Krisenbekämpfung EZB senkt Leitzins weiter - auf 0,05 Prozent

Überraschende Maßnahme der Notenbanker: Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins im Euroraum auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt.
EZB-Präsident Draghi: Angst vor einer Deflation

EZB-Präsident Draghi: Angst vor einer Deflation

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt im Kampf gegen eine drohende Deflation ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent. Das teilte die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mit.

Damit reagieren die Währungshüter auf die sehr niedrige Inflation. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das lässt die Preise eher steigen.

Der Leitzins, der Schlüsselsatz für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld, lag seit Juni bei 0,15 Prozent. Den Einlagesatz, zu dem Banken bei der EZB kurzfristig Geld parken können, senkte die EZB auf minus 0,2 von minus 0,1 Prozent.

Dax legt zu, Euro gibt nach

Der Dax   legte nach der Ankündigung deutlich zu, zeitweise auf ein Tageshoch von 9679 Punkten. Zuletzt bewegte sich der deutsche Leitindex aber nur noch rund um 9650 Zähler - was einem Plus von etwa 0,25 Prozent entspricht.

Der Eurokurs geriet unter spürbaren Druck und erreichte mit 1,3037 Dollar den tiefsten Stand seit Juli 2013. Die Renditen von Staatsanleihen aus der Eurozone gaben nach.

Fachleute zeigten sich von der Entscheidung überrascht. "Eine Zinssenkung hatte niemand so richtig auf der Agenda", sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. "Die EZB signalisiert mit ihrer Maßnahme, dass sie sehr weit zu gehen bereit ist. Das ist eher ein symbolischer Schritt. Die realwirtschaftlichen Folgen sind bescheiden."

Im August hatten sinkende Energiepreise die Inflation im Euroraum auf 0,3 Prozent gedrückt - den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Der Wert liegt seit Langem deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter zwei Prozent. Zudem stagnierte die Wirtschaftsleistung der Länder in der Eurozone im Frühjahr.

Der geringe Preisauftrieb schürt Sorgen vor einer Deflation, also einer Abwärtsspirale der Preise quer durch alle Warengruppen. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen und Anschaffungen in der Erwartung weiter sinkender Preise hinauszögern. Das würde die fragile Konjunkturerholung in Europa abwürgen.

Fotostrecke

Gefährlicher Preisverfall: Wie Deflation entsteht

Foto: SPIEGEL ONLINE
yes/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.