Chinesischer Immobilienkonzern Evergrande warnt erneut vor Liquiditätsengpässen

Der Immobilienentwickler Evergrande steht vor der Pleite, die Auswirkungen wären enorm. Anleger und Lieferanten sind in Alarmstimmung. Kunden fürchten, im Voraus bezahlte Wohnungen könnten niemals gebaut werden.
Baustelle des Unternehmens Evergrande in Peking

Baustelle des Unternehmens Evergrande in Peking

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GREG BAKER / AFP

Der in Geldnot geratene chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat eingeräumt, unter »enormem Druck« zu stehen. In einer Mitteilung an die Börse in Hongkong erklärte das Unternehmen, es habe Finanzberater eingestellt, die »alle machbaren Lösungen« prüfen sollten, um den Schuldenberg abzutragen. Es gebe aber keine Garantie, dass Evergrande all seinen finanziellen Verpflichtungen werde nachkommen können, warnte der Konzern.

Der Bauträger warnte erneut vor Liquiditätsrisiken wegen des Rückgangs seiner Immobilienverkäufe. Der zweitgrößte Immobilienentwickler des Landes führe zwar Gespräche mit potenziellen Investoren, um einige seiner Vermögenswerte zu veräußern, habe aber bislang keine »wesentlichen Fortschritte« erzielt, hieß es in der Mitteilung. Das Unternehmen halte »anhaltende negative Medienberichte« verantwortlich für die Beeinträchtigung des Anlegervertrauens. Dies führe zu einem weiteren Umsatzrückgang im September. Die Berichte hätten potenzielle Käufer abgeschreckt.

»Beispiellose Schwierigkeiten«

Das Unternehmen hatte vor einigen Tagen noch einmal erklärt, es befinde sich in »beispiellosen Schwierigkeiten«, dementierte jedoch Spekulationen über einen drohenden Konkurs. Bereits vor rund zwei Wochen hatte der überschuldete Konzern erstmals selbst vor Liquiditäts- und Ausfallrisiken gewarnt, falls es ihm nicht gelingen sollte, die Bautätigkeit wieder aufzunehmen, Beteiligungen zu verkaufen und Kredite zu erneuern.

Im Juni war Evergrande mit Bond-Zinszahlungen in Verzug geraten. Die Senkung der Bonitätsnoten durch die Ratingagenturen Moody's, Fitch und China Chengxin International (CCXI) hatten zu einem Ausverkauf an den Anleihen- und Aktienmärkten geführt. Investoren fürchten bei einem Zusammenbruch von Evergrande massive Auswirkungen auf das chinesische Bankensystem. Ein Bankrott würde aber enorme Verwerfungen in der chinesischen Volkswirtschaft erzeugen, und die politisch erwünschte soziale Stabilität gefährden.

Proteste von Anlegern und Geschäftspartnern

Evergrande hat in Jahren aggressiver Expansion Schulden in Höhe von umgerechnet mehr als 260 Milliarden Euro angehäuft. Der Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben 200.000 Menschen im Land. Immer mehr Kunden fürchten, dass die im Voraus bezahlten Wohnungen niemals gebaut werden. Lieferanten und Subunternehmen haben sich bereits wegen Zahlungsausfällen beschwert. Der Konzern ist an der Börse von Hongkong notiert.

Am Montag hatten vor dem Firmensitz in Shenzhen im Süden des Landes Anleger protestiert. Auch am Dienstag versammelten sich dort Dutzende Menschen. Unter den Protestierenden waren demnach auch Geschäftspartner, denen Evergrande Geld schuldet. Die Polizei blockierte den Zugang zu dem Gebäude.

Evergrande ist nicht nur in der Immobilienbranche tätig – 2019 gründete der Konzern den Elektroautohersteller Evergrande Auto, der bis heute allerdings kein einziges Fahrzeug verkauft hat. Auch in die Sektoren Tourismus, Internet, Digitalwirtschaft, Versicherungen und Freizeitparks investierte das Unternehmen. Zudem gehört ihm der Fußballklub Guangzhou FC in Kanton.

kig/mik/Reuters/AFP
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