Anti-Gier-Debatte VW-Chef findet Gehaltsdeckel unnötig

Europas bestbezahlter Vorstandschef hat eine Abneigung gegen Gehaltsdeckel. "Ich glaube nicht, dass es dafür in Deutschland Gründe gibt", sagt Martin Winterkorn zum Volksentscheid in der Schweiz. 14,5 Millionen Euro hat der VW-Chef 2012 verdient - und sein Salär dabei selbst begrenzt.
VW-Chef Winterkorn: "Die Schweiz ist die Schweiz"

VW-Chef Winterkorn: "Die Schweiz ist die Schweiz"

Foto: Caroline Seidel/ dpa

Genf - In der Schweiz sollen künftig Aktionäre über die Managergehälter ihres Unternehmens entscheiden, in Deutschland hält der VW-Chef eine ähnliche Regel für überflüssig.

"Die Schweiz ist die Schweiz, und Deutschland ist Deutschland", sagte Martin Winterkorn am Montagabend in Genf. Die Menschen in der Schweiz hätten sicher ihre Gründe für die Entscheidung gehabt. "Ich glaube nicht, dass es dafür in Deutschland Gründe gibt."

Die Schweizer hatten am Sonntag einem Volksbegehren gegen überzogene Managervergütungen mit rund 68 Prozent zugestimmt. Die Initiative zielt darauf ab, Exzesse bei Bonuszahlungen, Abfindungen und Gehältern für Manager börsennotierter Unternehmen durch die Stärkung der Aktionärsrechte zu unterbinden.

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Winterkorn hatte 2011 ein Rekordgehalt von 17,5 Millionen Euro erhalten, das für öffentliches Aufsehen und Kritik gesorgt hatte. 2012 verdiente er 14,5 Millionen Euro. Angesichts des Rekordgewinns bei Volkswagen hätten es sogar mehr als 20 Millionen Euro sein müssen. Das fand Winterkorn jedoch nicht mehr vermittelbar - und bestand auf eine Kürzung seines eigenen Lohns. Mit 14,5 Millionen Euro ist er jedoch noch immer der bestbezahlte Vorstandschef Europas.

In anderen Branchen - vor allem im Investmentbanking - sind die Gehälter noch weit größer. Christian Bittar, Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank, soll für das Jahr 2008 Bonuszahlungen von 80 Millionen Euro genehmigt bekommen haben. Bittar konnte so viel verdienen, weil sein Arbeitsvertrag ihm einen prozentualen Anteil an den Gewinnen versprach, die er für die Bank erwirtschaftete - und zwar unbegrenzt, ohne Deckelung.

Rot-Grün macht in der Debatte um einen Gehaltsdeckel inzwischen Druck auf die Bundesregierung. Das SPD-geführte Schleswig-Holstein erwägt einen eigenen Gesetzesvorstoß. "Um die soziale Marktwirtschaft wieder in die Balance zu bringen, brauchen wir Mindestlöhne ebenso wie Maxilöhne", sagte die Kieler Finanzministerin Monika Heinold dem "Handelsblatt" ."Eine Bundesratsinitiative will ich nicht für alle Zeit ausschließen." Zunächst solle aber Schwarz-Gelb im Bund einen Vorschlag machen, ergänzte die Grünen-Politikerin. "Dann sehen wir weiter."

ssu/dpa-AFX
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