Falls GDL-Konflikt gelöst wird Bei der Bahn droht bereits der nächste Tarifstreit

Sollte die GDL im Tarifstreit mit der Bahn einen höheren Abschluss durchsetzen, will die konkurrierende Gewerkschaft EVG nicht tatenlos zusehen. Sie will dann ihr Sonderkündigungsrecht prüfen.
Blick in den Berliner Hauptbahnhof: »Die aktuelle Tarifrunde wird von der EVG beendet«

Blick in den Berliner Hauptbahnhof: »Die aktuelle Tarifrunde wird von der EVG beendet«

Foto: rolf kremming / imago images/Rolf Kremming

Erst am Dienstag endete die dritte Streikwelle der Lokführergewerkschaft GDL. Doch selbst wenn in diesem Streit mit der Deutschen Bahn eine Einigung erzielt werden sollte, droht in dem Konzern erneut ein gewaltiger Tarifkonflikt – diesmal mit der konkurrierenden Gewerkschaft EVG.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft will nämlich einen möglicherweise höheren Tarifabschluss der GDL womöglich nicht einfach hinnehmen. »Die EVG wird nach Abschluss der GDL-Tarifverhandlungen auf der Grundlage des Sonderkündigungsrechtes ihr weiteres Vorgehen prüfen«, sagte EVG-Vorsitzender Klaus-Dieter Hommel den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die EVG hatte zwar mit der Deutschen Bahn bereits 2020 einen Tarifvertrag ausgehandelt. Hommel sagte aber den Zeitungen zufolge: »Fakt ist, die aktuelle Tarifrunde für alle Beschäftigten der Deutschen Bahn wird von der EVG beendet.«

EVG verlangt von GDL Mitgliederzahlen offenzulegen

Die Gewerkschaften könnten sich mit ihren Abschlüssen also gegenseitig hochschaukeln. Dabei sollte das Tarifeinheitsgesetz auch das eigentlich verhindern. Dem Gesetz zufolge gilt in einem Betrieb nur ein Tarifvertrag. Sind mehrere Gewerkschaften in einem Betrieb vertreten, soll der ausgehandelte Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gelten. In den meisten der rund 300 Betriebe der Bahn ist das aus Sicht des Konzerns die konkurrierende EVG.

Im GDL-Streit mit der Deutschen Bahn beansprucht aber auch die GDL für sich, die Tarifverträge nicht nur für Lokführer und Zugbegleiter abzuschließen, sondern auch für andere Bereiche wie Werkstätten, Stellwerke und die Verwaltung – wenngleich zuletzt vor allem Lokführer dem Streikaufruf der GDL folgten.

Eine Annäherung in diesem Konflikt ist noch nicht in Sicht. Die GDL fordert 3,2 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie einer Coronaprämie von 600 Euro. Die Bahn hatte zuletzt eine Laufzeit von 36 Monaten angeboten und der Coronaprämie zugestimmt.

Hommel forderte die GDL nun auf, ihre Mitgliederzahl zu nennen. »Es wäre an der Zeit, dass die GDL ihre Mitgliedszahlen offenlegt. Nur so kann sie einen Anspruch auf die zukünftige Vertretung von Beschäftigen nachweisen.« Die EVG hat nach eigenen Angaben 180.000 Mitglieder, bei der Deutschen Bahn liegt ihr Organisationsgrad zwischen 50 und 70 Prozent.

apr/dpa/Reuters
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