Börsengang Online-Marktplatz Etsy mit Milliardensumme bewertet

Der US-Online-Marktplatz für Selbstgemachtes, Etsy, hat bei seinem Börsengang 267 Millionen Dollar eingenommen. Die Aktien wurden am oberen Ende der Preisspanne verkauft - bewertet wird das Unternehmen damit mit 1,8 Milliarden Dollar.

Etsy-Kreditkarten-Lesegerät: Bastelmarktplatz ist fast zwei Milliarden Dollar wert
AP/dpa

Etsy-Kreditkarten-Lesegerät: Bastelmarktplatz ist fast zwei Milliarden Dollar wert


Der US-Online-Marktplatz Etsy wird bei seinem Börsengang in New York mit fast 1,8 Milliarden Dollar bewertet. Etsy habe etwa 267 Millionen Dollar mit der Ausgabe von Aktien eingesammelt, teilte der Konkurrent des Berliner Unternehmens Dawanda in der Nacht zu Donnerstag mit. Die Papiere seien am oberen Ende der festgelegten Spanne zwischen 14 und 16 Dollar verkauft worden. Die Aktien der New Yorker Firma werden erstmals am Donnerstag an der Nasdaq gehandelt.

Etsy ist eine Onlinehandelsplattform, über die handgefertigte Produkte, Bastelbedarf und alte Sachen vertrieben werden. Derzeit bietet das New Yorker Unternehmen 29 Millionen verschiedene Waren an. Etsy verdient unter anderem an den Gebühren. Im Dezember nutzten 1,4 Millionen Verkäufer das Angebot des Konzerns.

Die Plattform, die auch mit Werbung und dem Versand Geld einnimmt, hatte Ende 2014 knapp 20 Millionen aktive Käufer und 1,4 Millionen Verkäufer. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um mehr als 50 Prozent auf 195,6 Millionen Dollar. Allerdings stieg dabei auch der Verlust auf 15,2 Millionen Dollar von einem Minus von knapp 800 000 Dollar im Jahr davor.

Börsengang gefährdet Glaubwürdigkeit

Der Börsengang dürfte aber die Glaubwürdigkeit des Unternehmens belasten. Etsys Motto lautet: "Kauf gute Sachen von echten Leuten." Doch das Geschäft mit der Individualität ist nicht erst seit den Plänen für das Börsendebut auf dem Weg in den Massenmarkt. Diskussionen, wie weit sich die Firma bereits von ihren Idealen entfernt hat, führen die Nutzer schon länger. Berichte über ausgelagerte Massenfertigung und systematische kommerzielle Nutzung der Plattform durch Großhändler erhitzen die Gemüter.

Mit dem Sprung aufs Börsenparkett wird das Spannungsfeld noch deutlicher. Passt der gemeinnützige Zweckverband der Häkel-, Strick- und Bastelhobbyisten ins Haifischbecken Wall Street? Ähnlich wie der kleinere deutsche Wettbewerber Dawanda bietet Etsy Herstellern an, eigene Onlineläden aufzumachen und gestrickte, bedruckte, genähte oder anderweitig weitgehend selbstproduzierte Gegenstände verkaufen. Dafür kassiert das Unternehmen Provision. Von E-Commerce-Riesen wie Amazon oder Ebay distanziert es sich aber entschieden.

Aus den beim Börsengang erlösten 167 Millionen Dollar gehen 300.000 Dollar an Etsy.org, einen Fonds, der Frauen und Minderheiten beim Aufbau eines eigenen Geschäfts beraten soll. Von den 1,4 Millionen Etsy-Händlern machen Frauen 86 Prozent aus.

nck/dpa/AFP

insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
_stordyr_ 16.04.2015
1.
Etsy ist ein ziemlich gutes Beispiel, wie man sich einen Ruf aufbaut und dann mit diesem Ruf Gewinn macht, gleichzeitig die Leute, die einem diesen Ruf gebracht haben, in den Arsch tritt. Ich kann jeden, der auf der Suche nach dem is, was Etsy ihm verspricht (handgemachtes und Handwerkskunst) nur davon abraten, Etsy zu benutzen... Das Ding ist inzwischen voll von chinesischen Sweatshops und Resellern. Und Etsy arbeitet nur noch daran, diese Leute zufriedenzustellen. Das Abschalten der Requestplattform war da nur der erste Schritt...
abtropfsieb 16.04.2015
2. ???
Komisch, so wertvoll soll ein kaum bekanntes Unternehmen sein? Oder ist das schon die nächste Blase...
hefe21 16.04.2015
3. Preisschild(bürgerstreich)
Dieser "Bewertungs"quatsch wäre früher einer seriösen Presse kein Wort wert gewesen. Da stecken sich einfach sinnbildlich ein paar Ferkel ein Preisschild auf den Rücken, das Käufern suggerieren soll, was sie als Sau einmal "wert" sein könnten. Und man muss es öfters wiederholen - keine einzige Aktie der Welt ist etwas "wert". Es ist lediglich möglich, den Preis für eine gerade gehandelte Stückzahl festzustellen. Was also so gerne als "Börsenwert" ausgegeben wird, ist lediglich eine Preishochrechnung unter der Annahme, dass alle Aktien einer Firma mit dem gerade gehandelten Preis für eine bestimmte Menge gekauft werden würden. Wenn morgen jemand 1000 Stück Appleaktien für USD 110,0 anbietet und verkauft, dann ist das zu diesem Zeitpunkt der fiktive Preis für den ganzen Bestand. Weder kann also ein gefallener Preis einen Wert "vernichten", noch ein gestiegener einen "schaffen". Und ein spiegelbildlicher Index kann nichts "gewinnen, verlieren, verschnaufen (!), etc." - wie es eine enthemmte aufregungsheischende Presse ihm golemgleich andichten möchte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.