Gesetzesvorschlag EU-Kommission will große Investmentfirmen unter EZB-Aufsicht stellen

Große Investmentfirmen sollen künftig von der Europäischen Zentralbank beaufsichtigt werden. Das sieht ein Gesetzesvorschlag der EU-Kommission vor.

Die Büros der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB)
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Die Büros der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB)


Große Investmentfirmen sollen nach dem Willen der EU-Kommission künftig wie systemrelevante Banken unter die Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) gestellt werden. Einen entsprechenden Gesetzesvorschlag legte die Brüsseler Behörde vor. Demnach sollen Firmen mit Vermögenswerten von mehr als 30 Milliarden Euro in Zukunft als wichtige Kreditinstitute eingestuft und dementsprechend behandelt werden.

Investmentfirmen spielen nach Angaben der EU-Kommission vor allem in der Anlageberatung, der Vermögensverwaltung und der Investitionsförderung eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu Banken nehmen sie allerdings in der Regel keine Sparguthaben an. Dadurch bestehe für sie etwa nicht so ein hohes Risiko, dass Anleger ihre Guthaben in Krisenfällen fluchtartig abheben.

"Unser Regelwerk muss der zentralen Rolle, die diesen Firmen bei der Lenkung der Investitionsströme in die Kapitalmärkte zukommt, Rechnung tragen und gleichzeitig sicherstellen, dass die mit ihren Tätigkeiten verbundenen Risiken angemessen abgedeckt sind", sagte EU-Vizekommissionspräsident Jyrki Katainen.

Nach der schweren Finanzkrise ab 2007 hatte die EU bereits in der Bankenunion unter anderem die Aufsicht von rund 120 wichtigen Banken durch die EZB geregelt.

Die EU-Staaten und das Europaparlament müssten den neuen Vorschlägen nun zustimmen, damit sie Gesetz werden können.

hej/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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gersois 20.12.2017
1. Interessenkonflikt möglich
Ob der Goldman Sachs-Lehrling Draghi ein guter Aufseher ist, wo er sich doch von Blackrock, der größten Schattenbank der Welt, beraten lässt?
wasistlosnix 20.12.2017
2. @1 gersois
Draghi hat noch 2 Jahre das ist überschaubar.
sir wilfried 20.12.2017
3. Dürfen die das?
Banken oder Investmentfirmen kontrollieren - ist das statthaft? Vielleicht machen die Gewinne, das hat niemand zu interessieren. Vielleicht machen sie Verluste, darüber wird man uns knapp informieren - als unfreiwillige Bürgen.
TS_Alien 20.12.2017
4.
Die Aufsichten sind ein Witz. Risiken kann man auch heute noch bequem aus den Büchern nehmen, wenn man sie auf dem Papier "absichert". Man kann vermuten, dass mit diesem Gesetz Steuergelder für Investmentfirmen fließen sollen, sollte das Finanzsystem erneut große Probleme bekommen. Bald beginnt das zehnte Jahr der Finanzkrise. Der Schrecken ohne Ende ist Wirklichkeit geworden.
dasfred 21.12.2017
5. Was das wieder kostet
Mehrere hundert Lobbyisten müssen jetzt wieder bezahlt werden, um die schlimmsten Auswüchse des Kontrollwahns in erträglichen Grenzen zu halten. Gesetzte müssen aufs schwammigste umformuliert werden. Und der Gipfel der Frechheit, man zweifelt die Kompetenz und Verantwortung der Investment Banker an, die sich ihren Ruf als Wohltäter über Jahre mühsam aufgebaut haben. Die Politik soll nicht die Hand beissen, die sie füttert.
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