Erholung an der Börse Hoffnung auf Euro-Bonds treibt Dax nach oben

Der Aktienmarkt ist auf Erholungskurs. Trotz schlechter Nachrichten von den Banken legt der Dax zeitweise um mehr als drei Prozent zu. Ein Grund für den Optimismus der Anleger ist die wiederbelebte Hoffnung auf europäische Gemeinschaftsanleihen.

Börse in Frankfurt: Am Vormittag drehte der Dax ins Plus
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Börse in Frankfurt: Am Vormittag drehte der Dax ins Plus


Frankfurt am Main - Der Tag war denkbar schlecht gestartet: Die Rating-Agentur Moody's machte ihre Drohung war und stufte die Kreditwürdigkeit zweier französischer Banken herab. Während sich viele Aktionäre schon wieder auf einen Horrortag einstellten, drehte der Dax Chart zeigen plötzlich ins Plus.

Um drei Prozent stieg der wichtigste deutsche Aktienindex zeitweise. Einen wichtigen Grund dafür lieferte der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso: "Die EU-Kommission wird Optionen vorbereiten für die Einführung von Euro-Bonds", kündigte Barroso im Europaparlament in Straßburg an. Einige Möglichkeiten könnten im Rahmen der bestehenden Verträge realisiert werden, für andere müsse der EU-Vertrag geändert werden.

Die neu entflammte Hoffnung auf europäische Gemeinschaftsanleihen sorgte an den Finanzmärkten für gute Laune. "Dies wäre der Wendepunkt und ein großer Schritt nach vorn", sagte Klaus Wiener, Chef-Volkswirt bei Generali Investments. Denn die höher verschuldeten Staaten könnten sich dann wieder am Kapitalmarkt refinanzieren. Allerdings wären die Euro-Bonds an strenge Auflagen zur Haushaltsdisziplin geknüpft. "Denn anders kann es nicht funktionieren."

An der Börse hofften die Händler am Mittwoch, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou bei einer für den Abend geplanten Telefonkonferenz weitere Hoffnung verbreiten könnten. "Wenn Merkel, Sarkozy und Papandreou auch auf den Euro-Bond-Zug aufspringen, dann könnte das zumindest kurzfristig etwas Optimismus in den Markt bringen", sagte ein Händler.

Auf Entspannung standen die Zeichen am Mittwoch auch am Anleihenmarkt. Die Risikoaufschläge für spanische und italienische Staatsanleihen, die zuletzt stark gestiegen waren, gaben deutlich nach. Auch die Preise für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf diese Anleihen sanken.

Doch nicht alle Börsianer trauen den Signalen. "Ich habe nicht den Eindruck, dass wir eine schnelle Lösung für die Euro-Zone bekommen", sagte Alan McQuaid, Chef-Volkswirt bei Bloxham Stockbrokers. Die Politiker sprächen zwar von gemeinsamen Anleihen, "aber man kann über vieles reden. Ohne dramatische und schnelle Maßnahmen wird der Markt unruhig bleiben."

stk/Reuters/dpa



insgesamt 48 Beiträge
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hansh. 14.09.2011
1. Loch geflickt
Na bravo! Damit wird ein Loch im Rettungsring notdürftig geflickt. Dieser treibt aber immer weiter aufs Meer hinaus. Und dann geht der Flicken wieder ab!
rolfikill 14.09.2011
2. nein oder?
das kann nicht sein? Barroso ist ein Schwätzer und Schwachkopf noch dazu - Mittlerweile ist sogar die SPD gegen Euro-Bonds und wie sollten Euro-Bonds ohne den Zahlmeister Deutschland in Europa funktionieren? Hofft er mit seiner Aussage, dass die Deutschen wieder nachgeben werden? Oder hab ich was nicht mitbekommen:/
firlefranz2 14.09.2011
3. Eurobonds
Wenn morgen der DAX wieder fällt, ist das dann ein Zeichen, dass der Markt doch nix von Eurobonds hält, liebe Spiegel-Wirtschaftsexperten?
wika 14.09.2011
4. Börsenberichterstattung gleich Wetterbericht …
… nur erheblich unzuverlässiger. Und derweil sich die Bullen und die Bären beißen sollte sich der Michel schon mal an die neue Mark gewöhnen, die nach dem Ende der Euro-Bonds kommt, deren Vorfreude hier gerade wieder vergoldet wird. Soviel zu den angesprochenen Hoffnungen. Nein, nicht die DM 2.0, wir reden hier über die urdeutsche und altgediente *"Deutsche Knochen Mark"* … Link (büssl prospektiv) (http://qpress.de/2011/09/12/euro-ade-deutschland-fuhrt-knochen-mark-ein/). Spätestens wenn die Staaten in Gänze an die Geldhäuser umverteilt (Verzeihung, sicherungsübereignet) wurden, dann dürfte eben jene Mark wieder voll im Trend liegen. Ja und zur Börse kann man nur sagen … völlig eindeutig, es geht rauf oder runter. Und zu der angeblichen Vernichtung von Billionenwerten darf man wohl feststellen, es wurde rein gar nichts vernichtet was nicht zuvor auch nur virtuell geschaffen wurde … also ein Nullsummenspiel, bei dem nur der Michel am Ende zwischen den Mühlsteinen zerrieben wird. Also, lasst uns noch ein wenig weiterzocken, solange es noch geht und die Börsen noch unter Strom stehen … (°!°)
Baikal 14.09.2011
5. Das neue Spielzeug der Spekulation..
Zitat von hansh.Na bravo! Damit wird ein Loch im Rettungsring notdürftig geflickt. Dieser treibt aber immer weiter aufs Meer hinaus. Und dann geht der Flicken wieder ab!
.. die "Märkte" freuen sich schon. Aber natürlich sind alle Europa-Besoffenen dafür, von der Brüsseler Oberpfeife Barroso bis hin zum Sozi-Lautsprecher Schulz.Und damit beweist sich wieder einmal, welche wunderbare, durchdachte und politisch sinnvolle Idee die Einheitswährung von völlig unterschiedlichen Volkswirtschaften. Reparieren, reparieren und nur nicht der Ursache auf den Grund gehen - damit würde nämlich die Unfähigkeit der Politik deutlich.
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