktienkurse. Der Deutsche Aktienindex Dax  notierte am Donnerstagmittag den vierten Tag in Folge im Plus. Auch in Krisenzeiten ebenfalls als sichere Anlagen gefragte Staatsanleihen aus Deutschland und den USA verloren zwischenzeitlich an Wert.

Ein Grund für den neuen Optimismus: Am Mittwoch hatte das US-Handelsministerium mitgeteilt, dass die Auftragseingänge der heimischen Industrie im Juli überraschend deutlich gestiegen sind. Das nährt die Hoffnung, dass die amerikanische Wirtschaft einen Rückfall in die Rezession vermeiden kann.

Banken parken weniger Geld bei der EZB

Auch die Situation im Geldhandel der Banken hat sich etwas entspannt: Das zeigt sich an den sinkenden Ausleihungen und Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Wie die EZB mitteilte, liehen sich die Banken bei ihr am Donnerstag nur noch 42 Millionen Euro - nach 2,8 Milliarden Euro am Vortag. Auch das Volumen der Gelder, die die Geschäftsbanken über Nacht bei der EZB parken, fiel von 126 auf 110 Milliarden Euro.

Die Einlagen und Ausleihungen der Banken bei der EZB gelten als Indikator für das Misstrauen der Institute untereinander. Normalerweise leihen sich die Banken nur ungern kurzfristige Mittel bei der Notenbank, da sie dafür einen vergleichsweise hohen Zins von derzeit 2,25 Prozent zahlen müssen. Für die Einlagen erhalten die Banken hingegen einen nur geringen Zins von aktuell 0,75 Prozent.

Experten rechnen trotz des starken Einbruchs vorerst aber nicht mit einem Ende der Rekordjagd beim Goldpreis. Die Stimmung der Investoren an den internationalen Finanzmärkten sei weiter extrem nervös, sagten Händler. Der kurzfristige Kurssturz beim Gold sei auch deshalb so stark ausgefallen, weil einige Börsenbetreiber die Anforderungen an die zu hinterlegenden Sicherheiten für Goldprodukte erhöht hätten. Langfristig sei das gelbe Edelmetall aber nach wie vor als "sicherer Hafen" bei den Anlegern gefragt.

stk/dpad/dpa-AFX