EU-Handel mit China So viel Chinopa gibt es schon

Als Handelspartner der EU spielt China bereits eine herausragende Rolle. Der Gipfel in Brüssel soll die Beziehungen noch vertiefen - gerade jetzt, da die USA sich abschotten.
Foto: Statista/SPIEGEL ONLINE

Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang kommt heute mit einer ambitionierten Botschaft zum EU-China-Gipfel nach Brüssel. Zusammen mit den Europäern will er sich zum obersten Kämpfer gegen den Klimawandel aufschwingen - und zum Bewahrer des weltweiten Freihandels werden.

In einer Zeit, in der US-Präsident Donald Trump den alten Partnern mit handelspolitischer Abschottung droht, wird ausgerechnet China zum wirtschaftlich wichtigen Verbündeten für Europa. "Wir setzen auf offene Märkte", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag nach einem Treffen mit Li in Berlin. Beide Staaten stünden angesichts der "Zeiten globaler Unsicherheiten" in der Verantwortung, ihre Partnerschaft auszubauen und sich für eine "regelbasierte" Weltordnung einzusetzen.

Für die USA hatte Merkel zuletzt weniger freundliche Worte übrig. "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei", hatte die Kanzlerin am Wochenende nach dem G7-Gipfel gesagt. Und auch wenn sie Trump nicht namentlich erwähnte, wusste jeder, wer damit gemeint war.

Wie die Woche also mit einer europäischen Mahnung an Trump begonnen hat, so wird sie voraussichtlich mit viel Schmeichelei und Treuebekundungen in Richtung China enden. Ist das also der Beginn einer großen europäisch-chinesischen Allianz, von "Chinopa" wie SPIEGEL-ONLINE-Autor Henrik Müller es nennt?

China exportiert längst nicht mehr nur Billigkleidung

Wie wichtig China in wirtschaftlicher Hinsicht schon heute für Europa ist, zeigt die Grafik von SPIEGEL ONLINE und Statista . Die beiden Wirtschaftsblöcke wickeln einen großen Teil des Welthandels untereinander ab. Die EU ist Chinas größter Handelspartner; umgekehrt ist China der zweitgrößte Handelspartner der EU (nach den USA). Und das Handelsvolumen ist in den vergangenen zehn Jahren noch einmal deutlich gestiegen - von 306 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf 515 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

China-EU-Handel / Grafik

China-EU-Handel / Grafik

Foto: Statista/SPIEGEL ONLINE

Auffällig ist dabei eine große Lücke: Die EU importiert sehr viel mehr aus China als sie im Gegenzug nach dort exportiert. Aus China kommen mittlerweile nicht mehr nur billige Kleidung oder Spielzeug, sondern zunehmend auch Smartphones, Solarpanels und Maschinen für die Industrie.

Die Exportwirtschaft der EU hat in den vergangenen Jahren zwar mächtig aufgeholt: Seit 2007 sind die Ausfuhren nach China um 137 Prozent gestiegen, während die chinesischen Einfuhren in die EU im Gegenzug "nur" um 47 Prozent zulegten. In absoluten Zahlen hat sich die Lücke allerdings nicht geschlossen. 2007 lag der Saldo aus importierten und exportierten Waren im China-Handel aus EU-Sicht bei -162 Milliarden Euro. 2016 waren es 174,5 Milliarden Euro.

So wichtig ist China für Deutschland

Dennoch ist die EU an einem Ausbau des Handels mit China sehr interessiert. Mit am meisten profitiert bereits jetzt Deutschland vom riesigen Markt in Fernost. Für die großen Autohersteller wie VW, Daimler und BMW ist China längst zum wichtigsten Absatzmarkt geworden. Jedes dritte Auto weltweit verkaufen sie dort.

Wie wichtig China als Handelspartner für Deutschland ist, lässt sich auch an Zahlen ablesen: Mit keinem anderen Land tauschte die Bundesrepublik im vergangenen Jahr so viele Waren aus (siehe Grafik). Seit 2001 haben sich die deutschen Ausfuhren nach China mehr als versechsfacht.

Deutschlands wichtigste Handelspartner

Rang Land Handelsvolumen (Exporte und Importe) in Milliarden Euro
1 China 169,9
2 Frankreich 167,0
3 USA 164,8
4 Niederlande 162,4
5 Vereinigtes Königreich 121,9
Quelle: Destatis

Auch hier ist die Diskrepanz zwischen Importen und Exporten allerdings immer noch groß: Während Deutschland 2016 Waren im Wert von knapp 94 Milliarden Euro aus China bezog, verkauften hiesige Firmen im Gegenzug nur Waren im Wert von 76 Milliarden Euro dorthin.

Während Deutschland im Handel mit Staaten die den USA oder Großbritannien also gewaltige Überschüsse einfährt, ist es in den Beziehungen mit China genau andersrum. Das Defizit ist zwar nicht mehr ganz so groß wie noch unmittelbar vor der Finanzkrise 2007 und 2008, mit fast 18 Milliarden Euro aber immer noch gewaltig.

Die politische Stimmung scheint das nicht zu trüben. Während US-Präsident Trump diese Woche wieder mal vehement auf Twitter gegen die deutschen Exportüberschüsse wetterte, herrschte zwischen Merkel und Ministerpräsident Li offenbar Harmonie. Das könnte auch an den zahlreichen Kooperationsabkommen gelegen haben, die deutsche Firmen wie Daimler, Bosch und VW am Rande des Treffens unterschrieben haben.

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