Kritik von Investoren Europas Konzerne knausern bei klimafreundlichen Technologien

Europas Konzerne unternehmen nicht genug, um die im "Green Deal" festgelegten EU-Klimaziele zu erreichen. Dabei drängt die Zeit.
Windräder in den Pyrenäen: Halbherzig agierende Konzerne

Windräder in den Pyrenäen: Halbherzig agierende Konzerne

Foto: GEORGES GOBET/ AFP

Sie sind für rund drei Viertel der CO2-Emissionen in der Europäischen Union verantwortlich. Trotzdem investierten die 882 börsennotierten europäischen Großunternehmen im vergangenen Jahr nur rund 124 Milliarden Euro in die Erforschung und Entwicklung sowie in den Kauf CO2-armer Technologien wie Elektromobilität oder regenerativer Energien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Klimaforschungsinstitut CDP in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Oliver Wyman erstellt hat.

Um das Ziel der EU zu erreichen, bis 2050 klimaneutral zu werden, müssten die Ausgaben mehr als doppelt so hoch sein, rechnen die CDP-Strategen vor. Die Organisation befragt seit Jahren Unternehmen zu ihrer Klimastrategie. Hinter CDP stehen mehr als 500 institutionelle Investoren, die zusammen über 90.000 Milliarden Dollar verwalten.

Inzwischen üben große Kapitalgeber - Pensionsfonds, Investmenthäuser oder Lebensversicherer - zunehmend Druck auf Unternehmen aus, ihr Geschäftsmodell in Einklang mit dem Klimaschutz zu bringen. Dabei handeln die Geldgeber nicht zuletzt aus Sorge um ihre eigenen Finanzen. Sie befürchten, dass ihre Investitionen durch politische Kehrtwenden plötzlich an Wert verlieren könnten. Und sie erwarten Milliardenprofite bei der Umstellung der Wirtschafts- und Energiesysteme auf neue, CO2-arme Technologien.

Laut der CDP-Untersuchung erhoffen sich die befragten 882 Konzerne selbst klimafreundliche Geschäfte im Wert von mehr als 1200 Milliarden Dollar. Dennoch beträgt der Anteil solcher Technologien an ihren Gesamtinvestitionen im Schnitt nur zwölf Prozent.

"Manche Großunternehmen haben ihre bewährten Lieferketten und Geschäftsmodelle. Sie sehen diese Veränderungen als riskant und hochdisruptiv an", erklärt Steven Tebbe, Europa-Direktor von CDP, im Gespräch mit dem SPIEGEL. "Weitermachen wie bisher ist aber keine Option: Das sehen mehr und mehr Investoren." Zu groß sei das Risiko, dass die Unternehmen auf "Stranded Assets" sitzen bleiben - also auf Vermögenswerten wie Ölfeldern oder Kohlekraftwerken, die niemand mehr nutzen darf oder will.

Besonders investitionsscheu sind laut CDP die Unternehmen der Grundstoffindustrie, also etwa die Chemie-, Stahl-, Metall- und Zementbranche. Die untersuchten Konzerne stemmten 2019 insgesamt nur fünf Prozent der europäischen Investitionen in klimafreundliche Technologien. Sie waren aber für fast 40 Prozent der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich. Die Politik müsse diesen Unternehmen stärkere Anreize für langfristige Investitionen bieten, sagte Tebbe.

Besser für die Zukunft aufgestellt sind laut CDP die europäische Energieversorger sowie vor allem die Automobilkonzerne. Letztere investierten 2019 rund 43 Milliarden Euro allein in die Elektromobilität. Wie groß ihre Hoffnungen auf die neue Technologie sind, zeigt die Befragung von Volkswagen durch CDP. Laut Studie erwartet der Wolfsburger Konzern, dass batteriebetriebene Fahrzeuge schon 2025 bis zu ein Viertel aller Umsätze ausmachen könnten.

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