Embargo von russischem Öl PCK-Raffinerie in Schwedt bekommt erstmals Lieferung über Hafen Danzig

In wenigen Wochen soll das Embargo für russisches Öl greifen. Bis dahin braucht die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt Ersatz. Eine Lieferung über ein Tankschiff in einem polnischen Hafen zeigt nun, wie es gehen könnte.
PCK-Raffinerie in Schwedt: »Wichtiger Schritt für die Versorgungssicherheit«

PCK-Raffinerie in Schwedt: »Wichtiger Schritt für die Versorgungssicherheit«

Foto: Patrick Pleul / dpa

Wegen eines Lecks an der Druschba-Pipeline in Polen floss im Oktober bereits weniger Öl nach Schwedt – ab 1. Januar sollen die Lieferungen ganz wegfallen. Um das zu kompensieren, hat die PCK-Raffinerie im Nordosten Brandenburgs nun zum ersten Mal Rohöl über den Hafen im polnischen Danzig erhalten.

Neben der Raffinerie in Leuna (Sachsen-Anhalt) sei damit auch für Schwedt ein weiterer alternativer Lieferweg für nicht-russisches Rohöl gegeben, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Zuvor hatte RBB24 darüber berichtet. Wie viel Öl künftig zusätzlich über den Hafen Danzig bezogen werden kann, ist allerdings unklar.

Es geht seit Monaten um die Frage, wie Versorgungsengpässe und eine zu geringe Auslastung der Anlage verhindert werden können. Hintergrund ist das Ölembargo gegen Russland wegen des Ukrainekriegs, das ab 2023 greift: Deutschland hat sich auf EU-Ebene verpflichtet, ab dann auf das russische Pipeline-Öl zu verzichten, mit dem die Raffinerie bislang lief. Das Unternehmen versorgt große Teile des Nordostens Deutschlands mit Treibstoff.

Lieferungen auch über Rostock geplant

»Das ist ein wichtiger Schritt für die Versorgungssicherheit von Schwedt«, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Michael Kellner. Die Lieferungen über Danzig müssten aber noch erhöht werden, sagte der Grünenpolitiker. Dazu gebe es einen engen Austausch mit der polnischen Regierung. Diese erste Tankerladung mit europäischem Rohöl via Danzig wurde laut Bundeswirtschaftsministerium von Shell bestellt – Mitbesitzer der PCK.

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit, ein Schiff mit europäischem Rohöl sei jetzt über den Hafen Danzig entladen und das Öl zur Raffinerie gepumpt worden. Zur Menge machte das Ministerium mit Verweis auf das Betriebsgeheimnis keine Angaben. Das Öl gelange über die polnische Stichleitung »Pomeranian« zu der in Polen liegenden Druschba-Pipeline und weiter nach Deutschland, hieß es.

Außer über den Hafen in Danzig soll die Raffinerie auch über den Hafen in Rostock versorgt werden. Auch Öl aus Kasachstan ist im Gespräch. Inwieweit der Lieferweg via Danzig die Auslastung der Raffinerie bei einem Stopp des russischen Öls erhöhen kann, ist unklar. Das Unternehmen hatte gesagt, es bleibe ein Restrisiko für den Betrieb.

Mitte September hatte die Bundesregierung ein Konzept zur Sicherung des Raffinerie-Standorts vorgestellt, Kanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich zuversichtlich bezüglich des Erhalts der Raffinerie.

apr/dpa
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