Selbstständigkeit Zahl der Existenzgründer in Deutschland sinkt

Innerhalb von vier Jahren ist die Zahl der Existenzgründer in Deutschland laut einem Bericht um fast 100.000 gesunken. Die Opposition macht Bürokratie und Abgaben dafür verantwortlich.
Werbeaktion der Bundesregierung (Archivbild): Gründer werden weniger

Werbeaktion der Bundesregierung (Archivbild): Gründer werden weniger

Foto: Jochen Lübke/ picture alliance / dpa

"Wir wollen den Gründergeist neu beleben. Unser Ziel ist es, mehr Menschen zu ermutigen, ein Unternehmen zu gründen", verkündete Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kürzlich auf einer Konferenz für Start-ups. Doch von diesem Ziel ist die Bundesregierung offenbar weit entfernt. Denn laut einem Bericht der "Rheinischen Post" ist die Zahl der Existenzgründer in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Während 2010 noch insgesamt 417.000 Gründer den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hätten, seien es im vergangenen Jahr nur noch 309.900 gewesen, berichtet die Zeitung.

Sie beruft sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag. Daraus gehe auch hervor, dass die Zahl der Gründer im Jahr 2004 sogar noch bei 572.500 gelegen habe.

Grünen-Fraktionsvize Kerstin Andreae macht die Politik der Großen Koalition für den Gründerschwund verantwortlich. "Die Bundesregierung redet viel über Innovation und Gründungskultur. Konkret tut sie allerdings kaum etwas, um die rückläufigen Gründungen in Deutschland abzuwenden", sagte die Grünen-Politikerin der Zeitung.

Abschreckend sei etwa, dass Gründer im ersten Jahr die fällige Umsatzsteuer monatlich erklären und abführen müssten. Das sei "aufwendig und geradezu absurd", sagte Andreae. Stattdessen sollten sie in den ersten beiden Jahren loslegen können, ohne von "Regeln und Bestimmungen" erdrückt zu werden.

Ein wichtiger Grund für die rückläufige Zahl von Gründern dürfte auch die gute Situation auf dem Arbeitsmarkt sein. Wer einen sicheren Job oder gute Aussichten darauf hat, scheut sich wohl eher davor, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Auch die Chancen, gute Mitarbeiter zu finden dürften schlechter sein. Denn wenn etablierte Firmen Jobs anbieten, dürften sich Arbeitnehmer für die Sicherheit und die vielleicht sogar höhere Entlohnung dort entscheiden, statt für das Risiko einer neuen, eigenen Firma.

Auch beim Gründungszuschuss wurde in den vergangenen Jahren gekürzt. Noch bis Ende 2011 zahlte die Bundesagentur für Arbeit einen Gründungszuschuss  von anfangs monatlich 300 Euro, wenn sich Menschen aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machten. Inzwischen ist der Rechtsanspruch auf den Zuschuss gestrichen. Die Auszahlung liegt nun im Ermessen der Arbeitsagentur. Deren Mitarbeiter prüfen nun Geschäftskonzept und "persönliche Eignung der Gründer", bevor ein Zuschuss gewährt wird.

mmq/dpa
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