Syrien Schweizer Konzern zahlte Geld an Terrorgruppen - Chef tritt zurück

Der weltgrößte Zementhersteller LafargeHolcim bezahlte Terrorgruppen in Syrien, um Werke weiter betreiben zu können. Womöglich floss auch Geld an den "Islamischen Staat". Nun zieht der Konzernchef Konsequenzen.

Eric Olsen
REUTERS

Eric Olsen


Der Vorstandschef des weltgrößten Zementherstellers LafargeHolcim, Eric Olsen, zieht die Konsequenzen aus der Syrien-Affäre des Konzerns. Olsen teilte mit, er trete zurück, um die Spannungen, die sich rund um den Syrien-Fall entwickelt hätten, beizulegen: "Obwohl ich in keinerlei Fehlverhalten involviert war oder davon Kenntnis hatte, denke ich, dass mein Rücktritt dazu beitragen wird, Ruhe in ein Unternehmen zu bringen, das während Monaten diesbezüglich im Zentrum der Aufmerksamkeit stand".

Menschenrechtsorganisationen hatten im vergangenen Jahr eine Anzeige gegen LafargeHolcim eingereicht. Sie werfen dem Schweizer Unternehmen vor, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bezahlt zu haben, um den Betrieb eines Werks in Syrien aufrechtzuerhalten.

Gestützt auf vorläufige Ergebnisse hatte der Konzern Anfang März eingeräumt, dass das Unternehmen bewaffnete Gruppen 2013 und 2014 dafür bezahlt habe, die Versorgung des Werks und die Bewegungsfreiheit der Mitarbeiter sicherzustellen.

Von LafargeHolcim beauftragte Anwälte kamen später zum Schluss, dass außer lokalen Mitarbeitern auch Mitglieder des Konzernmanagements von den Verletzungen der Geschäftsgrundsätze wussten.

Verwaltungsrat hält offiziell zu Olsen

Der Verwaltungsrat des Konzerns kam nach internen Ermittlungen indes zu dem Schluss, dass Olsen keine Verantwortung für die Fehler trage. Das Gremium habe auch nicht den Eindruck gewonnen, dass er davon Kenntnis hatte.

Olsen verlässt den Konzern Mitte Juli. Ab dem Zeitpunkt werde Verwaltungsratspräsident Beat Hess das Unternehmen interimistisch leiten, so der Konzern. Europa-Chef Roland Köhler übernehme zu diesem Zeitpunkt die Funktion als Chief Operating Officer.

Olsen ist nicht der erste, der über die Syrien-Affäre stolpert. Zuvor hatte bereits der frühere Lafarge-Chef Bruno Lafont seinen Rückzug aus dem LafargeHolcim-Verwaltungsrat angekündigt, ohne allerdings einen klaren Grund zu nennen.

Der Fall könnte auch ein juristisches Nachspiel haben. Im Oktober hatte die französische Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Zuvor hatten das Wirtschaftsministerium sowie mehrere Organisationen den Konzern wegen Terrorismusfinanzierung sowie Umgehung von EU-Sanktionen gegen die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verklagt.

man/Reuters/dpa-AFX/AP

Mehr zum Thema


insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Sissy.Voss 24.04.2017
1. Das ist Kapitalismus ...
Das ist Kapitalismus der schäbigsten Ausprägung! Konzerne alimentieren Terrororganisationen gegen den eigenen Staat. Die Staatsanwaltschaft sollte prüfen, ob entweder Gutmachung in Milliardenhöhe gezahlt werden muss oder am bestem den Laden gleich schließen und das Kapital in Staatshand übernehmen.
cvdheyden 24.04.2017
2. @1 Kapitalismus?
Von wegen. Es sind Menschen, die so etwas machen, die diese Entscheidungen fällen. Was Sie da sagen schiebt des in die Opferstellung. Kapitalismus ist was Mensch daraus macht. Unternehmer sind in der Regel dem Geld verpflichted, nichts sonst. Das Verhalten dieses Menschen entspricht dem seiner Kaste.
winki 24.04.2017
3. Das wird nicht der einzigste Konzern sein ...
der das gatan hat. Es würde mich nicht besonders wundern, wenn demnächst ähnliches über einen deutschen Konzern berichtet wird. Die meisten Wirtschaftsbosse sind doch nur auf maximale Profite aus und haben das was man Moral und Ethik nennt schon längst an der Gaderobe abgegeben.
filewalker 24.04.2017
4. Falsch und reisserisch.....
Das es sich um einen schweizer Zement multi handelt ist leider nur die halbe Wahrheit, liebe Redaktion. Den Bau hat Lafarge initiert. Lafarge wollte aber infolge der Fusionsverhandlungen diese Fehlinvestition von ueber 680 Mio. nicht auf den Tisch bringen. Daher wurde alles erdenkliche gemacht um den Betrieb nicht einzustellen. Lafarge ist auch eine europaeische Firma (um nicht ganz so reisserisch zu sein und die Franzosen an den Pranger stellen zu wollen). Eine etwas weniger reisserische Ueberschrift waere serioeser und wuerde dem Spiegel mehr entsprechen.
Liberaler 24.04.2017
5. Französische Erbschaft
Diese Geschichte mit dem Zementwerk in Syrien ist eine Altlast des ursprünglich französischen Lafarge-Konzern, bevor dieser mit der schweizerischen Holcim fusionierte. Der Konzernsitz ist nun in der Schweiz und Olsen kommt aus dem Lafarge-Lager. Es zeigt sich einmal wieder, wie die Geschichte auch hier mitspielt: Syrien war bis zur Unabhängigkeit französisches Mandatsgebiet nach dem Ersten Weltkrieg....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.