Lebensmittelproduktion Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte steigen so stark wie zuletzt 2011

Getreide, Raps, Kartoffeln: Agrarprodukte aus Deutschland sind nachgefragt – und teuer. Zuletzt legten die Preise um 22,1 Prozent zu, das dürften auch Verbraucherinnen und Verbraucher bald zu spüren bekommen.
Kartoffeln haben sich zuletzt um mehr als 60 Prozent verteuert

Kartoffeln haben sich zuletzt um mehr als 60 Prozent verteuert

Foto: Gaetan Bally/ dpa

Die Erzeugerpreise für landwirtschaftlicher Produkte sind im Dezember so stark gestiegen wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Sie legten um durchschnittlich 22,1 Prozent zu, laut Statistischem Bundesamt der höchste Preisanstieg gegenüber einem Vorjahresmonat seit Juli 2011. Pflanzliche Produkte verteuerten sich dabei mit 28,8 Prozent besonders stark, tierische Erzeugnissen um 17,4 Prozent.

Hohe Nachfrage aus dem Ausland

»Der Preisanstieg bei den pflanzlichen Produkten ist unter anderem auf die seit Juli 2020 steigenden Getreidepreise zurückzuführen«, erklärten die Statistiker. Diese lagen im Dezember um 40,6 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Ausschlaggebend dafür »bleibt die hohe Nachfrage aus dem In- und Ausland bei gleichzeitig geringen Erntemengen«. Raps verteuerte sich mit 68,2 Prozent sogar so stark wie seit Juli 2008 nicht mehr. »Der Aufwärtstrend liegt hier vor allem am weltweit sinkenden Angebot bei gleichzeitig hoher Nachfrage, beispielsweise für die Energiegewinnung«, so die Statistiker. Zugleich trieben geringere Erntemengen aus dem In- und Ausland die Getreidepreise in die Höhe.

Die Deutschen müssen sich deshalb auf spürbar steigende Lebensmittelpreise einstellen . »Nach unseren Umfragen planen in den kommenden Monaten mehr als zwei Drittel der Nahrungsmittelhersteller weitere Preisanhebungen«, sagte der Konjunkturchef des Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser, der »Welt am Sonntag«.

Das seien so viele wie nie zuvor im wiedervereinigten Deutschland. »Somit dürften die Nahrungsmittelpreise in diesem Jahr ein maßgeblicher Inflationstreiber werden.« Das Institut rechnet damit, dass die Lebensmittelpreise um sieben Prozent gegenüber 2021 zulegen werden.

Auch Schweine wieder teurer

Bei den Erzeugerpreisen ist diese Entwicklung bereits teils extrem: Für Speisekartoffeln wurden zuletzt etwa 60,2 Prozent mehr verlangt als noch im Vorjahresmonat. Das wird vor allem auf witterungsbedingt geringe Erntemengen sowie ein relativ niedriges Preisniveau im Dezember 2020 zurückgeführt: Damals gab es aufgrund großer Erntemengen und fehlender Absatzmöglichkeiten durch Corona in der Gastronomie einen Preiseinbruch von 50,8 Prozent.

Schnittblumen wiederum kosteten im Dezember 2021 fast ein Viertel mehr als im Dezember 2020, während Gemüse 3,3 Prozent billiger war. Preisrückgänge gab es unter anderem bei Salat mit minus 3,0 Prozent und bei Kohlgemüse mit minus 2,5 Prozent.

Bei den tierischen Produkten kletterte etwa der Milchpreis um 22,0 Prozent. Bei Schlachtschweinen sind die Preise erstmals seit April 2020 gestiegen: Sie lagen um 4,5 Prozent über denen von Dezember 2020, was mit einer etwas stärkere Nachfrage unter anderem durch die Gastronomie erklärt wird. Die Preise für Rinder zogen um 27,7 Prozent an. Bei Schafen und Ziegen wurden ebenfalls weiterhin steigende Preise beobachtet (+18,4 Prozent).

Die Landwirte sehen sich trotz der höheren Preise weiter unter Druck. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte: »Die etwas höheren Erzeugerpreise werden durch den massiven Anstieg der Betriebsmittelkosten für Energie, Futter und Dünger aufgefressen.«

Vor allem die Schweinehalter steckten in einer Krise. Sie machten seit geraumer Zeit mit jedem verkauften Schwein und jedem verkauften Ferkel Verluste. »Etliche haben inzwischen den Betrieb eingestellt – zahlreiche Betriebe stehen kurz davor.«

Im Jahresdurchschnitt 2021 legten die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte um 8,8 Prozent zu.

apr/Reuters
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