Enttäuschende Zahlen Ryanair stellt rasches Wachstum in Frage

Er ist der größte Sprücheklopfer der Luftfahrtindustrie - doch durch die Wirtschaftskrise wird selbst Michael O'Leary kleinlaut. Der Rynair-Chef rechnet für sein Unternehmen in den kommenden Monaten mit Verlusten. Plötzlich stehen auch die Wachstumspläne zur Disposition.

Michael O'Leary: Der Rynair-Chef ist in der Regel gut aufgelegt
dpa

Michael O'Leary: Der Rynair-Chef ist in der Regel gut aufgelegt


Dublin - Die Wirtschaftskrise macht sich auch bei Ryanair Chart zeigen deutlich bemerkbar: Im ersten Geschäftshalbjahr bis Ende September legte die Zahl der Fluggäste bei Europas größtem Billigflieger zwar um 15 Prozent auf 36,4 Millionen Euro zu, der Umsatz sank aber um zwei Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro. Das teilte das Unternehmen am Montag mit.

Auch wenn sich der Gewinn in den ersten beiden Quartalen auf 373,5 Millionen Euro vervierfachte, nachdem er im Vorjahr unter der Last der hohen Treibstoffkosten deutlich geschrumpft war, erwartet Ryanair für die kommenden sechs Monate deutliche Verluste.

"Die durchschnittlichen Ticketpreise werden in diesem Winter voraussichtlich um bis zu 20 Prozent zurückgehen", sagte O'Leary. Dies werde das Ergebnis in den Monaten Oktober bis März ins Minus drücken. Für das Gesamtjahr hielt der Ryanair-Chef hingegen an seinem Gewinnziel fest. Der Überschuss soll am unteren Ende der Spanne von 200 bis 300 Millionen Euro liegen.

Die Ryanair-Aktien fielen nach Vorlage der Halbjahreszahlen um mehr als fünf Prozent. "Sie bleiben bei ihren bisherigen Zielen für das Gesamtjahr. Der Markt hatte deutlich mehr erwartet", sagte ein Händler. Zudem schwächten sich die Umsätze schneller ab als erwartet.

Ryanair droht Boeing mit Ende der Geschäftsbeziehung

Nach dem Umsatzrückgang zieht Ryanair auch ein Ende seines schnellen Wachstums in Betracht. "Wenn wir unser Überschusskapital nicht effizient in neue Flugzeuge investieren können, sollten wir das Geld an die Aktionäre zurückgeben", sagte O'Leary.

Gleichzeitig drohte er dem Flugzeugbauer Boeing Chart zeigen, mit dem der irische Billigflieger derzeit über den Kauf von 200 Flugzeugen verhandelt: "Wir sehen keinen Sinn darin, unser schnelles Wachstum fortzuführen, während die Durchschnittserlöse sinken und unser wichtigster Partner im Flugzeug-Geschäft seine Rolle in unserem Kostensenkungsprogramm nicht annehmen will." Wenn die Verhandlungen bis Jahresende nicht zu einem Ergebnis führten, werde Ryanair die Geschäftsbeziehung zu Boeing beenden.

Bislang besteht die Flotte des Billigfliegers ausschließlich aus Boeing-Maschinen. Derzeit stehen 202 Boeing 737-800 im Dienst von Ryanair. Die 200 neuen Flieger, um die es bei den Verhandlungen geht, sollten in den Jahren 2013 bis 2016 ausgeliefert werden. Mit der einheitlichen Flotte aus nur einem Flugzeugtyp spart Ryanair Wartungs- und Ausbildungskosten und kann die Maschinen flexibler einsetzen.

böl/dpa-AFX/dpa/Reuters

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