EVG-Chef lästert Konkurrenzgewerkschaft sieht Existenzkampf der GDL als Motiv für Streik

Der erbittert geführte Lokführerstreik ist laut dem Chef der Gewerkschaft EVG »keine normale Tarifauseinandersetzung«. Für die GDL gehe es um alles.
Reisende am Berliner Flughafen: Streit um die Organisationsmacht der GDL

Reisende am Berliner Flughafen: Streit um die Organisationsmacht der GDL

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL sorgt seit dem Morgen für massive Einschränkungen im Personenverkehr der Deutschen Bahn. Die mit der GDL konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sieht in dem Ausstand vor allem einen Kampf um die Existenz der Arbeitnehmervertretung.

»Die Forderungen kommen zum Schluss«, sagte EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel der »Welt «. Aus Sicht der EVG sei das »keine normale Tarifauseinandersetzung, sondern ein Streik um die zukünftige Existenz der GDL«.

Wichtiger als die konkreten Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen für die eigenen Mitglieder sei der GDL der Versuch, sich für die Zukunft aufzustellen, sagte Hommel der Zeitung. »Hier geht es um Mitgliederwerbung. Und es geht um eine Zukunft der Bahn, mit Hinblick auf eine Organisationsmacht der GDL.«

Die EVG habe die GDL eingeladen, gemeinsam in der Tarifrunde zu verhandeln, »über das, was notwendig ist, um Beschäftigungsverhältnisse zu schützen«, fuhr der Gewerkschafter fort. Das aber habe die GDL abgelehnt. Anders als die EVG will die GDL in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren und fordert bereits für 2021 eine Lohnerhöhung sowie eine Coronaprämie.

»Es gibt keinen Zeitpunkt, wo ein Streik gut ist für die Kunden.«

GDL-Chef Claus Weselsky

GDL-Chef Claus Weselsky rechtfertigte in einem Interview die Streiks, von denen auch der Güterverkehr betroffen ist. »Es ist ein Kampf gegen Ungerechtigkeit«, sagte Weselsky der ARD-»Tagesschau «. Die Bahn habe seit Anfang Juni kein besseres Angebot auf den Tisch gelegt – dabei leisteten die Beschäftigten viele Überstunden, und es gebe zu wenig Personal.

Obwohl die Bahn das Verkehrsmittel der Zukunft sein solle, so Weselsky, würde das Management die Betriebsrenten kürzen, »während sich die 3500 Führungskräfte Altersversorgungssysteme zugeschanzt haben«. Monatlich könnten diese so fünfstellige Beträge erhalten. »Das ist unanständig, das ist ungerecht.« Er verteidigte auch die Auswirkungen auf die Kunden: »Es gibt keinen Zeitpunkt, wo ein Streik gut ist für die Kunden.«

GDL lehnte Nebeneinander von Tarifverträgen ab

Klar ist: Die Passagierinnen und Passagiere des klammen Staatskonzerns dürften besonders unter dem Konkurrenzkampf der Gewerkschaften leiden . Sowohl EVG als auch GDL erheben den Anspruch, für das rund 200.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter starke Schienenpersonal zu verhandeln. Bis Ende vergangenen Jahres hatte ein Grundlagenvertrag zwischen GDL und Konzern dafür gesorgt, dass auch die Verträge der kleineren Gewerkschaft angewendet werden. Doch dieser lief Ende 2020 aus.

Das seit Jahresbeginn geltende Tarifeinheitsgesetz (TEG) schreibt vor, dass in einem Betrieb der Tarifvertrag mit der Gewerkschaft gilt, die dort die meisten Mitglieder hat. Die Bahn hat rund 300 Betriebe. Das Bahn-Management hatte Mitte Juli vorgeschlagen, dass künftig die Tarifverträge beider Gewerkschaften in einem Betrieb nebeneinander zur Anwendung kommen. Dies lehnte die GDL jedoch ab.

apr/AFP
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