Euro-Krise Italien muss Rekordzinsen für neue Schulden bezahlen

Die Börsen feiern die Gipfelbeschlüsse, doch Italien bereitet den Euro-Rettern schon wieder massive Sorgen: Das Land muss extrem hohe Zinsen für seine neue Schulden akzeptieren - die höchsten seit der Einführung des Euro.

Silvio Berlusconi: Rekordzinsen für neue Schulden, Generalstreik droht
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Silvio Berlusconi: Rekordzinsen für neue Schulden, Generalstreik droht


Rom - Ernüchterung nach der Euphorie: Italien hat trotz der Beschlüsse des EU-Gipfels zur Schuldenkrise spürbar höhere Zinsen in Kauf nehmen müssen. Das hochverschuldete Euro-Land beschaffte sich am Freitag bei mehreren Versteigerungen von Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten frisches Geld im Volumen von insgesamt rund 7,9 Milliarden Euro. Für Zehnjahresanleihen musste Italien eine Rendite von 6,06 Prozent bieten, um ausreichend Käufer zu finden - noch vor einem Monat lag der Zinssatz bei deutlich niedrigeren 5,86 Prozent.

Mit den bis März 2022 laufenden Anleihen nahm Italien 2,89 Milliarden Euro ein. Laut dem Finanzministerium in Rom zahlte das Land damit die höchsten Zinsen für Schuldverschreibungen mit zehnjähriger Laufzeit seit Einführung des Euro. Analysten zeigten sich überrascht über die hohen Zinsen, die Italien zahlen muss.

Mit den Gipfelbeschlüssen zur Euro-Rettung in der Nacht auf Donnerstag sollten eigentlich auch die Kosten für neue Schulden Italiens verringert werden. Frankreich und Deutschland drängten die Regierung Berlusconi dazu, schriftlich konkrete Maßnahmen zur Haushaltssanierung zu versprechen - so sollte das Vertrauen der Märkte erlangt werden.

Tatsächlich lieferte der Ministerpräsident ein 14-seitiges Schreiben an die Runde der Euro-Staaten, die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" nannte es das "größte Wirtschaftsreform-Programm, das in Italien je zu Papier gebracht wurde". Es umfasst unter anderem das Versprechen, das Rentensystem zu reformieren. Nicht einmal zwei Tage nach dem Ende des Euro-Rettungsgipfels scheint nun festzustehen: Die Märkte glauben nicht an entschiedene und effektive Sparschritte Italiens. "Damit steigt der Druck auf Italien, sein Schuldenproblem zu lösen", sagte ein Analyst.

Für die ohnehin zerstrittene Regierung in Rom wird es offenbar schwierig, die Absichtserklärungen des Gipfels auch umzusetzen: Die Gewerkschaften des Landes sind zum Widerstand gegen die Sanierungspläne entschlossen - bis hin zum Generalstreik. Laut einem Bericht der italienischen Zeitung "L'Unità" seien die größten Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL bereit zu diesem Schritt. Bereits am Freitag sollen Massendemonstrationen in Rom stattfinden.

fdi/dpa-AFX/Reuters

insgesamt 68 Beiträge
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c++ 28.10.2011
1. .
Über die Zinsen erziehen die Finanzmärkte Italien zu vernünftigem Wirtschaften. Alternativ kann ja der italienische Staat auch mal eine Sonderabgabe von den Vermögenden fordern und damit die Staatsausgaben finanzieren, wie es Augstein vorschlägt. Das wäre seriöses Wirtschaften.
ditor 28.10.2011
2. Die Lösung ist einfach
Die Lösung für das Problem steigender Zinsen ist dank Marktwirtschaft recht einfach zu lösen. Einfach weniger Schulden aufnehmen als Altschulden auslaufen, das Verringert das Angebot und die Zinsen sinken. Ich denke dass wissen auch die Italiener und sie drücken sich vor der Lösung wie wir auch.
kellitom, 28.10.2011
3. Die hohen Exportüberschüsse Deutschlands
tragen auch zur übermäßigen Verschuldung Italiens bei. Erzielt werden diese Überschüsse durch Lohndumping in Detuschland. Damit muss endlich Schluß sein. Ziel muss eine ausgeglichene Leistungsbilanz sein!
otto huebner 28.10.2011
4. ich kaufe schon lange keine europaeischen .......
staatsanleihen mehr. und anleihen aus den club-med / piigs staaten plus frankfreich und belgien schon garnicht.
mann-in-kapstadt 28.10.2011
5. 2,89 Milliarden
Wie jetzt? Im Text steht, dass 2,89 Milliarden eingenommen wurden, das Gesamtvolumen aber 7,9 Milliarden betraegt. Nach meiner Rechnung (naiv gerechnet 2,89 Mrd mit 6,06 % verzinst und verzinseszinst) sollte die Schuld 2022 bei 5,205 Mrd liegen. Haben die einen progressiven Zins oder sowas? Oder sind die Kreditfinanzierungskosten so hoch? Wie dem auch sei: Wenn aus 2,89 Mrd in zehn Jahren 7,9 Mrd werden, dann ist dieser tolle 50% Schuldenschnitt, den die Banken so grosszuegig freiwillig gewaehrt haben ja wohl ein Hohn.
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