Eurostat Inflation in Euroländern sinkt auf Rekordtief

Neue Zahlen von der europäischen Statistikbehörde Eurostat: Die Inflation in den 18 Ländern im Euroraum ist so niedrig wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Das Wirtschaftswachstum kommt zum Stillstand.

Hafen Hamburg (Archivbild): Flaute in den drei größten Euro-Volkswirtschaften
DPA

Hafen Hamburg (Archivbild): Flaute in den drei größten Euro-Volkswirtschaften


Luxemburg - Das Wirtschaftswachstum der Eurozone ist nach einem mageren Jahresstart im Frühjahr ganz zum Erliegen gekommen: Vor allem eine Flaute in den drei größten Volkswirtschaften sorgte dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Währungsraum zwischen April und Juni auf dem Niveau des Vorquartals verharrte, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat mit. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs das BIP in den Monaten April bis Juni um 0,7 Prozent, nach plus 0,9 Prozent zum Jahresbeginn.

Die Wirtschaft in Deutschland - normalerweise ein Wachstumsmotor in Europa - schrumpfte überraschend um 0,2 Prozent. In Frankreich gab es nur eine Stagnation. Und Italien rutschte mit einem Minus von 0,2 Prozent zurück in die Rezession.

Die Inflation im Euroraum ist nach Eurostat-Daten im Juli auf den tiefsten Stand seit Oktober 2009 gefallen. Die Jahresrate der Teuerung sank von 0,5 Prozent im Vormonat auf 0,4 Prozent.

Die Inflationsrate hat sich damit noch weiter vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) entfernt, die eine Rate von knapp zwei Prozent anstrebt. Anfang Juni hatte die Notenbank ein Maßnahmenpaket gegen die zu niedrige Inflation beschlossen. Zu Beginn des Jahres hatte die Wirtschaft in den 18 Ländern der Währungsunion noch um 0,2 Prozent zugelegt.

Gedrückt wurde die Inflationsrate durch fallende Preise im Energiesektor (minus 1 Prozent) und im Nahrungsmittelsektor (minus 0,3 Prozent). Ein noch stärkerer Rückgang wurde durch den Anstieg der Preise im Dienstleistungssektor (plus 1,3 Prozent) verhindert. Die Preise für Industriegüter blieben stabil.

"Erhöhte geopolitische Risiken"

Die sogenannte Kernrate verharrte im Juli bei 0,8 Prozent. Bei der Kernrate werden stark schwankende Komponenten wie Energie und Lebensmittel ausgeklammert. Sie gilt als aussagekräftig für den langfristigen Inflationstrend und wird deshalb von der EZB genau beobachtet.

Nach den überwiegend schwachen Daten dürfte es darauf hinauslaufen, dass die Konjunktur im Euroraum im Gesamtjahr 2014 weniger stark anzieht als erhofft. Die EU-Kommission hatte Anfang Mai für das Gesamtjahr noch ein Plus von 1,2 Prozent veranschlagt.

Nach Einschätzung der EZB sind die Risiken für die Konjunktur im Euroraum weiterhin immens. "Insbesondere erhöhte geopolitische Risiken sowie die Entwicklung in den Schwellenländern und an den globalen Finanzmärkten könnten die Konjunkturlage negativ beeinflussen", schreiben die Währungshüter in ihrem Monatsbericht.

Denkbar seien Auswirkungen auf die Energiepreise und die weltweite Nachfrage nach Erzeugnissen aus den 18 Euroländern. "Zu den weiteren Abwärtsrisiken zählen unzureichende Strukturreformen in den Ländern des Euroraums und eine schwächer als erwartet ausfallende binnenwirtschaftliche Nachfrage", heißt es in dem EZB-Bericht.

bos/dpa/Reuters

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fabio 14.08.2014
1. Grüss Gott, Deflation !
Obwohl Euros gedruckt werden wie wahnsinnig und die europäische Zentralbank Klopapier von Banken und Staaten als Sicherheit für Kredite akzeptiert,rutscht die EU in eine Deflation mit riesigen Arbeitslosenzahlen. Wie lange das andauert,kann man in Japan beobachten.Dort versucht man sein 20 Jahren mit den gleichen Mitteln wie die EU, Wachstum zu generieren. Was für ein Desaster der EU Wirtschaftspolitik!
pepe_sargnagel 14.08.2014
2.
Zitat von sysopAFPNeue Zahlen von der europäischen Statistikbehörde Eurostat: Die Inflation in den 18 Ländern im Euro-Raum ist so niedrig wie seit fast fünf Jahren nicht mehr - ein Rekordtief. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eurostat-inflation-in-euro-laendern-sinkt-auf-rekordtief-a-986068.html
Nun muss man die Lehren aus dem japanischen Weg ziehen. Ich hoffe man findet einen Weg, der durch Realkonsum und Realproduktion den japanischen Weg umgeht. Vermutlich aber ist es einfacher den "Abenomics" Weg zu gehen. Hemmungslose Verschuldung und Schuldenentwertung durch Notenpresse - nur kommt nicht viel im Realkreislauf an, da die Menschen eben noch die Wirtschaft sind und nicht Banken und Politik. Dies wurde schon von den Sozialisten so genau nicht durchdacht... Es muss darauf ankommen, auf die Gesellschaft zu achten. Welcher Personenkreis hat welche Probleme und wie kann man diesem helfen? Wer hat keinerlei Probleme und wie können wir darauf achten, dass dieser Kreis nicht auch zu einem Problemkreis wird? Das ist nicht leicht! Ganz und gar nicht - aber ich vermute durch Lobbyismus und durch Abschottung (Welcher Politiker kennt die Nöte, Probleme und Freuden der normalen Bevölkerung?) werden die Probleme in der Gesellscahft überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Realitätsverlust der "Entscheider" war auch immer ein sicherer Weg in einen Umsturz und weniger ein Weg zur Lösung der Probleme. Ich denke dabei auch daran, dass es ein sehr gutes Zeichen ist, wenn viele bzw. die breite Masse Steuern bezahlen kann und nicht auf Transfers angewiesen ist. Die Mittelschicht ist also entscheidend - je mehr vorhandene Schultern dieses Gesellschaftsgebilde mittrage, desto besser. Ein paar weniger superstarke Schultern tragen die Gesellscahft nicht - warum? Weil sie die einzigen Steuerzahler sind und sich völlig gemelt fühlen und deswegen abhauen. Die verbliebenen sind aber zu schwach die Geselslcahft zu tragen. Viele breite Schultern sind das wichtigste für eine funktionierende Gesellschaft - Polarisierung tut nur selten (langfristig) gut.
s.4mcro 14.08.2014
3. im Supermarkt...
...merkt man aber von diesem 'Rekordtief' nichts: Butter wird fast monatlich teurer, genau wie alle anderen wichtigen Lebenserhaltungskosten. Die Zahlen, die für diese Statistiken verwendet werden, sind doch alle geschönt und so hingedreht, damit dem Bürger eben genau solche Artikel vorgesetzt werden können, damit dieser schön ruhig bleibt.
goliat7 14.08.2014
4. Deflation ist gut und normal
Durch Optimierung der Fertigung werden Produkte billiger, ohne dass der Gewin sinkt. Durch Optimierung von Produkten geht der Energiebedarf zurück. Durch Marktsättigung (wer braucht noch einen 1,5m TV auf dem Klo?) müssen die Preise gesenkt werden. Nur die Staatsschulden werden nicht weginflationiert. Das kommt davon, wen man mehr ausgibt, als man einnimmt. Wenn ihr aber Inflation wollt, macht z.B. Lebensmittel teurer durch ökologische Auflagen.
Bundeskanzler20XX 14.08.2014
5. Realität?
Zitat von sysopAFPNeue Zahlen von der europäischen Statistikbehörde Eurostat: Die Inflation in den 18 Ländern im Euro-Raum ist so niedrig wie seit fast fünf Jahren nicht mehr - ein Rekordtief. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eurostat-inflation-in-euro-laendern-sinkt-auf-rekordtief-a-986068.html
Ein unbegrenztes Wachstum ist auch unlogisch und unmöglich. Da wir immernoch Schulden machen sollte erstmal dieses Problem beseitigt werden, dass stetes Wachstum bisher nicht geholfen hat Schulden zu verringern sollten neue Wege in Betracht gezogen werden.
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