Euro-Krise Zinsen für griechische Staatsanleihen auf Rekordhoch

Der Streit um Garantien für Finnlands Beteiligung am Euro-Hilfsfonds treibt griechische Staatsanleihen in die Höhe. Doch die Finnen bestehen auf die Sonderbehandlung und wollen nur über Details des Abkommens diskutieren.

Kampf gegen Sparpläne: Demonstranten vor dem griechischen Parlament
REUTERS

Kampf gegen Sparpläne: Demonstranten vor dem griechischen Parlament


Athen - Die Zinsen für zehnjährige griechische Staatsanleihen sind am Donnerstag auf ein Rekordhoch gestiegen. Für die langfristigen Papiere wurden am Donnerstag mehr als 18 Prozent Zinsen berechnet. Der Abstand zu zehnjährigen Staatsanleihen aus Deutschland betrug damit mehr als 16 Prozentpunkte. Zweijährige griechische Papiere warfen mit bis zu 46,931 Prozent so viel ab wie noch nie seit Einführung des Euro. Auch die Versicherungen gegen den Ausfall griechischer Staatsanleihen (CDS) legten erneut zu. Um eine Summe von zehn Millionen Euro abzusichern, mussten nach Angaben des Datenanbieters Markit 2,3 Millionen Euro gezahlt werden - 162.000 Euro mehr als am Mittwoch.

Ausgelöst wurde der Anstieg am Donnerstag durch die Sorge, dass Forderungen nach Sicherheiten das zweite milliardenschwere Rettungspaket der EU für Griechenland untergraben könnten. Finnland hat ein entsprechendes Sonderabkommen mit Athen ausgehandelt. Das Abkommen muss von den anderen Mitgliedsstaaten der Eurozone gebilligt werden, damit es in Kraft tritt. Sollte dies geschehen, haben vier weitere Staaten - die Niederlande, Österreich, Slowenien und die Slowakei - angekündigt, ebenfalls Sicherheiten einzufordern.

Deutschland und andere Staaten der Eurozone sind gegen das von Finnland verfolgte Abkommen, weil dieses durch die neuen Rettungskredite finanziert würde. Finnland hat angekündigt, nicht von seinem Vorhaben abzulassen. Ministerpräsident Jyrki Katainen sagte aber, seine Regierung sei zu Änderungen der Details des Abkommens bereit.

Nach dem Abkommen würde das schuldengeplagte Griechenland Hunderte Millionen von Euro als Sicherheiten für Finnland bereitstellen. Das Geld und die daraus erwirtschafteten Zinsen würden den finnischen Beitrag zum Rettungspaket absichern. Österreich kündigte an, die Finanzminister der Eurozone aufzufordern, dafür zu sorgen, dass für alle am griechischen Rettungspaket beteiligten Staaten die gleichen Bedingungen für Sicherheiten gelten.

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft, Stefan Kapferer, traf sich am Donnerstag mit dem griechischen Entwicklungsminister Michalis Chryssohoidis in Athen. Die Gespräche konzentrierten sich auf Investitionsmöglichkeiten in Griechenland, vor allem im Tourismusbereich und auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Kapferer sollte auch mit dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos zusammentreffen.

nkk/ Reuters/ dapd



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