Kriselnder chinesischer Immobilienkonzern Evergrande kündigt wichtige Zinszahlung an

Es soll den Finanzmarkt beruhigen: Evergrande hat die pünktliche Zinsausschüttung in Höhe von 35,9 Millionen Dollar für eine Anleihe angekündigt. Zu anderen Wertpapieren hält sich der Konzern aber bedeckt.
Evergrande-Projekt in Peking

Evergrande-Projekt in Peking

Foto: Andy Wong / AP

Der wankende chinesische Immobilienriese Evergrande will einer mit Spannung erwarteten Zinszahlung an Investoren pünktlich nachkommen. Das von Zahlungsunfähigkeit bedrohte Unternehmen wird eine Anleihecouponzahlung in Höhe von 35,9 Millionen Dollar leisten. Das teilte die Haupteinheit der China Evergrande Group, die Hengda Real Estate Group, in einer Erklärung mit.

Demnach will sie die Couponzahlung pünktlich am Donnerstag, den 23. September, begleichen. Die Zinsen werden für eine in Shenzhen gehandelte bis September 2025 laufende Onshore-Anleihe fällig. Die meisten Anleihen schütten regelmäßige Zinszahlungen aus, die auch als Coupon bezeichnet werden.

Sowohl Unternehmen als auch Staaten geben Anleihen heraus. Mit diesen Wertpapieren besorgen sie sich Geld an den Kapitalmärkten.

Zugleich äußerte sich Evergrande aber nicht dazu, ob es in der Lage sein wird, die ebenfalls am Donnerstag fälligen Zinsen in Höhe von 83,5 Millionen Dollar für seine Offshore-Anleihe vom März 2022 zu leisten.

Dennoch sorgt die jüngste Nachricht für etwas Erleichterung an den nervösen Märkten, die befürchten, dass ein Zahlungsausfall von Chinas zweitgrößtem Bauunternehmen das globale Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Evergrande ist so stark mit der chinesischen Wirtschaft im Allgemeinen verflochten, dass die Angst vor einer Ansteckung die Finanzmärkte in Atem hält. Das Unternehmen hat einen mehr als 300 Milliarden Dollar schweren Schuldenberg aufgetürmt und ist in Zahlungsverzug gegenüber seinen Gläubigern geraten. Analysten der Citigroup warnten vor Risiken für das ganze Finanzsystem in China, sehen aber keinen »chinesischen Lehman-Moment«  voraus.

Die Ratingagentur Standard & Poor's geht davon aus, dass der chinesische Bankensektor einen möglichen Zusammenbruch des Immobiliengiganten ohne größere Turbulenzen verkraften könnte. Laut den Berechnungen hatten chinesische Banken Ende Juni etwa 400 Milliarden Yuan (52,6 Milliarden Euro) bei dem Unternehmen investiert. »Ein Zusammenbruch Evergrandes als solcher würde das Bankensystem nicht destabilisieren«, schreibt die Ratingagentur.

Standard & Poor's warnte davor, dass nicht von einer Rettung des Konzerns durch die Regierung ausgegangen werden könne. Peking wäre demnach nur dann zum Eingreifen gezwungen, »wenn es zu einer weitreichenden Ansteckung käme, die den Zusammenbruch mehrerer großer Bauunternehmen zur Folge hätte und systemische Risiken für die Wirtschaft darstellen würde«, so die Agentur.

Evergrande-Verwaltungsratschef Hui Ka Yuan hatte versprochen, das Unternehmen werde seine Verpflichtungen gegenüber den Immobilienbesitzern, Investoren, Partnerfirmen und Banken erfüllen. Zugleich verfasste er Durchhalteparolen an die Beschäftigten. »Ich bin fest davon überzeugt, dass Evergrande mit Ihrem Einsatz und Ihrer harten Arbeit aus seinem dunkelsten Moment herauskommen wird und so schnell wie möglich die Bauarbeiten in vollem Umfang wieder aufnehmen wird«, schrieb Hui am Dienstag in einem Brief an die Mitarbeiter.

mmq/Reuters/dpa
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