Europäischer CO2-Handel US-Airlines wettern gegen Klimaschutz-Urteil

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs erzürnt US-Fluglinien: Auch sie müssen beim Handel mit CO2-Zertifikaten mitmachen. Doch die Airlines wollen sich nur "unter Protest" beteiligen und drohen mit rechtlichen Schritten. Das Urteil isoliere die EU "noch stärker vom Rest der Welt".

US-Flugzeug von United Continental: Klage in London
DPA/ United Continental

US-Flugzeug von United Continental: Klage in London


Washington/Hamburg - Die meisten Amerikaner schliefen noch, als der Europäische Gerichthof (EuGH) am Mittwochvormittag ein wichtiges Urteil fällte: Auch US-Fluglinien können demnach zum Kauf von Emissionsrechtezertifikaten gezwungen werden, sofern sie Europa anfliegen.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. In scharfem Ton protestierten die US-Airlines gegen die Entscheidung. "Die heutige Entscheidung des Gerichts isoliert die EU noch stärker vom Rest der Welt", heißt es in einer Erklärung der Vereinigung Airlines for America (A4A), welche die größten Fluggesellschaften des Landes vertritt.

Zwar wollen sich die A4A-Mitglieder vorerst "unter Protest beugen". Doch der Verband kündigte an, rechtliche Schritte gegen das Urteil zu prüfen. "Die heutige Entscheidung bedeutet nicht das Ende dieses Falls", hieß es in der Erklärung. So prüfe die Vereinigung ihre Optionen vor dem britischen High Court. Dort hatte die Vorgängerorganisation von A4A bereits gemeinsam mit den Fluglinien American Airlines und United Continental Chart zeigen gegen den geplanten Zertifikatehandel geklagt. Die britischen Richter verwiesen den Fall dann an den EuGH.

Bei ihrem Protest wissen die Fluglinien die US-Regierung hinter sich. In der vergangenen Woche hatte US-Außenministerin Hillary Clinton und Verkehrsminister Raymond LaHood die EU aufgefordert, "den derzeitigen Kurs zu überdenken". Andernfalls, warnten sie, "werden wir gezwungen sein, angemessen zu reagieren".

Die Liste möglicher Sanktionen ist lang. Denkbar wären Handelsbeschränkungen, zusätzliche Steuern oder Strafzölle. China hat bereits angedeutet, es könnte Milliardenaufträge beim deutsch-französischen Flugzeugbauer Airbus platzen lassen. Russland und Indien drohen damit, EU-Airlines Überflugrechte zu streichen.

Auch die Weltluftfahrt-Organisation IATA unterstützt die US-Fluglinien. Sie beziffert die zu erwartenden Kosten bis 2020 auf 2,8 Milliarden Euro. Nach Schätzungen der EU-Kommission könnte ein Ticket für einen Langstreckenflug durch den Emissionshandel um bis zu zwölf Euro teurer werden.

EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard zeigte sich von solchen Warnungen unbeeindruckt. "Nach einem kristallklaren Urteil heute erwartet die EU von US-Fluglinien, dass sie EU-Recht so respektieren, wie die EU US-Recht respektiert", teilte Hedegaard über Twitter mit.

Lob für das Urteil kam auch von Umweltschützern. Der BUND sprach von einem "Sieg der Vernunft". Der Chef des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, sagte: "Für ihren Anteil am Klimawandel werden die Fluggesellschaften jetzt endlich in die Pflicht genommen." Auch US-Umweltschützer begrüßten die Entscheidung. "Die Führung der EU ist wirklich bedeutsam", sagte Pamela Campos vom Environmental Defense Fund. "Dies ist ein erster Schritt."

dab/dpa/AP/Reuters



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Schleswig 21.12.2011
1.
Zitat von sysopEin*Urteil des*Europäische Gerichtshofs erzürnt US-Fluglinien: Auch sie*müssen beim Handel mit CO2-Zertifikaten mitmachen. Doch die Airlines wollen sich nur "unter Protest" beteiligen und drohen mit rechtlichen Schritten. Das Urteil isoliere die EU "noch stärker vom Rest der Welt". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805215,00.html
Schon wieder mal sind wir isoliert. Erst war es immer Deutschland, dann ein paar andere europäische Staaten. Zum Schluss GB. Immer die alte Dramaturgie Leier.
mauskeu 21.12.2011
2.
Zitat von sysopEin*Urteil des*Europäische Gerichtshofs erzürnt US-Fluglinien: Auch sie*müssen beim Handel mit CO2-Zertifikaten mitmachen. Doch die Airlines wollen sich nur "unter Protest" beteiligen und drohen mit rechtlichen Schritten. Das Urteil isoliere die EU "noch stärker vom Rest der Welt". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805215,00.html
Also wenn ich daran denke mit welcher "Freiheit" die USA ausländische Firmen nach amerikanischem Recht verurteilt, dann wird es Zeit für Europa sich auch gegen die USA in dieser Sache durchzusetzen.
Stauss 21.12.2011
3. Entrückt
Wenn ein Staatenbund in der Welt isoliert ist, dann sind es die Vereinigten Staaten von Amerika. Verhasst wegen ihr erbarmungslosen Ausplünderungspolitik in der ganzen Welt. Selbst bei ihren britischen Freunden. :-)
rap2 21.12.2011
4. unglaublich :)
Hab mich sowieso immer schon gefragt wie man von Klimaschutz reden und gleichzeitig ausgerechnet die Luftfahrt durch das Weglassen der Steuern aufs Kerosin so massiv subventionieren kann. Denkt sich natürlich insgeheim leicht: nach uns die Sintflut. Aber die dann vonderselben Betroffenen, die nachfolgenden Generationen, bzw wir auch schon, werden uns alle verfluchen. Angesichts der Tatsache daß 1 Liter Sprit wärmeinhaltsmäßig energetisch ca 200 menschlichen Arbeitsstunden entspricht ist er, gemessen am Wert (1 Monatsarbeitsleistung), eh viel (Faktor 1000?) zu billig. Das Problem ist daß sich die Folgekosten der Spritverbrennung etc eher an den vielen Stunden "Zerstörungsarbeit" (der Anteil der Zerstörung, durch die Verbrennung, an der enthaltenen Gesamtenergie) orientieren", nicht an dem billigen Preis des Liters. Wenn man diese simplen Zusammenhänge nicht versteht kann man nicht glauben daß ein Produkt für 1,50€ so viel Zerstörung anrichten kann. Beim Betrachten des energetischen Äquivalents der 200 Arbeitsstunden gelingt das imho besser. Übrigens verschlingt die Herstellung eines einzigen Komplett PC (nur der Stromverbrauch für die Herstellung, dagegen fällt der Betriebsverbrauch kaum noch ins Gewicht) das energetische Äquivalent eines gesamten menschlichen Arbeitslebens. 5.500 kWh sind ca 50 Jahre á 300T/J á 8h/T Hab mal den Prototypen des modernen Mannes, Homer Simpson ;) :(, als Berechnungsgrundlage genommen und ihn mit 50W angesetzt. Nichtakkordleistung. 1 kWh Strom, die 20 Cent kostet, entspricht also 20 menschlichen Arbeitsstunden. Die sie letztendlich (Industrialisierung) ersetzt. Für Jünger der Fortschrittsreligion mag eine Besteuerung des Kerosins ein Sakrileg sein. Aber ich habe immer mehr das Gefühl als ob die Menschheit mit Fortschritt nicht mehr so lange überleben wird wie ohne... :(
senf_dazu 21.12.2011
5.
Zitat von rap2Hab mich sowieso immer schon gefragt wie man von Klimaschutz reden und gleichzeitig ausgerechnet die Luftfahrt durch das Weglassen der Steuern aufs Kerosin so massiv subventionieren kann. Denkt sich natürlich insgeheim leicht: nach uns die Sintflut. Aber die dann vonderselben Betroffenen, die nachfolgenden Generationen, bzw wir auch schon, werden uns alle verfluchen. Angesichts der Tatsache daß 1 Liter Sprit wärmeinhaltsmäßig energetisch ca 200 menschlichen Arbeitsstunden entspricht ist er, gemessen am Wert (1 Monatsarbeitsleistung), eh viel (Faktor 1000?) zu billig. Das Problem ist daß sich die Folgekosten der Spritverbrennung etc eher an den vielen Stunden "Zerstörungsarbeit" (der Anteil der Zerstörung, durch die Verbrennung, an der enthaltenen Gesamtenergie) orientieren", nicht an dem billigen Preis des Liters. Wenn man diese simplen Zusammenhänge nicht versteht kann man nicht glauben daß ein Produkt für 1,50€ so viel Zerstörung anrichten kann. Beim Betrachten des energetischen Äquivalents der 200 Arbeitsstunden gelingt das imho besser. Übrigens verschlingt die Herstellung eines einzigen Komplett PC (nur der Stromverbrauch für die Herstellung, dagegen fällt der Betriebsverbrauch kaum noch ins Gewicht) das energetische Äquivalent eines gesamten menschlichen Arbeitslebens. 5.500 kWh sind ca 50 Jahre á 300T/J á 8h/T Hab mal den Prototypen des modernen Mannes, Homer Simpson ;) :(, als Berechnungsgrundlage genommen und ihn mit 50W angesetzt. Nichtakkordleistung. 1 kWh Strom, die 20 Cent kostet, entspricht also 20 menschlichen Arbeitsstunden. Die sie letztendlich (Industrialisierung) ersetzt. Für Jünger der Fortschrittsreligion mag eine Besteuerung des Kerosins ein Sakrileg sein. Aber ich habe immer mehr das Gefühl als ob die Menschheit mit Fortschritt nicht mehr so lange überleben wird wie ohne... :(
Sie sprechen von Subventionierung und erwähnen trotzdem die LifeCycle-Bilanz eines PC. Dann vergleichen Sie doch mal den LifeCycle des Luftverkehrs mit anderen Verkehrsträgern - und bitte vergessen Sie nicht Flächenbedarf (bes. der Strasse) und Lärm (bes. der Schiene). Eine Umfrage fragte, wie man den Spritverbrauch der Luftverkehrsflotte einschätze. Die Mehrheit glaubte an 40 statt 4 Liter... Und ist man ein "Jünger der Fortschrittsreligion", wenn man Aufklärung und Verhaltensänderungen zwar als wünschenswerter aber technischen Fortschritt als überlebensnotwendig (wenn auch risiko- und folgenbehaftet) einschätzt?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.