Milliardenbetrug Ex-Wirecard-Chef Braun muss noch vor Weihnachten vor Gericht

Der frühere Wirecard-Chef Markus Braun muss sich ab 8. Dezember vor Gericht verantworten. Die zuständige Strafkammer hat 100 Verhandlungstage anberaumt – vorerst.
Markus Braun (im November 2020 vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin): Ab Dezember vor Gericht

Markus Braun (im November 2020 vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin): Ab Dezember vor Gericht

Foto: Fabrizio Bensch / REUTERS

Im größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte beginnt die gerichtliche Aufarbeitung. Zweieinhalb Jahre nach der spektakulären Pleite des einstigen Börsenaufsteigers Wirecard steht dessen ehemaliger Chef Markus Braun ab 8. Dezember vor Gericht.

Die Große Strafkammer am Landgericht München I habe zunächst 100 Verhandlungstage bis ins Jahr 2024 hinein anberaumt, teilte die Justizpressestelle mit. Verhandlungsort ist der Sitzungssaal in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim.

Die Staatsanwaltschaft hat Braun und zwei weitere frühere Wirecard-Manager wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs angeklagt. Braun sitzt schon seit Juli 2020 in Untersuchungshaft.

Die Höchststrafe für besonders schwere Fälle von Betrug sind zehn Jahre Haft. Das Wirtschaftsstrafverfahren dürfte eines der größten in der deutschen Geschichte werden. Vorsitzender Richter ist Markus Födisch.

Laut Anklage sollen Braun und Komplizen seit 2015 die Wirecard-Bilanzen gefälscht  und kreditgebende Banken um 3,1 Milliarden Euro geschädigt haben. Im Juni 2020 brach der einstige Dax-Konzern zusammen, nachdem bei der Prüfung des Jahresabschlusses Scheinbuchungen in Höhe von fast zwei Milliarden Euro ans Licht gekommen waren.

Der aus Österreich stammende Ex-Vorstandschef hat die Vorwürfe der Anklage zurückgewiesen. Braun sieht sich selbst als Opfer krimineller Machenschaften. Der frühere Vertriebsvorstand Jan Marsalek hatte sich im Sommer 2020 abgesetzt und ist bis heute untergetaucht.

Wirecard war nach dem Aufstieg in den Dax an der Börse zeitweilig über 20 Milliarden Euro wert. Mit der Insolvenz verloren Zehntausende Aktionäre ihre Investition. Von dem Prozess erhoffen auch sie sich Aufklärung darüber, wie es zu der Pleite kommen konnte.

Wirecard hatte im Juni 2020 zugeben müssen, dass es eine Milliardensumme, die angeblich auf dem Konto eines Treuhänders in Singapur lag, nie gegeben hatte. Auf die Existenz des Geldes hatten auch die Wirtschaftsprüfer von Wirecard, EY, jahrelang vertraut. Auch Insolvenzverwalter Michael Jaffe geht davon aus, dass es nie existierte.

mmq/dpa/Reuters
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