Euro-Krise Italiens Zinsen steigen in roten Bereich

Silvio Berlusconi hat seinen Rückzug angekündigt - doch die Erleichterung darüber ist an den Börsen schnell verpufft: Italien muss für neue Schulden Rekordzinsen von sieben Prozent zahlen. Bei diesem Niveau mussten andere Euro-Krisenländer gerettet werden.
Premier Berlusconi noch am Ruder: Börsenkurse und Euro fallen, Anleihen-Zinsen steigen

Premier Berlusconi noch am Ruder: Börsenkurse und Euro fallen, Anleihen-Zinsen steigen

Foto: MAX ROSSI/ Reuters

Frankfurt am Main - Die Hochstimmung an den Börsen währte nur kurz: Die Ankündigung des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, sein Amt in Kürze aufzugeben, hat die Anleger nicht nachhaltig beruhigt. Zwar stiegen die Kurse an der Wall Street und den asiatischen Finanzmärkten, und auch der Dax   startete mit einem Plus in den Handel, doch schon bald drehte die Stimmung: Innerhalb weniger Minuten fiel der deutsche Leitindex um mehr als zwei Prozent, am späten Vormittag stand er mit 2,4 Prozent im Minus.

Wirklich dramatisch ist allerdings die Entwicklung auf dem Anleihemarkt. Denn die Renditen für italienische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit stiegen auf ein Rekordhoch von 7,36 Prozent. Das heißt: Der italienische Staat muss für neue Schulden Zinsen von über sieben Prozent zahlen. Am Vorabend war die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen mit 6,75 Prozent noch deutlich niedriger.

Relevant ist immer auch der Vergleich zu deutschen Bundesanleihen, die als besonders sicher gelten. Und auch hier ist das Bild düster: Der Risikoaufschlag, den die Anleger für italienische Papiere verlangen, ist mittlerweile so hoch wie nie seit Einführung des Euro.

Die Marke von sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen gilt als äußerst kritisch. Ab diesem Niveau mussten andere Euro-Krisenstaaten wie Griechenland, Irland und Portugal gerettet werden. Der damalige portugiesische Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos hatte diese Grenze im November vergangenen Jahres explizit gezogen, als er sagte, wenn Effektivzinsen um die sieben Prozent erreicht seien, komme der Zeitpunkt, ab dem sein Land den Internationalen Währungsfonds um Hilfe bitten müsse.

Auch die Versicherungskosten gegen einen Ausfall italienischer Staatsanleihen stiegen auf einen Rekordwert. Die Prämie für fünfjährige Staatstitel kletterte bis Mittwochmittag auf bis zu 536 Basispunkte. Das bedeutet, dass eine Versicherung für eine fünfjährige Staatsanleihe mit einem Nennwert von einer Million Euro derzeit 53.600 Euro kostet.

"Was kommt nach Berlusconi?"

Die Lage in Italien belastet auch den Devisenmarkt. So verlor der Euro   wieder an Wert. Die Gemeinschaftswährung gab im Tagesverlauf bis zum frühen Nachmittag um mehr als zwei US-Cent nach und rutschte auf 1,3612 Dollar. An der Wall Street war der Euro am Vorabend noch über die Marke von 1,38 Dollar gestiegen. Auch an den anderen europäischen Börsen fielen die Kurse. Der EuroStoxx 50   verlor 2,5 Prozent, ebenso der Pariser CAC 40  . In London notierte der FTSE 100   um 1,5 Prozent niedriger.

Als Hauptgrund für die fallenden Kurse nannten Analysten die unsichere Zukunft der italienischen Politik. "Die große Hoffnung ist, dass Berlusconi abtritt und danach glaubwürdig Reformen angegangen werden", sagte ein Händler. "Aber das Gerangel geht nun schon seit Tagen, und immer noch ist nichts gelöst. Man muss auch die Frage stellen: Was kommt nach Berlusconi?" Der italienische Noch-Ministerpräsident selbst hatte am Morgen den früheren Justizminister Angelino Alfano als Nachfolgekandidaten genannt.

Daneben wirkte sich auch das Machtgerangel in Griechenland negativ auf die Märkte aus. In Athen geht die Bildung einer Übergangsregierung nicht recht voran. Investoren hoffen, dass im Laufe des Tages wie angekündigt ein neuer Regierungschef vorgestellt wird. Eigentlich war dies bereits für Montag oder Dienstag geplant.

Noch im frühen Geschäft waren die Investoren optimistischer gestimmt gewesen: In der Hoffnung auf eine reformwillige neue Regierung in Rom und ein handlungsfähiges Kabinett in Athen war der Dax noch um knapp ein Prozent gestiegen. Am späten Vormittag war es mit dem Optimismus dann vorbei: An den meisten Börsen drehten die Kurse ins Minus.

fdi/Reuters/dpa-AFX
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