Krise der Euro-Zone EZB-Chef nährt Hoffnung auf Ende der Rezession

Noch hat die Rezession die Euro-Zone fest im Griff - doch Mario Draghi prophezeit Besserung. Der Chef der Europäischen Zentralbank sieht Anzeichen für eine langsame Erholung ab Jahresende. Einen wirklichen Aufschwung erwartet offenbar aber auch er nicht.
EZB-Präsident Draghi in China: Hoffen auf die Wende

EZB-Präsident Draghi in China: Hoffen auf die Wende

Foto: AP/dpa

Shanghai - Die Wirtschaft in der Euro-Zone steuert nach Einschätzung von EZB-Chef Mario Draghi auf eine schrittweise Erholung gegen Ende des Jahres zu. "Die wirtschaftliche Situation im Euro-Raum ist weiterhin schwierig, aber es gibt ein paar Anzeichen für eine mögliche Stabilisierung", sagte Draghi am Montag auf einer Konferenz in Shanghai. Die Europäische Zentralbank (EZB) gehe daher davon aus, dass gegen Ende des Jahres eine "sehr langsame Erholung" einsetzen werde.

Anfang Mai hatte die EZB den Leitzins für die Euro-Zone auf ein neues historisches Tief von 0,5 Prozent gesenkt. Die Zinssenkung solle zu einer Erholung beitragen, die später in diesem Jahr erwartet werde, sagte Draghi damals. Der Leitzins definiert den Preis, zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB Geld leihen können. Ein niedriger Zins soll auch die Kreditvergabe der Banken an die Wirtschaft erleichtern und damit die Konjunktur anschieben.

In vielen Ländern der Euro-Zone scheint das auch dringend notwendig. Ein Großteil der Mitgliedstaaten steckt in der Rezession - darunter auch große Volkswirtschaften wie Frankreich, Italien und Spanien. In allen drei Ländern ist die Arbeitslosigkeit so hoch wie noch nie zuvor.

Die EZB versucht mit billigem Geld gegenzusteuern. Bei ihrer nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag werden die Notenbanker voraussichtlich aber eine Pause einlegen und die Zinsen nicht weiter senken. Das erwarten zumindest die meisten von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Experten.

Auch der Ankauf von Staatsanleihen gehört zum Krisenrepertoire der EZB. Im vergangenen Jahr hatte Draghi angekündigt, im Notfall unbegrenzt Anleihen gefährdeter Volkswirtschaften aufzukaufen. Deswegen stehen der EZB-Chef und seine Kollegen vor allem in Deutschland stark unter Druck. In der kommenden Woche verhandelt das Bundesverfassungsgericht eine Klage gegen das Anleihekaufprogramm. Dabei soll der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen die Argumente der Notenbank vortragen.

In Shanghai verteidigte Draghi das Programm. Es habe einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Finanzmärkte zu beruhigen. Davon hätten Unternehmen, Banken und Haushalte gleichermaßen profitiert. Gleichwohl ermahnte Draghi die Regierungen in der Euro-Zone, die gewonnene Atempause für Reformen zu nutzen.

stk/Reuters/AFP