Krise beim chinesischen Immobilienkonzern Zweitgrößter Eigner von Evergrande plant Verkauf gesamter Anteile

Dem Immobilienkonzern Evergrande droht eine weltweit folgenschwere Pleite. Mit der Chinese Estates Holdings will sich nun ein bedeutender Anteilseigner aus der Firma zurückziehen, deren Börsenkurs überraschend steigt.
Evergrande-Hauptquartier in Shenzhen: Zuletzt mit Gläubigern über Zinszahlungen geeinigt

Evergrande-Hauptquartier in Shenzhen: Zuletzt mit Gläubigern über Zinszahlungen geeinigt

Foto: Ng Han Guan / AP

Die Chinese Estates Holdings denkt bei Evergrande schon gar nicht mehr an Profit, sondern daran wie groß der Verlust wohl werden wird. Der zweitgrößte Aktionär des kriselnden Immobilienkonzerns will seine gesamte Beteiligung verkaufen. Chinese Estates Holding schätzt, dass der Verkauf des gesamten Anteils zu einem Minus von umgerechnet etwa 1,22 Milliarden Dollar allein im Jahr 2021 führen könnte.

Das Unternehmen teilte mit, dass es bereits Evergrande Anteile im Wert von 32 Millionen Dollar verkauft habe und plane, sich vollständig von der Holding zu trennen. Das Verkaufsmandat gilt für zwölf Monate ab dem Datum einer Aktionärsversammlung am 23. September, die dem Verkauf zustimmen soll, teilte das Unternehmen der Hongkonger Börse mit.

Der schwer angeschlagene Evergrande-Konzern  hat am Donnerstag trotz aller anhaltenden Ängste vor Zahlungsausfällen und der Ankündigung von Chinese Estates Holdings an der Hongkonger Börse kräftig zugelegt. Der Aktienkurs machte zum Handelsauftakt einen Sprung um über 30 Prozent, reduzierte den Zuwachs bis zum Mittag jedoch auf ein Plus von rund zehn Prozent.

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Angaben zu Offshore-Anleihe fehlen

Laut Beobachtern reagierten Anleger auf eine Ankündigung vom Vortag, wonach sich der Konzern etwas Luft verschaffen konnte. Evergrande hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass sich das Unternehmen mit Gläubigern über Zinszahlungen für eine im südchinesischen Shenzhen gehandelte Anleihe geeinigt habe, die am Donnerstag fällig wurden. Die Hongkonger Börse war am Mittwoch wegen eines Feiertags geschlossen.

Für große Verunsicherung sorgte jedoch, dass das Unternehmen noch immer keine Angaben zu einer weiteren in Dollar gehandelten Offshore-Anleihe gemacht hat. Nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg muss Evergrande hierfür am Donnerstag eine Zinszahlung von 83,5 Millionen Dollar leisten. Eine weitere Zinszahlung von 47,5 Millionen Dollar ist am 29. September fällig. Für beide Zahlungen gilt laut Bloomberg eine Nachfrist von 30 Tagen, was Evergrande weitere Zeit verschaffen könnte.

Der chinesische Konzern hat Schulden von umgerechnet mehr als 300 Milliarden Dollar. Anleger befürchten einen Zahlungsausfall. Der Konzern muss Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger fristgerecht zu bezahlen. Zudem schuldet Evergrande Kleinanlegern, darunter vielen Mitarbeitern, mehrere Milliarden Dollar.

Der Chef von Evergrande hatte Mitarbeitern am Dienstag in einem Brief Mut zugesprochen. Er sei fest davon überzeugt, dass man den »dunkelsten Moment« überwinden könne, schrieb Vorstandschef Xu Jiayin. Man werde sich verantwortungsvoll gegenüber Hauskäufern, Investoren, Partnern und Finanzinstituten zeigen.

apr/Reuters/dpa
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