Manager-Umfrage in Eurozone Unternehmen so pessimistisch wie seit sechs Jahren nicht

Die Unternehmensstimmung in der Eurozone hat den tiefsten Stand seit mehr als sechs Jahren erreicht. Die Geschäfte in der deutschen Industrie laufen schlecht. Die Bundesbank beschwichtigt dennoch.

Mitarbeiterin bei Maschinenbauer in Sachsen: Branche in Sorge
Waltraud Grubitzsch / DPA

Mitarbeiterin bei Maschinenbauer in Sachsen: Branche in Sorge


Neue Umfragedaten zur Wirtschaftsstimmung in der Eurozone verheißen nichts Gutes: Denn die Unternehmen sind so pessimistisch wie seit sechs Jahren nicht mehr. Der vom Markit-Institut erhobene Einkaufsmanagerindex fiel im September auf 50,4 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2013. In Deutschland sanken die Indikatoren sowohl in der stark angeschlagenen Industrie als auch im stabileren Dienstleistungssektor deutlich.

Analysten wurden von der Entwicklung überrascht. Sie hatten mit einem Anstieg gerechnet. Für den Index befragt Markit monatlich rund 800 Firmen. Mit Blick auf Deutschland sagte Markit-Ökonom Phil Smith: "Die Industriedaten sind einfach schrecklich." Die Verunsicherung wegen der Handelskonflikte, der Brexit und die Probleme der Autobranche bremsten die Aufträge.

"Der Gegenwind für die Konjunktur in Deutschland bläst immer stärker", sagte BayernLB-Ökonom Stefan Kipar. Die deutschen Maschinenbauer stellen sich bereits auf einen längeren Abschwung ein: 2020 erwarte die Branche wie bereits im laufenden Jahr einen Produktionsrückgang von zwei Prozent. "Der Handelsstreit zwischen den USA und China und ein wachsender Protektionismus rund um den Globus gehen nicht folgenlos am Exportweltmeister Maschinenbau vorbei", erklärte der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA, Ralph Wiechers. "Eine baldige, nachhaltige Änderung zum Positiven ist nicht absehbar."

Bundesbank verweist auf stabilen Arbeitsmarkt

Die Bundesbank dämpft trotz der aktuellen Konjunkturschwäche die Sorgen vor einem Absturz der deutschen Wirtschaft. Es sei jedoch durchaus möglich, dass die Wirtschaftsleistung auch im dritten Quartal leicht zurückgegangen sei, schreibt die Notenbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Damit stecke Europas größte Volkswirtschaft aber nicht in einer Rezession.

Volkswirte sprechen unterdessen von einer "technischen Rezession", wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwei Quartale in Folge schrumpft. Im zweiten Vierteljahr 2019 war die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent gesunken. Zum Jahresanfang hatte es noch ein Plus von 0,4 Prozent gegeben.

"Ein zweimaliger Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Erzeugung in Folge stellt in der gegenwärtigen Situation für sich genommen noch keinen Grund zur Besorgnis dar. Er bedeutet auch noch nicht notwendigerweise das Ende der gesamtwirtschaftlichen Expansionsphase", schreibt die Bundesbank. Die Lage am Arbeitsmarkt sei weiter gut, der private Konsum intakt. Auch die Baukonjunktur floriere nach wie vor.

Aus Sicht der Bundesbank-Experten wäre ein leichter Rückgang des BIP im Sommer "als Teil einer konjunkturellen Normalisierung zu sehen, da die deutsche Wirtschaft aus einer Phase der wirtschaftlichen Überauslastung kommt".

Gleichwohl bestünden "insbesondere im internationalen Umfeld weiterhin erhebliche Abwärtsrisiken". Handelskonflikte und der Brexit belasteten die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Es sei nach wie vor offen, "ob sich die Industriekonjunktur fängt, bevor sich die Abwärtsbewegung auf die stärker binnenwirtschaftlich orientierten Wirtschaftszweige überträgt", schreibt die Bundesbank.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mmq/Reuters/dpa-AFX



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freigeistiger 23.09.2019
1. Abgehängte Rechtspoulisten
Wir haben Vollbeschäftigung, die Wirtschaft brummt, und die Steuereinnahmen sprudeln, Trotzdem lamentieren die ewigen Schwarzmaler/innen. Denne muss mit Argumenten entgegenet werden. Denen muss man Wirtschft erklären, damit sie es verstehen. Oh, ich sehe gerade, es sind Unternehmensverbände die sich zu Wort melden. Dann ist es die Wahrheit.
hamburger-humanist 23.09.2019
2. Wachstum?
Wozu Wachstum? Hat irgendjemand das Gefühl, dass wir von irgendwas zu wenig haben? Besteht irgendwo ein Mangel, denn man mit Wachstum ausgleichen muss? Wir haben von allen zu viel, und dennoch reden alle von Wachstum. Hat vielleicht was mit dem kapitalistischen System zu tun. Könnte sein. Darf man aber nicht genauer drüber nachdenken... Weil... DDR.. Und irgendwas mit Venezuela...
schamot 23.09.2019
3. Produktion Schrott
BWLer beherrschen die Industrie ohne Verstand, nur süchtig nach einem fetten Bankkonto. So sehen die Produkte aus. Die Politik fordert neue Autos zu kaufen aus Umweltschutz, sie fordert neue Heizkessel zu kaufen aus Umweltschutz. Aber der heutige Kessel hält nicht mal die Garatiezeit aus und ist Vollschrott. Das Auto ist nicht anders, nur billig hergestellt. Waschmaschine hielt früher 30 Jahre, heute 5-10. Weil nur Schrott Made in Germany. Telefon, Wasserkocher, Spühlmaschine, Fernseher made by Schrott....und dann Wunderts wen?
hasemann 23.09.2019
4.
Zitat von hamburger-humanistWozu Wachstum? Hat irgendjemand das Gefühl, dass wir von irgendwas zu wenig haben? Besteht irgendwo ein Mangel, denn man mit Wachstum ausgleichen muss? Wir haben von allen zu viel, und dennoch reden alle von Wachstum. Hat vielleicht was mit dem kapitalistischen System zu tun. Könnte sein. Darf man aber nicht genauer drüber nachdenken... Weil... DDR.. Und irgendwas mit Venezuela...
:D ganz genau... der ewige Wachstum ist nur für die ohnehin schon mehr als satte Gesellschaftsschicht wichtig... für uns ottonormalbürger nicht wirklich....
isar56 23.09.2019
5.
Zitat von schamotBWLer beherrschen die Industrie ohne Verstand, nur süchtig nach einem fetten Bankkonto. So sehen die Produkte aus. Die Politik fordert neue Autos zu kaufen aus Umweltschutz, sie fordert neue Heizkessel zu kaufen aus Umweltschutz. Aber der heutige Kessel hält nicht mal die Garatiezeit aus und ist Vollschrott. Das Auto ist nicht anders, nur billig hergestellt. Waschmaschine hielt früher 30 Jahre, heute 5-10. Weil nur Schrott Made in Germany. Telefon, Wasserkocher, Spühlmaschine, Fernseher made by Schrott....und dann Wunderts wen?
Da ist schon was dran. Als nach langer Zeit unsere Waschmaschine hinüber war und kurz danach der Fernseher (Made in Germany) meinten die Händler, es wäre Unsinn ein teures Gerät zu kaufen, weil die alle so konstruiert sind, dass sie nicht mehr lange laufen. Lobbyland wird trotzdem abgebrannt. Früher oder etwas später - durch den ganzen Müll durch Wegwerfkrempel und den Dreck den wir weltweit in die Luft blasen, in Gewässer und die Erde pumpen. Da können wir irgendwann Schrottteile knabbern, wenn die überdüngten Monokulturen nichts mehr hergeben und verdorren. Aber die Wirtschaft lebt. Blöd, das die hunderttausende neuen Bürger doch nicht so versklavt werden können wie geplant. Dann klappts nicht mehr ganz so cool mit Billiglöhnen.
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