Etat-Kürzungen EADS-Chef droht mit Ausstieg aus Rüstungsgeschäft

Der Chef des Luftfahrtkonzerns EADS, Tom Enders, hat indirekt damit gedroht, aus dem Militärgeschäft aussteigen - falls die Bundesregierung ihre Ausgabenkürzungen in diesem Bereich nicht überdenkt. Die Regierung könne der Industrie nicht per Dekret Anpassungen diktieren, forderte der Manager.

EADS-Chef Tom Enders: Ausstieg aus dem Rüstungsgeschäft
DPA

EADS-Chef Tom Enders: Ausstieg aus dem Rüstungsgeschäft


Berlin - Tom Enders, seit einem Vierteljahr Chef von EADS, nutzte die Eröffnungspressekonferenz der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse (ILA) am Montag in Berlin für eine versteckte Drohung. Sollte es in den Verhandlungen mit der Bundesregierung über die Kürzung von Rüstungsprojekten keine einvernehmliche Einigung geben, könnte der deutsch-französische Konzern aus dem Rüstungsgeschäft aussteigen, sagte Enders.

"Da geht es darum, ob man und wie man Kapazitäten anpasst, ob man überhaupt in dem Geschäft bleibt, ob man stärker vom Militärischen ins Zivile geht", sagte Enders. Die Bundesregierung könne der Industrie nicht per Dekret Anpassungen diktieren, die Unternehmen müssten ihre eigenen Entscheidungen treffen. Die Gespräche über teils massive Kürzungen bei der Abnahme des Kampfjets Eurofighter, des Kampfhubschraubers Tiger und des Transporthubschraubers NH 90 seien relativ zäh, sagte Enders.

Offenbar erschrocken über die eigene Wortwahl schwächte der Unternehmenschef seine Aussage wenig später ab und bezeichnete die Verhandlungen dann als "zäh, aber konstruktiv". Wegen des Truppenabbaus und der veränderten sicherheitspolitischen Lage hatte Verteidigungsminister Thomas de Maiziere vor knapp einem Jahr massive Einschnitte bei zahlreichen Rüstungsprojekten angekündigt.

ILA 2012 ohne spektakuläre Auftragseingänge

Enders, der gleichzeitig Präsident des Bundesverbandes der Luft- und Raumfahrtindustrie ist, gab zudem einen allgemeinen Ausblick auf die Messe und dämpfte Hoffnungen auf spektakuläre Auftragseingänge bei der ILA 2012. Er begründete das damit, dass 2011 für die zivile Luftfahrt ein "absolutes Rekordjahr" gewesen sei und dass die allgemeine Krise der Staatsfinanzen die Militäraufträge deutlich hat schrumpfen lassen.

Enders wertete den voraussichtlich eher bescheidenen Auftragseingang nicht als Vorzeichen einer Konjunktureintrübung. Er verwies vielmehr darauf, dass in Asien und dem Mittleren Osten Boom herrsche, der die Finanzschwäche europäischer Airlines ausgleichen könne. Außerdem habe Airbus ein sattes Auftragspolster von 4400 Maschinen. Bei Boeing sei es ähnlich.

nck/Reuters/dapd

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sappelkopp 10.09.2012
1. Erpressen lassen?
Zitat von sysopDPADer Chef des Luftfahrtkonzerns EADS, Tom Enders, hat indirekt damit gedroht, aus dem Militärgeschäft aussteigen - falls die Bundesregierung ihre Ausgabenkürzungen in diesem Bereich nicht überdenkt. Die Regierung könne der Industrie nicht per Dekret Anpassungen diktieren, forderte der Manager. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,854937,00.html
Von der privaten Wirtschaft? NEIN! Dann steigt doch aus. Da kaufen wir woanders! Sie werden es nämlich nicht machen, kauft doch nicht nur die Bundesrepublik Deutschland bei EADS. Eine lächerliche Drohung!
syracusa 10.09.2012
2. Behörde EADS, Beamtenstatus für Enders
Zitat von sysopDPADer Chef des Luftfahrtkonzerns EADS, Tom Enders, hat indirekt damit gedroht, aus dem Militärgeschäft aussteigen - falls die Bundesregierung ihre Ausgabenkürzungen in diesem Bereich nicht überdenkt. Die Regierung könne der Industrie nicht per Dekret Anpassungen diktieren, forderte der Manager. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,854937,00.html
Verstehe ich das richtig? Enders fordert für sich und die Mitarbeiter seines Unternehmens Beamtenstatus, und möchte sein Unternehmen in eine Behörde umwandeln?
j.e.r. 10.09.2012
3. Nach dem Fiasko des A400M veilleicht auch besser
Nach dem Fiasko des A400M vielleicht auch besser so. Lockheed Martin und Boeing werden sich freuen.
daskänguru 10.09.2012
4. optional
Zitat von sysopDPADer Chef des Luftfahrtkonzerns EADS, Tom Enders, hat indirekt damit gedroht, aus dem Militärgeschäft aussteigen - falls die Bundesregierung ihre Ausgabenkürzungen in diesem Bereich nicht überdenkt. Die Regierung könne der Industrie nicht per Dekret Anpassungen diktieren, forderte der Manager. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,854937,00.html
Gegendrohung wenn der Liefertermin nicht eingehalten wird treten wir vom Vertrag zurück. Uups ja dann doch nicht, ja tut mir leid. Der A400M kommt bedeutend später wird bedeutend teurer kann weniger als versprochen und jetzt kommt der Kasper und droht das er gar nicht liefert, na und dann zahlen wir halt nicht. Und wenn er will können wir auch mal schnell die Fördergelder für Airbus zurück fordern und keine neuen mehr vergeben.
Redigel 10.09.2012
5. Dr.
Sie wissen aber schon, dass EADS nur das liefert, was auch gewollt wird. Wenn unsere Helis die falsche Bewaffnung haben, dann liegt das nicht an EADS, sondern an Planern im Verteidigungsministerum und der Bundeswehr. Da ordert jedes Kind, dass mit Call of Duty aufgewachsen ist bessere Waffensysteme, Handfeuerwaffen und Luftbewaffnung.
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