Essener Medienhaus Springer will WAZ-Gruppe kaufen

Dieser Deal würde den deutschen Medienmarkt umkrempeln: Der Axel-Springer-Verlag plant den Kauf der WAZ-Gruppe - er bewertet den Essener Konzern mit 1,4 Milliarden Euro. Doch die Zustimmung des Kartellamts ist ungewiss.

WAZ-Firmenlogo in Essen: Grotkamp dürfte sich nicht schnell geschlagen geben
dapd

WAZ-Firmenlogo in Essen: Grotkamp dürfte sich nicht schnell geschlagen geben

Von manager-magazin-Redakteur Klaus Boldt


Hamburg - Die WAZ-Mediengruppe wird zum begehrten Kaufobjekt. Nicht nur Anteilseignerin Petra Grotkamp könnte die Mehrheit an dem Konzern übernehmen, sondern auch der Axel-Springer-Verlag plant den Einstieg. Nach Informationen von manager magazin will das börsennotierte Unternehmen das Essener Medienhaus kaufen. Springer bewertet den Konzern mit 1,4 Milliarden Euro.

Doch die Sache ist kompliziert: Die WAZ (u.a. "Westdeutsche Allgemeine Zeitung") gehört zu jeweils 50 Prozent den Nachkommen ihrer Gründer: den drei Töchtern von Jakob Funke und den drei Enkelkindern von Erich Brost. Zwischen beiden Familien herrscht unbedingte Parität.

Ende August hatte die Funke-Tochter Petra Grotkamp den Brost-Erben das Angebot gemacht, deren Hälfte für rund 470 Millionen Euro zu übernehmen. Über den Verkauf herrscht bereits Einigkeit, ihm muss noch Rechtsanwalt Peter Heinemann zustimmen. Er ist Testamentsvollstrecker für die Brost-Enkel und prüft derzeit das Angebot.

Fünfseitiges Schreiben von Springer

Mitten in diesen komplizierten Verkaufs- und Prüfungsprozess hinein platzt nun das schriftliche Gegenangebot vom Axel-Springer-Verlag: Mit Datum vom 28. September unterbreitete Springer-Chef Mathias Döpfner eine neue, höhere Offerte für die WAZ.

In einem fünfseitigen Schreiben sowohl an die Mitglieder der Familie Funke als auch den Testamentsvollstrecker der Brosts teilte Döpfner mit, dass seiner Meinung nach Zeitungen und Zeitschriften "auch langfristig...eine attraktive Zukunft haben", und dass "von unserer Seite nach wie vor ein erhebliches Interesse an einem Erwerb der WAZ-Beteiligungen in Österreich an 'Krone' und 'Kurier'" bestehe. Auch das Zeitschriftengeschäft der WAZ sowie einige Regionalzeitungen und Anzeigenblätter möchte Springer übernehmen.

Der Springer-Chef geht detailliert auf die einzelnen Sparten ein:

"Krone" und "Kurier": Für den Wiener Mediaprint-Verlag "wären wir bereit, für die rund 50 Prozent der WAZ...insgesamt 200 Millionen Euro zu bezahlen".

Programmzeitschriften: Hier sei Springer bereit, "insgesamt 90 Millionen Euro...zu bezahlen".

Frauenzeitschriften: Diese Sparte bewertet Springer "mit circa 60 Millionen Euro".

Braunschweiger Verlag sowie Zeitungsgruppe Thüringen: "Für beide Gruppen sind wir...bereit, 250 Millionen Euro zu bieten."

Anzeigenblätter: Für diesen Geschäftsbereich wäre Springer bereit, 150 Millionen Euro zu bieten.

Auslandsbeteiligungen: "Insgesamt würden wir die Auslandsaktivitäten mit 20 Millionen Euro bewerten."

Inklusive des WAZ-Anteils an der Markt-Gruppe, die auf Anzeigenportale im Internet spezialisiert ist, bietet Springer 800 Millionen für die genannten Geschäftsbereiche. Der Springer-Verlag kann sich auch einen gemeinsamen Kauf der Geschäftsbereiche mit einzelnen WAZ-Gesellschaftern vorstellen, "um unsere jeweilige verlegerische Expertise...zu bündeln". Selbst das (als gering betrachtete) Risiko einer Untersagung des Kaufs durch das Kartellamt wolle Springer übernehmen.

Gebot für die gesamte WAZ-Gruppe

Aber Döpfner geht weiter: Auch ein Gebot für die gesamte WAZ-Gruppe, schreibt er, "würden wir heute nicht prinzipiell ausschließen wollen", wenngleich er auf "große kartellrechtliche Hürden" hinweist: "Die Bewertung der gesamten WAZ-Mediengruppe sähen wir...bei circa 1,4 Milliarden Euro". Ein guter Preis in Anbetracht eines Gewinns vor Steuern und Zinsen (Ebit) von rund 100 Millionen Euro.

Döpfner schreibt, es sei "nicht unser Interesse, irgendein Störfeuer für die laufende Transaktion zu entfachen". Doch es ist klar, dass er den zügigen Verkauf der Brost-Anteile an Petra Grotkamp nun empfindlich behindert: Denn das Grotkamp-Angebot geht nur von einem Wert des WAZ-Konzerns von rund 900 Millionen Euro aus. Springer bietet einen Zuschlag von rund 50 Prozent. Testamentsvollstrecker Heinemann muss abwägen, welches Angebot attraktiver, aber auch realistischer ist.

Denn abgesehen von den kartellrechtlichen Problemen, die bei einem Gesamtverkauf vermutlich kaum zu lösen wären, stellen auch die Gesellschafterverträge der WAZ ein nicht unbeträchtliches Hindernis dar. Sie sehen ein Vorkaufsrecht innerhalb der Familien Funke und Brost vor.

Für Dritte war es bislang unmöglich, in Essen Fuß zu fassen. Vor allem aber werden sich Petra Grotkamp und ihr Mann Günther nicht so einfach geschlagen geben. Selbst wenn ihre Mitgesellschafter bereit wären, die Springer-Offerte anzunehmen, würden sie den Verkauf wohl durch ein Veto blockieren. "Die können bis zu 300 Millionen Euro in bar aufbringen, die haben keine Geldnot", sagt ein Insider, "und an der WAZ hängen sie außerdem sehr. Das ist alles sehr emotional."

Auf der anderen Seite weiß Döpfner, dass sich Springer sobald nicht wieder die Gelegenheit bietet, sich lukrative und solide geführte Beteiligungen im In- und Ausland zu beschaffen. Eine eingehende Prüfung der Bücher könne binnen kürzester Zeit erfolgen, schreibt Döpfner: "Auch ein transaktionserfahrenes Verhandlungsteam steht selbstverständlich kurzfristig zur Verfügung, so dass Verhandlungen über einen allseits akzeptablen Kaufvertrag zügig aufgenommen und auch abgeschlossen werden könnten."



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
heuwender 30.09.2011
1. ach ja
nach der kommenden Merkelschen Einheitspartei CDU,nun auch noch die Prawda auf deutsch,prima das wird ja heiter im Blätterwald,dank Springerschem Schmuddeljournalismus.
psypunk 30.09.2011
2. bitte nicht!
Zitat von sysopDieser Deal könnte den deutschen Medienmarkt umkrempeln: Der Axel-Springer-Verlag plant den Kauf der WAZ-Gruppe - er bewertet den Essener Konzern mit 1,4 Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789433,00.html
nicht noch mehr springer-medien, bitte - einen hugenberg-konzern 2.0 braucht niemand!
katerramus 30.09.2011
3. um Himmels willen
Gleichschaltung auf allen Ebenen - Presse - Funk und Fernsehen - da braucht es keine Grundgesetzänderung wie in Ungarn - das geht ganz kapitalistisch Der Druck auf die Medien ist ohnehin beträchtlich, alle sind von großen Werbekunden abhängig, die selbstverständlich auch Druck ausüben. Da kann man zur Zeit noch froh darüber sein, dass es mehrere Verlagshäuser gibt mit unterschiedlichen Besitzern bzw. Anteilseignern.
unuomo, 30.09.2011
4. Springer will WAZ-Gruppe kaufen
Das möge das Kartellamt verhindern. Da gäbe es dann nur nur zwei bis drei erwähnenswerte Printmedien, die es sich nicht zur Aufgabe gemacht haben das Volk zu verblöden.
hundini 30.09.2011
5. ^^
"Die Blöd" bald als Einheitszeitung?
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