Euro-Gipfeltreffen Zaudernde Griechen-Retter vergrätzen Finanzmärkte

Die Finanzminister spielen in der Euro-Krise auf Zeit, wollen neue Griechen-Hilfen erst später bewilligen - an den Märkten sorgt diese Taktik für fallende Kurse. Finanzwerte brachen ein, der Dax näherte sich zeitweise der 7000-Punkte-Marke. Händler rechnen mit einer andauernden Berg- und Talfahrt. 

Finanzminister Lagarde und Schäuble: Entscheidung vertagt
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Finanzminister Lagarde und Schäuble: Entscheidung vertagt


Frankfurt am Main - Die Akteure auf den Finanzmärkten reagieren unzufrieden auf das zögerliche Verhalten der Euro-Finanzminister in der Griechenland-Krise. Aktien von Finanzunternehmen wie Allianz Chart zeigen, Commerzbank Chart zeigen und Deutsche Bank Chart zeigen büßten zeitweise mehr als zwei Prozent ein. Der Euro gab zum US-Dollar zeitweise knapp einen Cent nach und sank unter die Marke von 1,42 Dollar. Am Montagmittag stabilisierte sich die Gemeinschaftswährung jedoch wieder bei über 1,42 Dollar.

Die Euro-Finanzminister hatten die Entscheidung über die nächste Milliardenüberweisung für Griechenland in der Nacht zum Montag vertagt. Eigentlich war erwartet worden, dass sie die nächste Kredittranche von zwölf Milliarden Euro aus dem bestehenden Hilfspaket absegnen würden. Griechenland braucht das Geld bis spätestens Mitte Juli, um eine Staatspleite abzuwenden. Die Finanzminister machten die Freigabe weiterer Hilfszahlungen aber von der Zustimmung des griechischen Parlaments zu den Sparplänen abhängig.

Auch über die Einbindung privater Gläubiger erzielten die Finanzminister noch keine Lösung. Sie verständigten sich zwar grundsätzlich auf eine Beteiligung der Investoren - Details sollen aber erst Mitte Juli festgelegt werden.

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Grafiken: Die Schuldenkrise in Griechenland

Die Banken rechnen nicht damit, in Kürze an den Rettungsmaßnahmen beteiligt zu werden. Zunächst dürften die europäischen Finanzminister neue Kredite für das Euro-Land "lediglich mit dem vagen Appell garnieren, in Griechenland investiert zu bleiben", sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer.

Erst wenn die Lage in den anderen Krisenländern sich in vielleicht ein bis zwei Jahren entspannt habe, dürften die Anleihegläubiger herangezogen werden, sagte Krämer: "Dann könnte Griechenland nämlich nicht mehr den Rest des Euro-Raums anstecken."

Kurse deutscher Staatsanleihen steigen

Wie riskant die Verzögerungstaktik der Euro-Staaten ist, zeigt sich jedoch auch am Markt für griechische Staatsanleihen: Dort legten die Risikoaufschläge deutlich zu, vor allem Papiere mit kurzen Laufzeiten. Die Rendite zweijähriger Staatstitel stieg im Vormittagshandel auf 25,7 Prozent. Auch für portugiesische Anleihen legten die Renditen merklich zu. Das Land bekommt ebenfalls Hilfen der Euro-Partner.

An den Aktienmärkte zeigte das Finanzminister-Treffen ebenfalls Wirkung: Der deutsche Leitindex Dax lag zeitweise mit 1,3 Prozent im Minus bei 7073 Punkten. "So lange es nicht zu einer Auszahlung der nächsten Tranche des Rettungspakets kommt, wird sich an der Berg- und Talfahrt des Dax nichts ändern", sagte ein Börsenhändler.

Deutsche Staatsanleihen profitierten hingegen. Dort legten die Kurse spürbar zu, im Gegenzug sanken die Renditen. Auch an den Rohstoffmärkten zeigten sich spürbare Reaktionen, insbesondere am Ölmarkt. Die Ölpreise quittierten die verschobene Lösung mit Verlusten um knapp eineinhalb Dollar. Rohstoffe gelten als vergleichsweise riskante Anlageklasse, die zumeist von einer hohen Unsicherheit belastet werden.

cte/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 146 Beiträge
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andresa 20.06.2011
1. Solidarität
Jeder aufrechte Demokrat sollte die Bürgerbewegungen in Spanien und Griechenland unterstützen, die sich gegen die Ausplünderung ihrer Volkswirtschaften stemmen. Sie sind die wahren Helden des europäischen Einigungsprozesses. http://le-bohemien.net/2011/06/20/griechenland-im-ausverkauf/ ...so schauts nun mal aus!
husker 20.06.2011
2. ...
Diese Trottel von Politikern bringen das ganze System ins Grab. Und Schäuble ist der Totengräber Nr. 1.
weltbetrachter 20.06.2011
3. na entlich merken die Finanzjongleure ...
Super, entlich merken die Finanzjongleure, das nicht sie die Politik machen, sondern Regierungen und Parlamente. . Toller Effekt !!! - Weiter so !!!
Berd 20.06.2011
4. Die armen Finanzmärkte
Zitat von sysopDie Finanzminister spielen in der Euro-Krise auf Zeit, wollen neue Griechen-Hilfen erst später bewilligen - an den Märkten sorgt diese Taktik*für fallende Kurse. Finanzwerte brachen ein, der Dax näherte sich zeitweise der 7000-Punkte-Marke. Händler rechnen*mit einer andauernden*Berg- und Talfahrt.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,769365,00.html
Die armen, armen Finanzmärkte. Um die Steuerzahler, die alles zahlen müssen, schert sich dagegen wieder einmal keiner. Gruß berd
j.b.h. 20.06.2011
5. spiegel.de oder bild.de
Wieso haben eigentlich Spiegel.de-Meldungen zum Euro und der Börse keinen Bezug mehr zu den tatsächlich am Markt stattfindenden Vorgängen? Qualitätsjournalismus ist etwas anderes.
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