Logistikkartell Bahn muss Bußgeld in Millionenhöhe zahlen

Der EU-Kommission ist erneut ein Schlag gegen Kartellsünder gelungen. Diesmal traf es Logistikkonzerne. Die Deutsche Bahn muss ein millionenschweres Bußgeld zahlen, die Post kam ohne Strafe davon. Der Konzern hatte die Absprachen verraten.


Brüssel/Berlin - Verbotene Absprachen mit Konkurrenten haben Logistikkonzernen hohe Bußgelder eingebracht. Die Deutsche Bahn und Kühne + Nagel müssen insgesamt 169 Millionen Euro Strafgelder an die EU zahlen. Auch weitere international bekannte Logistikunternehmen sind betroffen.

Die Deutsche Post mit ihren Töchtern DHL und Exel dagegen kommt ohne Strafe davon. Der Konzern hatte den Wettbewerbshütern das Luftfrachtkartell gebeichtet. "Unternehmen sollten sich bewusst sein, dass es sie teuer zu stehen kommt, wenn sie zu weit gehen und Preise absprechen", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

Die Deutsche Bahn kommt inklusive ihrer Tochterfirmen Schenker und Bax Global auf ein Bußgeld von 34,9 Millionen Euro. Da auch die Deutsche Bahn und ihre Ableger gegen ihre Kartellpartner aussagten, senkte die EU-Kommission die Strafzahlungen je nach Wichtigkeit und Zeitpunkt der Angaben um fünf bis 50 Prozent. Die verantwortlichen Manager hätten das Unternehmen inzwischen verlassen, sagte ein Bahn-Sprecher in Berlin. Bei DB Schenker seien personell und organisatorisch Konsequenzen gezogen worden.

Die US-Unternehmensgruppe UPS soll rund 9,7 Millionen Euro zahlen. Das Schweizer Logistik-Unternehmen Kühne + Nagel wurde ein Bußgeld von 53,7 Millionen Euro auferlegt. Es werde in Betracht gezogen, gegen die Entscheidung Rechtsmittel einzulegen, teilte der Konzern mit.

Gemüsesorten als Verschleierungstaktik

Die betroffenen Unternehmen können innerhalb von zwei Monaten beim Europäischen Gerichtshof gegen die Entscheidung klagen. Die Firmen haben laut EU-Kommission zwischen 2002 und 2007 bei vier Kartellen Preise und andere Handelsbedingungen abgestimmt. Vor allem Lieferungen zwischen Europa und China sowie Hongkong und zwischen Europa und den USA seien betroffen gewesen. Die Preise für Unternehmen und Privatleute, die die Tür-zu-Tür-Luftfrachtdienste nutzten, seien dadurch gestiegen.

Bei ihren verbotenen Vereinbarungen hätten die Unternehmen Verschleierungstaktiken genutzt. Bei einem der Kartelle standen sie im "Gärtnerclub" miteinander in Verbindung. Statt von Preisen und Leistungen war dabei von Gemüsesorten wie Spargel und Mini-Zucchini die Rede, teilte die Kommission mit.

mmq/dpa



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Seite 1
AntiGravEinheit 28.03.2012
1. Vorschau
Zitat von sysopDer EU-Kommission ist erneut ein Schlag gegen Kartellsünder gelungen. Diesmal traf es Logistikkonzerne. Die Deutsche Bahn muss ein millionenschweres Bußgeld zahlen, die Post kam ohne Strafe davon. Der Konzern hatte die Absprachen verraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,824416,00.html
Aha. Umkehrschluß: Wenn man nicht zu weit geht (also nur ein bißchen Preisabsprachen), dann kommt es niemenden teuer zu stehen. Könnte das vielleicht der Grund sein, daß das Benzinpreiskartell bislang ungeschoren davongekommen ist? Hier bewegen sich die Preisabsprachen ja nur im Cent-Bereich ...
jos4711 28.03.2012
2.
Zitat von sysopDer EU-Kommission ist erneut ein Schlag gegen Kartellsünder gelungen. Diesmal traf es Logistikkonzerne. Die Deutsche Bahn muss ein millionenschweres Bußgeld zahlen, die Post kam ohne Strafe davon. Der Konzern hatte die Absprachen verraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,824416,00.html
Die Nervensegen von TNT haben da ja nicht mitgezogen und die Preise von UPS, Schenker und DHL z.T. massiv unterboten. Wie praktisch, dass sich das Thema nun bald erledigt hat: UPS schluckt TNT. Dann brummt das Geschäft mit den Mini-Zucchini ja bald wieder.
solomong. 29.03.2012
3. Was für ein Geschachere
Zitat von sysopDer EU-Kommission ist erneut ein Schlag gegen Kartellsünder gelungen. Diesmal traf es Logistikkonzerne. Die Deutsche Bahn muss ein millionenschweres Bußgeld zahlen, die Post kam ohne Strafe davon. Der Konzern hatte die Absprachen verraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,824416,00.html
und der Spiegel spricht von einem Schlag, lächerlich! Wie wäre es denn mit dem Verkauf von "Kartellzertifikaten"; wer zahlt, darf ein bißchen schmutzige Geschäfte machen, so etwa 4 Absprachen über ein Quartal kostet x Euro... und wer die 5. verpetzt bekommt sechs Wochen Verlängerung als Bonus.
ANDIEFUZZICH 29.03.2012
4. Seite 5 in der Zeitung...
Zitat von sysopDer EU-Kommission ist erneut ein Schlag gegen Kartellsünder gelungen. Diesmal traf es Logistikkonzerne. Die Deutsche Bahn muss ein millionenschweres Bußgeld zahlen, die Post kam ohne Strafe davon. Der Konzern hatte die Absprachen verraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,824416,00.html
Und alles schön fein iin den Blogs versteckt...
hmorun 29.03.2012
5. Mafia
Das sind keine normalen weitschaftspraktiken mehr. das sind Mafia aktivitäten.Aber die gibt es ja nur in Italien. Warum sollten die bei uns Millarden abstaubern wollen, wenn es in Palermo doch Peanuts gibt- uns schützen ja die alpen. Oder doch nicht?
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