EU-Kartellprüfung Konkurrenten wollen Google Manipulation nachweisen

Sie haben Intel und Microsoft zu Rekordstrafen verdonnert - jetzt knöpfen sich Europas Wettbewerbshüter Google vor. Sie prüfen, ob der IT-Riese Konkurrenten bei der Anzeige von Suchergebnissen benachteiligt. Der Konzern reagiert gelassen, doch interne Papiere zeigen: Die Vorwürfe haben Gewicht.

Google-Logo: Neue Kartellvorwürfe gegen den Tech-Riesen
ddp

Google-Logo: Neue Kartellvorwürfe gegen den Tech-Riesen

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Hamburg - Google bekommt Ärger mit Europas Wettbewerbshütern: Drei Konkurrenzunternehmen - die Rechtssuchmaschine Ejustice.fr sowie die Preisvergleichsportale Foundem und Microsofts Ciao from Bing - haben Anfang Februar bei der EU-Kommission Beschwerde gegen die Geschäftspraktiken des Suchmaschinen-Riesen eingereicht. Ihr Hauptvorwurf: Der Konzern benachteilige Wettbewerber bei der Anzeige von Suchergebnissen.

Wie am Mittwoch bekanntwurde, haben Europas Kartellwächter Google vor gut zwei Wochen mit den Vorwürfen konfrontiert und den Konzern gebeten, einen Fragenkatalog zu beantworten. Die genaue Frist für Googles Antwort nennt die Kommission nicht; allerdings ist bei solchen Anfragen eine Frist von vier Wochen üblich.

Die Kommission und Google beeilen sich zu betonen, die Übermittlung eines Fragenkatalogs führe nicht automatisch zur Einleitung eines Kartellverfahrens, man prüfe nur die Vorwürfe. Dennoch dürften im Konzern die Alarmsirenen heulen. Denn die EU-Kommission ist für ihr hartes Durchgreifen gegen IT-Riesen bekannt, sie hat mehrfach bewiesen, dass sie das Know-how und die Ressourcen hat, auch Mammutprozesse gegen Konzerne zu gewinnen, deren Jahresumsatz die Wirtschaftsleistung mancher Staaten übersteigt.

Da war der Chip-Riese Intel Chart zeigen, dem die EU eine Rekordstrafe von 1,06 Milliarden Euro aufbrummte. Und da war Microsoft Chart zeigen, der Software-Gigant, gegen den die EU mehrfach Multimillionen-Strafen verhängte - und der sich zuletzt verpflichten musste, in seinem Betriebssystem Windows künftig neben dem Internet Explorer auch Konkurrenz-Browser anzubieten. Am 17. März geht ein entsprechendes Software-Update online; kurz vorher muss Google die Fragen von Europas Kartellhütern beantwortet haben.

Die Konkurrenz hat einen guten Zeitpunkt gewählt, um dem Suchmaschinisten Europas Wettbewerbshüter auf den Hals zu hetzen.

Suche als Marketing-Kanal

Offiziell gibt sich Google gelassen. Man sei über die Beschwerden nicht überrascht, schrieb Julia Holtz, Wettbewerbsbeauftragte für Europa, Afrika und den Nahen Osten, in einem Blogpost. Die Vorwürfe seien haltlos. Man habe nicht versucht, "Nutzer oder Anzeigenkunden einzusperren oder künstliche Barrieren aufzubauen".

Google suggeriert zudem, Microsoft könnte bei den Beschwerden im Hintergrund die Strippen ziehen: Das Verhältnis zu Ciao sei immer gut gewesen, erst nachdem Microsoft das Preisvergleichsportal gekauft habe, seien Beschwerden eingegangen, heißt es im Blog. Das Unternehmen Foundem sei zudem Mitglied in der Organisation Icomp, die von Microsoft finanziell unterstützt wird.

Unabhängig davon, ob sich dieser Verdacht erhärtet: Die Vorwürfe, die die drei Unternehmen gegen den Konzern erheben, wiegen schwer. "Google verwandelt seine neutrale Internetsuche zusehends in einen machtvollen Marketing-Kanal für die eigenen Dienstleistungen", sagt Foundem-Chefin Shivaun Raff SPIEGEL ONLINE.

Fotostrecke

11  Bilder
Foundem-Vorwürfe: Manipuliert Google seine Suchmaschine?
Als Beleg dafür, dass Google angeblich Mitbewerber bei der Anzeige seiner Suchmaschinenergebnisse benachteiligt, hat das britische Unternehmen umfangreiches Datenmaterial an die EU-Kommission geschickt (siehe Fotostrecke). Aus diesem gehe unter anderem hervor, dass der Konzern bei Produktanfragen die eigenen Services an prominenter Stelle unter die Suchergebnisse mische und damit Konkurrenten den Platz raube, sagt Raff.

Foundem wirft Google zudem vor, die Preise für sogenannte Textanzeigen zeitweise in die Höhe getrieben zu haben. Google zeigt neben Suchergebnissen Werbung in Form von Kurztexten an. Unternehmen können ihre eigene Textanzeige für die Verkoppelung mit einem bestimmten Suchwort vorschlagen und ein Mindestgebot dafür abgeben, was sie für die Verknüpfung zu zahlen bereit sind.

Dieses Mindestangebot legt Google fest, es richtet sich nach der Qualität der Textanzeige - also danach, wie kontextrelevant das Angebot ist, das das Unternehmen hinter der Anzeige offeriert. Die Briten werfen Google vor, die Qualitätsbewertung für Foundem-Anzeigen von einem Tag auf den anderen von "exzellent" auf "Ramsch" heruntergestuft zu haben, wodurch sich die Mindestgebote für Textanzeigen plötzlich von fünf Pence auf fünf Pfund erhöht hätten. "Es hat fast ein Jahr gedauert, bis wir uns bei Google wegen dieses Fehlers Gehör verschaffen konnten", sagt Raff. "Es ist schwieriger, mit Google zu sprechen als mit dem FBI."

Droht Google eine Klagewelle?

Die EU-Kommission wird nun zu klären haben, ob die Kartellvorwürfe gerechtfertigt sind - oder ob der Konzern nur konsequent seine Dienstleistung verrichtet: dem Nutzer zu jedem Suchwort die relevantesten Ergebnisse zu liefern. Google selbst weist darauf hin, dass die Dienste von Spezialsuchmaschinen wie Moneysupermarket.com, Opodo und Expedia meist sehr weit oben auf den eigenen Ergebnisseiten präsentiert werden. Die Grafiken, die Foundem bei der Kommission eingereicht hat, sprechen eine andere Sprache.

Doch selbst wenn Google die jetzigen Vorwürfe ausräumen kann: Der kartellrechtliche Druck auf das Unternehmen mit dem "Don't be evil"-Kodex wächst stetig. Die Befragung der EU ist nur eine von vielen Wettbewerbsstreitigkeiten, die Google derzeit ausficht.

So beschwerten sich Mitte Januar die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger beim Bundeskartellamt über Google, weil der Konzern Auszüge aus Artikeln ohne Bezahlung in seinen Dienst Google News integriert. Wegen seines Projekts, Tausende Bücher einzuscannen, hatte Google die amerikanischen Kartellhüter im Haus. Und erst vergangene Woche regte Vodafone-Chef Vittorio Colao öffentlich an, die EU solle bei Googles Mobilfunksuche Kartellrechtsverstöße prüfen.

Auch mit seiner zentralen Strategie steht Google in der Kritik. Der Konzern verdient in seinem Kerngeschäftsfeld - der Online-Werbung - Unmengen von Geld. Dieses nutzt er, um in immer neue Märkte zu drängen - und die dortige Konkurrenz mit Gratisangeboten plattzuwalzen. Letztes Opfer dieser Strategie: die Navi-Branche, deren Marktführer durch Googles Gratis-Attacke vom Aussterben bedroht sind.

Die aktuelle EU-Untersuchung könnte Google massive Probleme bescheren, heißt es im "Guardian". Es könnte sein, dass sich nun "alle Schleusen" öffnen und zahlreiche andere Wettbewerber mit Kartellvorwürfen nachziehen.

insgesamt 2275 Beiträge
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Seite 1
Acalot 09.01.2010
1.
Zitat von sysopGoogle strebt auf vielen Gebieten nach vorn. Das marktführende Suchportal hat sich längst als innovatives, aber auch datenhungriges Unternehmen profiliert. Das führte zu heftiger Kritik und Warnungen. Ihre Meinung: Wie gefährlich ist der Internet-Gigant?
Sehr, er stellt vielleicht bald, eine unkotrollierbare riesige Datenbank mit Informationen über Millionen Internetnutzer, das ist schlimmer als wenn ein Staat das haben würde.
Ferienhaus ImBirkenweg 09.01.2010
2.
Zitat von AcalotSehr, er stellt vielleicht bald, eine unkotrollierbare riesige Datenbank mit Informationen über Millionen Internetnutzer, das ist schlimmer als wenn ein Staat das haben würde.
Schlimmer als ein Staat? Oo. Wenn man sieht, was Staaten in der Geschichte bisher alles mit der repressiven Verwendung riesiger Datensammlungen angefangen haben, dann hat Google noch sehr viel Spielraum. Mir wird Angst und Bange wenn Regierungen anfangen, derartige Datenbanken aufzubauen. Und mir wird Angst und Bange wenn einzelne Menschen die Kontrolle über derart große Unternehmen haben.
homerjay S. 09.01.2010
3.
Zitat von AcalotSehr, er stellt vielleicht bald, eine unkotrollierbare riesige Datenbank mit Informationen über Millionen Internetnutzer, das ist schlimmer als wenn ein Staat das haben würde.
...na ja,aber wenn Sie solche Angst haben,warum beteiligen Sie sich dann an einem Forum? Wenn Staat es wirklich will dann ist ihm Ihre Identität und Meinung doch nun hinlänglich bekannt. Ich für meinen Teil denke mir:Sollen sie doch ersticken in ihrem Datenmüll,letztenendes bleibt doch die Frage wer das alles auswerten soll und wem es nutzt? Irgendwann werden diese Sammler bemerken das der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Also: Ruhig Blut ;-)
Dylan Hunt 09.01.2010
4. Weltmacht Google
haben Sie:Die deutschlandcard,Aralcard oder sonstige payback-karten.Wenn nicht wir haben auch noch eine für sie.Einfach schön alles eintragen.Vergessen sie ihre E-Mailadresse nicht für unsere tausend Newsletter.Sie machen sich sorgen um den Datenschutz?Wir heißen doch nicht Google! manche brauchen wahrlich kein Google,das machen sehr,sehr viel schon selbst,oder? Mfg DH
kontrovers 09.01.2010
5.
Google agiert ja nicht im rechtsfreien Raum. Es ist daher etwas zu einfach, Google allein wegen der Datensammlung unter Generalverdacht zu stellen, gegen geltendes Recht zu verstossen bzw. es in der Zukunft auf Basis der Datensammlung tun zu wollen. Wir haben ein Parlament und eine mehr oder minder funktionierende Regierung. Es ist ihre Aufgabe, Konzernen wie Google, Apple, Microsoft, Intel und wie sie alle heissen klare rechtliche Vorgaben zu machen. Verstossen sie dann nachweislich dagegen, muss das auch harte Konsequenzen nach sich ziehen. Angefangen von Kartellstrafen bis hin zu einem Ausschluss aus dem EU-Markt. Aber wie gesagt - auf Basis geltender Gesetze, nicht "weil die eh groß und böse sind"...
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