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18. Oktober 2010, 14:05 Uhr

Eurostar-Ausschreibung

EU-Kommission verteidigt Siemens gegen Frankreich

Rückendeckung aus Brüssel: Die EU-Kommission hat keine Bedenken gegen eine Ausschreibung für zehn Eurostar-Züge. Der Betreiber des Eurotunnels will das Monopol des französischen Herstellers Alstom brechen und den Auftrag an Siemens vergeben.

Luxemburg - Es geht bei der Ausschreibung für die Eurostar-Züge um viel Geld und noch mehr Prestige. Frankreich versucht mit allen Mitteln, die Vergabe des Auftrags an Siemens zu torpedieren. Deshalb dürfte es den deutschen Konzern freuen, was am Montag aus Kreisen der EU-Kommission verlautete: "Zum jetzigen Zeitpunkt, auf Basis der vorliegenden Information, gibt es kein Problem bei der öffentlichen Auftragsvergabe."

Eurostar hatte den Münchener Siemens-Konzern als bevorzugten Bieter für die Lieferung von zehn Hochgeschwindigkeitszügen ausgewählt. Damit würde der französische Rivale und traditionelle Lieferant Alstom leer ausgehen. Die französische Regierung hatte gegen die Entscheidung protestiert und Sicherheitsbedenken angemeldet.

Wie aus der EU-Kommission weiter verlautete, hat Alstom sich in der Sache bislang nicht offiziell an die Behörde gewandt. Auch sei unklar, warum die Sicherheitsfrage eine europäische Angelegenheit sein sollte. Die Details für den Auftrag an Siemens müssen noch ausgehandelt werden. Insgesamt sollen umgerechnet 800 Millionen Euro investiert werden.

Wunsch der Bahn: im ICE von Köln nach London

Im deutsch-französischen Streit darüber, ob die Eurostar-Züge, die zwischen dem europäischen Festland und London pendeln, künftig auch aus Deutschland stammen dürfen, hat die Deutsche Bahn am Wochenende einen Etappensieg erzielt. Eine Notfallübung in der Nacht zum Sonntag verlief erfolgreich.

Die genauen Ergebnisse sollen allerdings erst später nach genaueren Analysen mitgeteilt werden. Ein Zug vom Typ ICE 3 mit 300 Freiwilligen aus Deutschland und Großbritannien an Bord war in der Nacht zweimal hintereinander evakuiert worden. Dabei maßen Experten unter anderem die Zeit, die die Passagiere brauchten, um den Rettungstunnel zu erreichen.

Eurotunnel will die Auslastung der 50 Kilometer langen Tunnelverbindung künftig deutlich erhöhen. Bislang beträgt sie nur etwa 50 Prozent. Derzeit fahren für den Personenverkehr nur TGV-Züge von Alstom durch den Tunnel. Die ICE-3-Züge sind im Unterschied zu den TGV-Zügen aus zwei Zugteilen zusammengesetzt. Sie haben eine Spitzengeschwindigkeit von 320 Kilometern pro Stunde und sind damit etwas schneller als die TGVs.

Am vergangenen Mittwoch war der ICE 3 zu ersten Probefahrten ein Stück weit in den Tunnel hinein- und herausgerollt. Am kommenden Dienstag soll er bis nach London fahren. Die Deutsche Bahn will von 2013 an eine regelmäßige Verbindung nach London anbieten, möglicherweise auf der Strecke Köln-Brüssel-London.

böl/Reuters/dpa-AFX

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