Eurowings-Streik "Gäste sollten sich vor Abflug auf jeden Fall informieren"

Schlechte Nachrichten für Eurowings-Kunden: Die Kabinengewerkschaft Ufo hat ab Montag Streiks bei der Lufthansa-Billigtochter angekündigt. Im Gespräch mit dem SPIEGEL warnt Ufo-Vorstand Nicoley Baublies, der Arbeitskampf könne dauern.

Eurowings-Logo am Flughafen Köln-Bonn
REUTERS

Eurowings-Logo am Flughafen Köln-Bonn


Der Ärger über massenhafte Flugausfälle beim Ferienflieger TUIfly ist gerade erst verraucht, da droht erneut Chaos an den Flughäfen. Die Kabinengewerkschaft Ufo will vom kommenden Montag an ihre Mitglieder bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings zu befristeten Streiks aufrufen. Im Gespräch mit dem SPIEGEL erzählt Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies, 43, woran eine Einigung scheiterte - und warum der Ausstand lange dauern könnte.

Zur Person
  • DPA
    Nicoley Baublies, ist seit 2012 Chef der Flugbegleitergewerkschaft Ufo. Nach einem Studium der Anglistik und Politikwissenschaft arbeitete Baublies zunächst in einer Internetagentur. Im Jahr 2004 wechselte er zur Lufthansa und stieg dort schnell zum Kabinenchef auf.

SPIEGEL: Nach dem Tarifabschluss für das Lufthansa-Bordpersonal im Sommer streiken nun auf einmal die Kollegen bei der Tochterfirma Eurowings. Können Sie verstehen, dass die Kunden sauer sind?

Baublies: Ja, aber was wir derzeit erleben, ist nur eine Fortsetzung des Konflikts. Eurowings war bereits im Juli ein Thema. Die Geschäftsführung will sich an die damaligen Verabredungen bloß nicht mehr halten.

SPIEGEL: Was genau war das Problem ?

Baublies: Eurowings wächst vor allem im Ausland, etwa in Wien oder Palma de Mallorca. In Deutschland dagegen werden Arbeitsplätze abgebaut. Das ängstigt die Mitarbeiter. Daher haben wir zunächst im Einvernehmen versucht, eine Gesamtlösung hinzubekommen. Die ist nun endgültig gescheitert.

SPIEGEL: Und nun bleibt nur noch ein Streik?

Baublies: Aus unserer Sicht ja: Wir haben Alles unternommen, um einen übergreifenden Kompromiss zu erreichen, leider vergeblich. Deshalb müssen wir jetzt versuchen, bei ganz konkreten Einzelfragen eine Einigung zu erzielen. So haben die Kollegen bei Eurowings zum Beispiel ein Recht darauf, dieselben Leistungen zu bekommen, die es auch überall sonst im Konzern gibt. Selbst wenn alle unsere Forderungen erfüllt würden, wären die Gehälter immer noch nicht teurer als bei anderen vergleichbaren Ablegern des Konzerns.

SPIEGEL: Warum schalten Sie nicht erneut den ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck als Vermittler ein?

Baublies: An uns liegt es nicht. Die Eurowings-Führung hat ihren eigenen Vorschlag einer Schlichtung am Mittwoch überraschend zurückgezogen. Man will offenbar keine friedliche Lösung. Das Verhalten des Managements kann man nur so interpretieren, dass sie gar keine Einigung wollen, sondern einen Blankoschein für Tarifflucht ins Ausland.

SPIEGEL: Stört es Sie, dass Sie aus rechtlichen Gründen nur eine Teilflotte von rund zwei Dutzend Flugzeugen bestreiken dürfen ?

Baublies: Warten wir mal ab. Auch bei anderen Ablegern des Eurowings-Verbunds knirscht es gewaltig in Verhandlungen. Wir können nicht ausschließen, dass auch dort die Verhandlungen scheitern. Die Gäste sollten sich vor Abflug auf jeden Fall informieren.

SPIEGEL: Die Geschäftsleitung argumentiert, ohne günstige Arbeitsbedingungen könne Eurowings nicht mit Ryanair oder Easyjet konkurrieren.

Baublies: Deshalb haben wir ja Zugeständnisse gemacht, speziell für künftige Mitarbeiter. Aber die Eurowings-Führung hat das Thema beerdigt mit dem Hinweis, man wolle in Deutschland kein zusätzliches Personal aufbauen und sogar schrumpfen.

SPIEGEL: Wie geht es weiter ?

Baublies: Das wird ein langer Prozess. Am Ende werden wir notgedrungen wieder am Verhandlungstisch landen.



insgesamt 21 Beiträge
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coldwarrior 20.10.2016
1. Wie sind denn die Bedingungen
Bei Ryanair und EasyJet? Man hat den Eindruck einer Gleichung mit zu vielen Unbekannten. Sind dort die Bedingungen besser bei mehr Profit der Konzerne liegt es wohl an anderen Faktoren denn an den Personalkosten und Eurowings will einfach mehr Profit auf Kisten der Mitarbeiter. Also macht das erstmal transparent sonst kann man sich ja gar kein Urteil bilden.
demiurg666 20.10.2016
2. ich staune von Streik zu Streik
Immer wieder wie die Mitglieder einer Gewerkschaft an dem Ast sägen auf dem sie sitzen. Wer bucht denn jetzt noch deutsche Fluggesellschaften? Andere sind günstiger, bieten mehr Komfort und streiken nicht dauernd wie französische Bauern. Das streiken sichert bestimmt langfristig Arbeitsplätze...
ntfl 20.10.2016
3. Geht das gut?
Sicher lässt sich so etwas von aussen leicht sagen, aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die Beschäftigten der deutschen Fluggesellschaften nicht ganz darüber im Klaren sind, wie schwierig es für ihre Unternehmen im internationalen Vergleich heute ist. Die Warnschüsse "Air Berlin" und "Tui-Fly" sind noch nicht verhallt und schon wird ein noch nicht stabil am Markt positioniertes Unternehmen bestreikt. So oder so: keine gute Idee und keine gute Perspektive!
ich-sach-ma 20.10.2016
4. Wirklich klug?
Ob die Flugbegleiter der Eurowings jetzt wirklich streiken sollten? Ginge es ihnen bei EW schlechter als bspw. bei Ryanair oder Easyjet, würden sie schleunigst dorthin wechseln. Tun sie aber nicht. Warum? Weil es ihnen bei EW besser geht. Trotzdem streiken? Bad idea...
thequickeningishappening 20.10.2016
5. Man haette wohl besser
den alten Namen beibehalten. Alles wo "EURO" drin ist hat ein schlechtes Image. Im Uebrigen wird sich die Branche weiter Konsolidieren bis Einer (wahrscheinlich Ryan Air) uebrig bleibt und dann gibt's ein Preisfeuerwerk!
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