Chinas wankender Immobilienriese Evergrande-Aktien werden vom Handel ausgesetzt

Die Sorgen bei der chinesischen Immobilenfirma Evergrande verschärfen sich: Aktien des Unternehmens werden an der Börse in Hongkong nicht mehr gehandelt – eine offizielle Begründung blieb aus.
Vergnügungspark vor Evergrande-Gebäude in Shanghai

Vergnügungspark vor Evergrande-Gebäude in Shanghai

Foto: ALEX PLAVEVSKI / EPA

Seit Monaten befindet sich Evergrande in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Nun sind die Aktien des angeschlagenen chinesischen Immobilienkonzerns am Montag vom Handel an der Hongkonger Börse ausgesetzt worden. Dies teilte die Börse ohne weitere Angaben von Gründen mit. Die Aktienkurse des Immobilienentwicklers waren im letzten Jahr um nahezu 90 Prozent eingebrochen.

Zuletzt stufte neben Fitch auch Standard & Poor's (S&P) als zweite internationale Ratingagentur die Kreditwürdigkeit von Evergrande herunter – auf Kreditausfall in einigen Bereichen und damit eine Stufe vor dem kompletten Zahlungsausfall. Gleichzeitig gerieten auch weitere chinesische Immobilienunternehmen in Schieflage, während der lange boomende Markt nachgab.

Evergrande hat mehr als 300 Milliarden Dollar Schulden und Insidern zufolge kurz vor Silvester erneut Zahlungsfristen ungenutzt verstreichen lassen. Das Unternehmen hatte neue Kuponzahlungen im Wert von 255 Millionen Dollar für zwei Anleihen vom Juni 2023 und 2025 zu bedienen. Für beide Zahlungen gibt es eine 30-tägige Nachfrist. Bereits im Oktober war der Handel mit den Papieren des größten chinesischen Baukonzerns wegen nicht bedienter Anleihenzinsen unterbrochen worden.

Der Immobilienriese hatte Anfang Dezember selbst vor möglichen Zahlungsschwierigkeiten gewarnt. Nach einer Überprüfung der Finanzmittel könne keine Garantie gegeben werden, dass die Gruppe über ausreichende Mittel verfügt, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, teilte das Unternehmen mit.

Staat will offenbar nicht helfend eingreifen

Die Ratingagentur Fitch warnte deshalb bereits vor einem bevorstehenden Zahlungsausfall. Ein solcher Schritt könnte erhebliche Folgen nicht nur für den chinesischen Immobilien- und Finanzmarkt haben.

Auf Hilfe durch den Staat kann Evergrande aber dennoch kaum hoffen. Chinas Zentralbankchef Yi Gang signalisierte zuletzt, dass die Regierung in Peking dem Konzern nicht mit Rettungsmaßnahmen zu Hilfe kommen will. Nach Angaben der Notenbank sagte Yi Gang, die Risiken von Evergrande seien ein »Marktvorgang«, mit dem »nach den Grundsätzen des Marktes und der Rechtsstaatlichkeit« angemessen umgegangen werde.

jok/dpa