Ergo-Lebensversicherungen Sechs Millionen Policen droht Besitzerwechsel

Millionen Besitzer von Lebensversicherungen müssen sich auf einen neuen Vertragspartner einstellen: Der Ergo-Konzern prüft den Verkauf der Töchter Leben und Victoria. Chinesen und Briten sind interessiert.
Bürogebäude der Ergo Versicherungsgruppe in Düsseldorf

Bürogebäude der Ergo Versicherungsgruppe in Düsseldorf

Foto:

Horst Ossinger/ dpa

Den Kunden der ehemaligen Lebensversicherer Hamburg-Mannheimer und Victoria droht ein Zwangswechsel zu einem neuen Vertragspartner. Der Düsseldorfer Versicherungskonzern Ergo, der zum weltweit größten Rückversicherer Munich Re gehört, liebäugelt mit einem Verkauf der beiden Töchter Ergo Leben (früher Hamburg-Mannheimer) und Victoria. Rund sechs Millionen Policen mit teils hohen Zinsgarantien haben die beiden Anbieter, für die sie offenbar nicht mehr länger geradestehen wollen.

"Wir wollen uns umfassende Informationen beschaffen, wie hoch das Interesse ist und ob wir eine tragfähige Lösung und einen attraktiven Preis erzielen könnten", sagte ein Sprecher der Münchener-Rück-Erstversicherungstochter. "Falls wir ein gutes Angebot bekommen, würden wir uns das genau ansehen." Ergo habe sich aber nicht auf einen Verkauf oder einen Preis dafür festgelegt.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet ebenfalls über die Pläne. Dem Bericht zufolge schätzen Experten den Kaufpreis auf deutlich über eine Milliarde Euro. Unter den Interessenten seien chinesische und britische Investoren sowie US-Hedgefonds. Rund 1000 Mitarbeiter wären von einem Verkauf betroffen.

Der für das Leben-Geschäft zuständige Ergo-Vorstand Clemens Muth erklärte im Intranet des Versicherers zu dem Thema: "Eine effiziente Verwaltung mit kompletter Kostentransparenz schafft dann das Potenzial, auf dieser Plattform auch Bestände Dritter zu verwalten. Und dies innerhalb oder auch außerhalb unserer Gruppe."

Die beiden Leben-Töchter schreiben kein Neugeschäft mehr. Ergo verkauft neue, meist fondsgebundene Lebensversicherungen nur noch ohne Garantien über eine andere Tochter. Die Victoria Leben hatte das Neugeschäft bereits 2010 eingestellt, die aus der Hamburg-Mannheimer hervorgegangene Ergo Leben seit 2016. Sie sitzen aber noch auf großen Altbeständen, für die Ergo zum Teil hohe garantierte Zinsen zahlen muss. Das bindet Kapital. Mehrere Finanzinvestoren haben sich auf die kostengünstige Abwicklung ("Run-off") solcher Portfolien konzentriert.

Abzuwickelndes Policen-Paket hätte Rekordvolumen

Einen Verkauf eines so großen Bestandes - die Rede ist von rund 56 Milliarden Euro an Kapitalanlagen - hat es aber bisher in Deutschland nicht gegeben. Ergo-Chef Markus Rieß hatte sich vor gut einem Jahr eigentlich entschieden, die Bestände selbst abzuwickeln. Inzwischen habe der Run-off-Markt aber an Fahrt gewonnen, sagte der Ergo-Sprecher. Die Münchner Generali Deutschland prüft nach Reuters-Informationen derzeit ebenfalls, ob sie ihre Tochtergesellschaft Generali Leben mit vier Millionen Verträgen einem Dritten zur Abwicklung überlassen soll.

Damit die Interessen der betroffenen Versicherungskunden gewahrt bleiben, hat die Finanzaufsicht Bafin laut "Süddeutscher Zeitung" ein genaues Auge auf die Pläne. Sie muss einen Deal genehmigen und wolle dafür sorgen, dass Policen-Besitzer ihre Ansprüche kennen.

Auf dem deutschen Markt tummeln sich als Abwickler kleinerer Portfolien bereits Viridium (dahinter stecken der Finanzinvestor Cinven und der Rückversicherer Hannover Rück), die Frankfurter Leben unter der Führung der chinesischen Fosun und der Anbieter Athene aus Wiesbaden. Athene hat mit ihren Investoren wie Apollo kürzlich zwei Milliarden Euro für Übernahmen in Europa eingesammelt.

kig/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.