Diesel-Razzia bei Zulieferer Ermittler durchsuchen Continental wegen VW-Abschalteinrichtung

Bei Continental haben Ermittler mehrere Standorte im Zusammenhang mit von VW genutzten Abschaltsystemen in der Abgasreinigung durchsucht. Auch Ingenieure des Zulieferers stehen nun im Visier der Strafverfolger.
Conti-Werk in Hannover: Ermittlungen wegen Beihilfe zum Betrug

Conti-Werk in Hannover: Ermittlungen wegen Beihilfe zum Betrug

Foto: imago stock&people/ imago images/teutopress

Polizei und Staatsanwaltschaft haben in ihren Ermittlungen zum Diesel-Abgasskandal bei VW die Geschäftsräume des Autozulieferers Continental durchsucht. Die Ermittler hätten Büros in Hannover, Frankfurt und Regensburg aufgesucht, teilte Continental mit.

Grund seien die Ermittlungen zu von VW verwendeten Abschaltvorrichtungen in Diesel-Motoren. Das Unternehmen kooperiere mit den Behörden, hieß es. Zum Stand des Verfahrens äußerte sich Continental nicht.

Der Dax-Konzern bekräftigte jedoch seine Position aus früheren Prüfungen: "Wir haben an keinen unserer Kunden Software zum Zweck der Manipulation von Abgastestwerten geliefert", teilte er zu der Razzia mit, über die zuvor die "Wirtschaftswoche " berichtet hatte. Mit der Conti-Software, so das Unternehmen, hätten sich die "im jeweiligen Zeitraum gültigen Abgasgrenzwerte grundsätzlich einhalten lassen".

Ermittlungen gegen sieben Conti-Ingenieure

"Wir ermitteln gegen Mitarbeiter von Continental wegen der Beihilfe zum Betrug und wegen der Vorlage falscher Unterlagen", sagte Staatsanwalt Oliver Eisenhauer der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Demnach zählten sieben Ingenieure und zwei Projektleiter zu den Beschuldigten. Zwei Manager und ein Compliance Officer seien an den Ermittlungen beteiligt.

Man prüfe, ob Mitarbeiter der früheren Siemens-Autotechnik-Sparte VDO - von Conti 2007 übernommen - möglicherweise den Auftrag für die Motorsteuerung der 1,6-Liter-Ausgabe des späteren Skandal-Dieselmotors EA 189 in dem Wissen annahmen, dass VW damit betrügerische Absichten verfolgen wollte, zitierte die Nachrichtenagentur dpa die Staatsanwaltschaft. Es werde auch Hinweisen nachgegangen, dass die Dokumentation der Software entsprechend beeinflusst worden sein soll.

Der Anfangsverdacht: Beschäftigte der heutigen Automotive-Sparte von Continental könnten damit "den Wünschen von VW entsprochen" haben, eine verbotene Abschalteinrichtung herzustellen. Nun müssten die sichergestellten Beweismittel ausgewertet werden: "Wir stehen da noch am Anfang."

Die Abgasaffäre bei Volkswagen war im September 2015 aufgeflogen. Der Autohersteller hatte in den USA manipulierte Abgas-Reinigungssysteme in Dieselfahrzeuge eingebaut, die im Testbetrieb deutlich niedrigere Stickoxid-Emission anzeigten, als im tatsächlichen Betrieb auf der Straße entstanden. Später ergab sich die Frage, ob möglicherweise auch Zulieferer in die Täuschungsabsichten eingeweiht waren. Sie bestreiten dies.

Im Januar war auch der japanische Hersteller Mitsubishi unter Verdacht geraten, Dieselkäufer mit illegalen Abschalteinrichtungen betrogen zu haben. Bei einer Razzia in vier Bundesländern durchsuchten Ermittler Geschäftsräume der deutschen Mitsubishi-Niederlassung, einer Tochtergesellschaft und zweier großer Zulieferer. Continental-Mitarbeiter wurden in dem Verfahren als Zeugen geführt.

apr/dpa/Reuters
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