Gescheiterte VW-Übernahme Anklage gegen Ex-Porsche-Chef Wiedeking

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt Anklage gegen Wendelin Wiedeking. Der frühere Porsche-Chef soll sich wegen des Verdachts auf Aktienkursmanipulation bei der gescheiterten Übernahme von VW verantworten. Nach Ansicht seiner Anwälte ist das Verfahren jedoch "massiv zusammengeschmolzen".
Ex-Porsche-Manager Wiedeking: Nicht korrekt informiert?

Ex-Porsche-Manager Wiedeking: Nicht korrekt informiert?

Foto: dapd

Stuttgart - Gegen den früheren Porsche  -Chef Wendelin Wiedeking und gegen Ex-Finanzvorstand Holger Härter wird von der Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage wegen Aktienkursmanipulation erhoben. "Den Angeschuldigten wird vorgeworfen, in von ihnen im Jahr 2008 veranlassten öffentlichen Erklärungen des Unternehmens in Bezug auf den Beteiligungserwerb an der Volkswagen AG unrichtige Angaben gemacht zu haben", heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom Mittwoch. Das Landgericht Stuttgart muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Verhandlungstermine entscheiden.

Die Behörde spricht in ihrer Mitteilung nur von zwei ehemaligen Vorständen ohne eine Namensnennung. Verteidiger von Wiedeking und Härter wiesen die Vorwürfe aus der Anklage allerdings am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung als "unbegründet" zurück.

Wiedeking hatte als Porsche-Vorstandsvorsitzender versucht, mit dem Sportwagenbauer den Wolfsburger Volkswagen  -Konzern zu übernehmen. Das Vorhaben scheiterte, am Ende wurde Porsche von VW geschluckt. Porsche hatte die geplante Übernahme mit komplizierten Aktiengeschäften vorbereitet. Wiedeking wird vorgeworfen, er habe nicht korrekt über die Pläne informiert.

Porsche habe im Zeitraum vom 10. März 2008 bis 2. Oktober 2008 in mindestens fünf öffentlichen Erklärungen eine bereits bestehende Absicht zur Aufstockung seiner VW-Beteiligung dementiert, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nach Ansicht der Behörde hatten die Beschuldigten jedoch spätestens im Februar 2008 die Absicht gefasst, ein Jahr später über eine 75-Prozent-Beteiligung einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag durchzusetzen.

Die Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Untreue wurden dagegen eingestellt. Auch die Vorwürfe der handelsgestützten Marktmanipulation wurden nach Angaben von Wiedekings Anwälten bereits vor zwei Jahren fallengelassen. Die Anwälte erklärten in einer Stellungnahme, das Verfahren sei "massiv zusammengeschmolzen". Die verbliebenen Vorwürfe bezeichneten sie "in tatsächlicher wie rechtlicher Hinsicht als unbegründet".

Ex-Finanzvorstand Härter muss sich bereits seit September vor dem Landgericht Stuttgart wegen Kreditbetrugs verantworten. Er und zwei seiner damaligen Führungskräfte aus dem Finanzbereich sollen im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme eine Bank bei Kreditverhandlungen fehlinformiert haben.

dab/dpa/dapd