Energiekonzerne Deutschland und Polen erhalten weniger Gas aus Russland

Drosselt Gazprom absichtlich die Gaslieferung in den Westen? Energieversorger aus Deutschland und Polen melden: Es kommen geringere Mengen aus Russland an. Gazprom weist die Vorwürfe zurück.
Gas-Anlage bei Warschau (Archiv): Polen will Abhängigkeit von Russland verringern

Gas-Anlage bei Warschau (Archiv): Polen will Abhängigkeit von Russland verringern

Foto: © Kacper Pempel / Reuters/ REUTERS

Düsseldorf/Warschau/Moskau/Kiew - Konzerne aus Polen und Deutschland melden eine Kürzung der Gaslieferungen aus Russland. In der Bundesrepublik teilte der größte deutsche Energieversorger E.on   mit, dass er derzeit weniger Gas aus Russland erhalte.

Es gebe "verringerte Liefermengen", erklärte ein Firmensprecher. Die Gründe dafür ließ das Unternehmen offen. Wegen gut gefüllter Gasspeicher sei das aber nicht besorgniserregend. Insidern zufolge soll der Einbruch bei E.on zudem nur im geringen einstelligen Prozentbereich liegen - Rückgänge in dieser Größenordnung kämen immer wieder mal vor, erfuhr SPIEGEL ONLINE aus Branchenkreisen.

Der deutsche Energieversorgungskonzern RWE wollte sich auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE nicht dazu äußern, ob auch er von einer Kürzung der Liefermengen aus Russland betroffen ist.

Der russische Staatskonzern Gazprom wies Vorwürfe einer gedrosselten Lieferung an Polen zurück. "Diese Mitteilungen sind unkorrekt. Zur Zeit wird nach Polen genauso viel gepumpt wie an den vergangenen Tagen: 23 Millionen Kubikmeter", sagte Firmensprecher Sergej Kuprijanow. Gazprom würden zahlreiche Anfragen aus dem Westen vorliegen, die Mengen zu erhöhen. "Wir liefern, soviel wir können. Allerdings müssen wir auch die Speicher in Russland füllen", sagte er.

Auch der polnische Energiekonzern PGNiG hatte einen deutlichen Rückgang der Erdgaslieferungen aus Russland festgestellt. Seit Montag seien die Lieferungen um 20 bis 24 Prozent geringer als in den Vereinbarungen mit dem russischen Energiekonzern Gazprom festgelegt, teilte das polnische Unternehmen am Mittwoch mit.

Betroffen seien alle drei Gasleitungen, die Polen über Weißrussland und die Ukraine mit Erdgas versorgten. Es werde nun geklärt, ob es sich um ein technisches Problem oder eine Drosselung der Lieferung handele. Die fehlenden Liefermengen könnten über andere Gaslieferungen kompensiert werden, versicherte auch das polnische Unternehmen.

Polen gehört derzeit zu den lautesten Kritikern des russischen Kurses im Ukraine-Konflikt. Polens Ministerpräsident Donald Tusk betonte bereits im Frühjahr, dass die Abhängigkeit von Russlands Gas Europa schwäche. Er hatte die Europäische Union dazu aufgefordert, sich unabhängiger von russischen Energielieferungen zu machen. Sein Vorschlag: der Aufbau einer europäischen Energieunion nach dem Vorbild der Bankenunion.

Erst am Dienstag hatte Moskau der Europäischen Union laut einem Bericht der "Financial Times" mit reduzierten Gaslieferungen gedroht, sollte die EU russisches Gas in die Ukraine weiterleiten.

bos/ssu/dpa/Reuters