Ersatz für C-Klasse Daimler-Chef verspricht 2000 neue Jobs in Sindelfingen

Der Schock über den Abzug der C-Klasse-Produktion sitzt bei den Daimler-Mitarbeitern in Sindelfingen noch immer tief. Jetzt macht Vorstandschef Dieter Zetsche den Angestellten sogar Hoffnung auf 2000 zusätzliche Arbeitsplätze - doch die Belegschaft bleibt misstrauisch.

Dieter Zetsche: Der Daimler-Chef macht den Mitarbeitern Mut
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Dieter Zetsche: Der Daimler-Chef macht den Mitarbeitern Mut


Sindelfingen - Das Traditionswerk Sindelfingen könnte glimpflich davonkommen: Daimler-Chef Dieter Zetsche hat der Belegschaft des Pkw-Werks von Mercedes Benz 2000 neue Arbeitsplätze versprochen. "Niemand im Werk Sindelfingen wird durch die Entscheidung zur C-Klasse seine Arbeit verlieren", sagte Zetsche am Montag auf einer Betriebsversammlung. Der Konzern hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Fertigung der erfolgreichen Baureihe aus dem Traditionswerk abzuziehen und ab 2014 nach Bremen und in die USA zu verlagern.

Generell wolle er den Standort Sindelfingen verlässlich sichern, sagte Zetsche. "Auch dazu mache ich hier eine verbindliche Zusage: Die nächste Generation der E- und S-Klasse wird definitiv hier in Sindelfingen gebaut."

Neben der ab dem Jahr 2014 geplanten Montage des Roadster SL werde Daimler Chart zeigen in Sindelfingen neue "zukunftsfähige Arbeitsplätze" schaffen. Daimler hole ausgelagerte Aufgaben zurück und qualifiziere Mitarbeiter aus der Produktion für Aufgaben bei Planung und Entwicklung. "Zusätzlich zu den Arbeitsplätzen, die durch die SL-Montage entstehen, werden wir in Summe der genannten Maßnahmen 2000 Arbeitsplätze hier in Sindelfingen alternativ anbieten", sagte der Daimler-Vorstandschef.

Buhrufe zur Begrüßung

Sindelfingen bleibe auch künftig "unser wichtigstes Werk: Das Herz von Mercedes, der Treiber unserer technologischen Innovationen", versprach Zetsche. "Seien Sie versichert: Der Dreh- und Angelpunkt für die zweite Erfindung des Automobils ist und bleibt Sindelfingen."

Die Mitarbeiter reagierten allerdings zurückhaltend auf die Versprechen. "Wir brauchen das schriftlich, verbindlich und klar", sagte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm laut einer Sprecherin. Er forderte den Vorstand zudem auf, bis 2020 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Zetsche war bei der Betriebsversammlung nach Teilnehmerangaben mit Buhrufen und einem Pfeifkonzert empfangen worden. Klemm erklärte erneut, dass er die Entscheidung für eine Verlagerung der C-Klasse für falsch hält. Bereits am Freitag hatten 15.000 Beschäftigte gegen den Beschluss demonstriert.

Mercedes erzielt deutliches Absatzplus

Zetsche verteidigte erneut die Entscheidung bei der C-Klasse. "Wenn sich die Welt "draußen" ändert, dann müssen wir es auch tun." Der Schritt sei unabwendbar. "Jede fünfte C-Klasse weltweit verkaufen wir bereits heute in den USA - und es hat unabweisbare Vorteile, wenn wir ab 2014 auch jede fünfte C- Klasse dort produzieren."

Dank der Kernmarke Mercedes-Benz steigerte Daimler den weltweiten Absatz deutlich: Mercedes erhöhte die Auslieferungen im November um 19 Prozent (88.600 Autos) im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dieser war allerdings durch einen massiven Absatzeinbruch (minus 28 Prozent) gekennzeichnet.

Die gesamte Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars (Mercedes, Smart, AMG und Maybach) legte um 16,4 Prozent auf 98.400 Autos zu. Für das vierte Quartal rechnet Vertriebschef Joachim Schmidt weiter mit einem Absatz deutlich über dem Vorjahr.

Vor allem die neue E-Klasse, aber auch die neue Generation der S- Klasse sorgten für den Mehrabsatz. In China wurden mit 8700 Autos im November dreimal so viele verkauft wie im Vorjahresmonat. In Brasilien legte die Marke um 81 Prozent zu, in Indien um 25 Prozent.

Aber auch in den USA (plus 19 Prozent) und in Deutschland (plus drei Prozent auf 22.100 Autos) stieg der Absatz. Smart konnte die Talfahrt etwas abbremsen und verkaufte mit 9800 Kleinwagen vier Prozent weniger als vor einem Jahr.

böl/dpa/Reuters

insgesamt 2785 Beiträge
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Seite 1
Volker Gretz, 19.10.2009
1.
Zitat von sysopVerliert Mercedes seinen Nimbus? Es wird eng für Mercedes. 2010 wird der Absatz des Mutterkonzerns Daimler hinter Audi zurückfallen. Im Premiummarkt wäre Mercedes dann nur noch die Nummer Drei - verliert die einstige Premiummarke allmählich ihren Nimbus?
Welchen Nimbus? "Premiummarke" (Aufgeld für Werbung) wäre vor 15 Jahren noch ein Schimpfwort für Mercedes gewesen. Jetzt müssen sich die früher nahezu unkaputtbaren und luxuriösen Autos mit der Beschimpfung "Premium" zufrieden geben. Hätte schlimmer kommen können - immerhin hat der aktuelle, zemporäre vor kurzem noch Crysler exekutiert. Immerhin bewegen sich die Chip-Schleudern mit dem Stern (manchmal) noch :-)
ergoprox 19.10.2009
2.
Ein paar größenwahnsinnige, dafür auch noch fürstlich entlohnte, Manager haben noch jeden Laden kleingekriegt.
harrybr 19.10.2009
3.
Zitat von sysopVerliert Mercedes seinen Nimbus? Es wird eng für Mercedes. 2010 wird der Absatz des Mutterkonzerns Daimler hinter Audi zurückfallen. Im Premiummarkt wäre Mercedes dann nur noch die Nummer Drei - verliert die einstige Premiummarke allmählich ihren Nimbus?
wäre doch schön
Albedo4k8, 19.10.2009
4.
Das Daimler nach Opel ins Grass beisst war eigentlich schon immer recht offensichtlich. Die Dinosaurier sterben eben irgendwann. Opel, Daimler, BMW und zum Schluss VW das duerfte in etwa die Rangfolge vom dt. Automobilhersteller sterben sein.
CMH 19.10.2009
5.
Audi soll Premium sein? Ist das hier ein Satire-Forum?
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