Ex-Handy-Ikone Nokia-Chef nennt eigene Firma "brennende Ölplattform"

Eines muss man Stephen Elop lassen: Der neue Nokia-Chef redet Klartext. Die Lage des einst erfolgreichsten Handy-Herstellers der Welt ist nach seinen Worten so dramatisch "wie auf einer brennenden Ölplattform".
Stephen Elop: Der Nokia-Chef ist erst seit ein paar Monaten im Amt

Stephen Elop: Der Nokia-Chef ist erst seit ein paar Monaten im Amt

Helsinki - Er ist gerade einmal fünf Monate im Amt, aber Stephen Elop hat sich bereits ein sehr klares Bild von der Situation bei seinem Arbeitgeber verschafft. Der neue Nokia-Chef findet die Lage des Konzerns dramatisch wie "auf einer brennenden Ölplattform". Der finnischen Tageszeitung "Helsingin Sanomat" und anderen Medien zufolge appellierte Elop an die Mitarbeiter: "Wir haben mehr als nur eine Explosion. Wir haben viele Brandherde mit glühender Hitze, die einem wüsten Feuer um uns herum neue Nahrung geben."

Der finnische Konzern hat seine früher klar dominierende Position auf dem Weltmarkt für Handys seit Einführung des iPhones von Apple und der Ausbreitung des Google-Betriebssystems Android eingebüßt.

Der im September als Konzernchef angetretene Elop will am Freitag in London eine neue Unternehmensstrategie mit drastischen Veränderungen verkünden. Nach Medienangaben stimmte er Nokia-Beschäftigte Ende vergangener Woche mit einer Brandrede darauf ein. Der Text sei im Nokia-Intranet veröffentlicht worden, hieß es.

Radikaler Umbau der Konzernspitze

Demnach sagte Elop unter anderem: "Apple hat das iPhone 2007 herausgebracht, und wir haben immer noch kein Produkt, das ihrer Erfahrung nahekommt." Android sei gerade einmal zwei Jahre auf dem Markt - "und diese Woche haben sie uns auch die Führungsposition bei Smartphones abgenommen. Unglaublich."

Betont kritisch äußerte sich Elop auch über Nokias eigenes Betriebssystem Symbian. Es sei für Smartphones der mittleren Preisklasse "auf führenden Märkten wie Nordamerika nicht konkurrenzfähig". Das geplante neue System MeeGo für anspruchsvolle Smartphones komme "nicht schnell genug auf den Markt".

Offenbar hat der Konzern kaum noch Hoffnung auf einen Erfolg seines Betriebssystems. Das Unternehmen habe die Entwicklung eines neuen Handys mit der Software MeeGo gestoppt, sagten Personen aus dem Branchenumfeld. Ein Nokia-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Das Unternehmen betrachtete die MeeGo-Software bislang als wichtiges Mittel im Kampf gegen die Konkurrenz durch Apple und Google auf dem Smartphone-Markt.

Für die am Freitag in London angekündigte neue Nokia-Strategie gilt ein radikaler Umbau der Führungsspitze als wahrscheinlich. Neben dem Wechsel auf ein anderes Betriebssystem für neue Nokia-Smartphones wird gerüchteweise auch die Verlegung zentraler Unternehmensteile von Espoo vor den Toren von Helsinki nach Amerika als Möglichkeit genannt.

böl/dpa-AFX/Reuters
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