Bericht des »Wall Street Journal« Chinesische Behörden sollen sich offenbar auf Evergrande-Kollaps vorbereiten

Der chinesische Immobiliengigant Evergrande ist mit mehr als 300 Milliarden Dollar verschuldet, Teile der Zinsen werden heute fällig. Die Regierung warnt laut einem Zeitungsbericht vor einem »möglichen Sturm«.
Baustelle eines Evergrande-Projekts in Zentralchina

Baustelle eines Evergrande-Projekts in Zentralchina

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JADE GAO / AFP

Die chinesischen Behörden weisen offenbar Lokalregierungen an, sich auf einen möglichen Zusammenbruch des Immobilienkonzerns Evergrande vorzubereiten. Das berichtet das »Wall Street Journal « und zitiert Regierungsmitarbeiter. Demnach seien die lokalen Behörden nun angewiesen, sich auf den »möglichen Sturm« vorzubereiten.

Diese Anweisung sei ein Hinweis, dass die chinesische Regierung nicht bereit sei, den Konzern zu retten. Konkret sei den lokalen Behörden mitgeteilt worden, Ordnungskräfte bereitzustellen, um eventuelle Unruhen zu überwachen und notfalls zu beenden. Auch sollen lokale staatliche und private Immobilienunternehmen bereitstehen, um gescheiterte Projekte von Evergrande zu übernehmen.

Aktienkurs war am Morgen stark gestiegen

Evergrande ist Chinas zweitgrößter Immobilienentwickler und mittlerweile mit mehr als 300 Milliarden Dollar verschuldet. Teile der Zinsen werden heute fällig. Erst gestern hatte ein Sprecher des Unternehmens mitgeteilt, dass das Unternehmen die heute fälligen Zinsen pünktlich bezahlen könne. Der Aktienkurs des Immobilienkonzerns war daraufhin deutlich angestiegen, zeitweise um mehr 32 Prozent.

Die Krise betrifft nicht nur den Konzern selbst. Evergrande wird als stellvertretend für Chinas Immobilienbranche gesehen. Diese boomte jahrelang und macht fast ein Viertel des Bruttoinlandprodukts des Landes aus. Gleichzeitig sind viele der Konzerne hoch verschuldet.

Die Regierung in Peking unter Staatspräsident Xi Jinping spricht sich gegen dieses kreditfinanzierte Wachstum aus. Mit einer Weigerung, den Konzern zu retten, würde Chinas Regierung ein Exempel statuieren, so China-Experte Max J. Zenglein im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Eine mögliche Pleite des Konzerns könnte Folgen weit über Chinas Wirtschaft hinweg haben: »Es ist falsch, hier in Alarmismus zu verfallen, aber auch falsch, hier einfach alles zu ignorieren und zu sagen, es sei ein lokal kleines Problem«, sagte der Präsident der Schweizer Notenbank Thomas Jordan am Donnerstag auf einer Pressekonferenz.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin sieht derzeit keine Gefahr für deutsche Banken. Das »Exposure der deutschen Finanzwirtschaft« sei »gering«, heißt es aus der Behörde als Antwort auf eine Anfrage aus der FDP.

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Die Bafin behalte »die Situation aufgrund der dynamischen Entwicklung um die Evergrande Group in Bezug auf mögliche Auswirkungen auf die deutsche Finanzwirtschaft ganz genau im Blick«, heißt es aus dem Bundesfinanzministerium.

Evergrande wurde vor 25 Jahren von dem Milliardär Xu Jiayin gegründet und baut Immobilien gegen Vorkasse der Kundinnen und Kunden.

Anmerkung der Redaktion: Der Text wurde nach der Veröffentlichung um die Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums ergänzt.

jlk/Reuters/dpa
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