Kristina Gnirke

EuGH-Urteil zu Medikamentenpreisen Weg mit dem Apothekerprivileg!

Das Gesundheitssystem wird teurer, überall wird gespart - in Krankenhäusern, bei Ärzten und Behandlungen. Ein Ort blieb verschont, bis jetzt: die Apotheken. Dabei wären Einsparungen dort sinnvoller als irgendwo sonst.
Kunden in der Apotheke

Kunden in der Apotheke

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance / dpa

Wie komplex ein Problem auch sein mag - der Volksmund packt es oft geschickt in ein einziges, treffendes Wort. Der Duden hat ein solches sogar übernommen: Apothekerpreis. Die Experten übersetzen es auf Englisch mit "extortionate price" - zu deutsch: "ungeheurer, halsabschneiderischer, erpresserischer Preis". Ja, die Apotheker haben sich mit ihren festgezurrten Medikamentenpreisen kein hohes Ansehen erworben.

Vor allem chronisch Kranke suchen händeringend nach günstigen Alternativen für ihre Medizin. Der Europäische Gerichtshof reißt ihnen nun eine Lücke ins starre deutsche Preissystem. Dies sollte der Anfang vom Ende des deutschen Apothekermonopols werden.

Die Richter haben die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente als Verstoß gegen das Unionsrecht gebrandmarkt. Für ausländische Versandapotheken wird es demnach gekippt, sie können daher mit geringeren Preisen angreifen. Die Frage wird nun sein, ob angesichts der Konkurrenz das bisherige Preisregime für hiesige Anbieter erhalten bleiben kann. Deutschlands Apotheker reagieren entsetzt. Sie fordern, der deutsche Gesetzgeber möge den Versandhandel mit Medizin auf Rezept gleich ganz verbieten - und so die Apothekerpreise erhalten.

Von wegen! Genau das Gegenteil ist nötig. Jetzt wird es Zeit, dass die Apotheker in den Wettbewerb entlassen werden. Nur so lässt sich der Spardruck in unserem Gesundheitssystem gerecht auf alle Beteiligten verteilen.

Die Apotheker verweigern sich dem freien Kampf mit Rivalen

Um die steigenden Kosten der Gesundheitsversorgung abzufedern, werden selbst dort wettbewerbliche Strukturen eingezogen, wo sie sich nur schwer herstellen lassen: in Krankenhäusern, bei Ärzten und Krankenkassen. Wettbewerb verlangt vergleichbare Leistungen, die sich voneinander abheben lassen. Das ist gerade dort oft schwer erzielbar - im Gegensatz zum Apothekermarkt.

Das Geschäft mit Arzneimitteln lässt sich weit einfacher den Kräften des Wettbewerbs freigeben. Was die Apotheken und Versender betrifft, ist es ein ganz normaler Handelszweig. Die grundsätzlichen Kosten der Medikamente in Deutschland werden von Pharmafirmen und Gesetzgeber bestimmt, die Händler schlagen ihre gesetzlich festgelegten Preise als Dienstleister nur oben drauf.

Die Apotheker verweigern sich dem freien Kampf mit Rivalen mit dem Argument, sie böten wichtige Beratung. Dabei widerlegen dies viele Tests von Verbraucherschützern, in denen genau diese Leistung als eher schlecht eingeschätzt wird. Wirksamer wäre die Beratung beim Arzt aufgehoben, der besser als jeder andere weiß, welche Medikamente seine Patienten nehmen. Dadurch lassen sich auch hier mögliche negative Wechselwirkungen eher erkennen. Apotheken wären hier als Partner wichtig, doch Konkurrenz schließt dies nicht aus. Der Gesetzgeber kann zudem verlangen, dass sämtliche Anbieter rezeptpflichtiger Medikamente eine Beratung anbieten - auch Internetfirmen, etwa über Hotlines.

Der neue Wettbewerb dürfte die Apotheken sogar verbessern: Sie müssten bald mehr Leistungen anbieten, mit denen sie sich von den günstigen Rivalen absetzen können. Das würde dem Schutz der Gesundheit besser dienen als ein abgeriegelter Markt mit horrenden Preisen.

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