Schwacher Euro Textilbranche kündigt Preiserhöhungen an

Deutschlands Exportwirtschaft profitiert vom niedrigen Eurokurs - doch die schwache Währung hat auch Nachteile für Verbraucher: Kleider und Schuhe dürften teurer werden, warnen Branchenvertreter.

Kleiderfabrik in Bangladesch: "Es muss teurer werden"
REUTERS

Kleiderfabrik in Bangladesch: "Es muss teurer werden"


Berlin - Der schwache Euro wird nach Einschätzung der Branche Kleidung und Schuhe in den kommenden Monaten teurer machen. "Textil ist ein klassisches Importprodukt", sagte der Chef des Bielefelder Modedienstleisters Katag, Daniel Terberger, der "Welt". Weil in den Einkaufsländern in Asien entweder in Dollar gehandelt werde oder die jeweilige Landeswährung an den Dollar gekoppelt sei, schlage die anhaltende Euroschwäche voll durch. Preiserhöhungen seien daher dringend nötig.

Zur möglichen Höhe wollten sich Verbände und Unternehmen nicht konkret äußern. In der Branche sei aber von bis zu zehn Prozent die Rede, schreibt die "Welt".

Nach Angaben des Modeindustrieverbands German Fashion liegen sieben der zehn wichtigsten Importländer in Asien. Das mit Abstand größte Lieferland für Deutschland ist demnach China, gefolgt von Bangladesch, Indien und Vietnam. Entsprechend heftig wirke die Abwertung des Euro, sagte der Hauptgeschäftsführer von German Fashion, Thomas Rasch, der Zeitung. "Es muss daher teurer werden." Zwar habe sich die Mehrzahl der Unternehmen gegen Währungsschwankungen abgesichert. Die Laufzeit der entsprechenden Finanzverträge sei aber begrenzt.

Der Kurs des Euro war in den vergangenen zwölf Monaten von rund 1,40 Dollar auf unter 1,05 Dollar gefallen. Am Montagmorgen notierte er bei 1,08 Dollar. Grund für die Schwäche der Währung ist vor allem die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Während die US-Notenbank Fed die Leitzinsen langsam wieder erhöhen will, hält die EZB den Preis des Geldes weiter so niedrig wie nie zuvor und hat zudem ein gewaltiges Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen gestartet. All das macht den Euro für Investoren zunehmend unattraktiv.

Nun kommt es darauf an, wie stark die Geldpolitik in den USA und Europa auseinanderdriftet - und wie deutlich sich das auf den Wechselkurs auswirkt.

In der Textilindustrie ist die Ware für den anstehenden Sommer längst bestellt, die für Herbst ebenfalls zu großen Teilen. "Danach aber dürfte die Abwertung des Euro voll durchschlagen", sagte Jürgen Dax, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des deutschen Textileinzelhandels (BTE). "Bei der nächsten Winter- und Frühjahrskollektion wird es daher Preisanhebungen geben."

stk/dpa



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