Größtes Minus seit drei Jahren Exportaufträge brechen ein

Weltweit werden deutlich weniger Produkte aus der Bundesrepublik bestellt. Laut einer Umfrage verzeichneten die deutschen Exporteure im August den stärksten Auftragsrückgang seit 2009. Auch der Einzelhandel bekommt die Krise nun zu spüren.
Monteur an einem Eisenbahndrehkran: Die Nachfrage nach deutschen Produkten sinkt

Monteur an einem Eisenbahndrehkran: Die Nachfrage nach deutschen Produkten sinkt

Foto: Jan Woitas/ dpa

Berlin - Die Exportwirtschaft gilt als Stütze der deutschen Konjunktur. Doch nun bekommt die Branche die Folgen der Euro-Krise und der weltweiten Wirtschaftsflaute zu spüren. Die Aufträge der deutschen Exporteure fielen im August so stark wie seit über drei Jahren nicht mehr, teilte das Markit-Institut mit. "Besonders markant ging die Zahl der Bestellungen aus Südeuropa zurück", hieß es.

Das Institut befragte 500 Industrieunternehmen. Demnach klagen besonders die Hersteller von Maschinen, Geräten und anderen Investitionsgütern sowie die Produzenten von Vorleistungsgütern wie Chemikalien über sinkende Bestellungen.

Im ersten Halbjahr waren die deutschen Exporte noch gewachsen - dank der Nachfrage aus Japan, den USA und Russland. Allerdings zeigte sich schon in den ersten sechs Monaten, dass die Ausfuhren in die südeuropäischen Krisenländer eingebrochen waren. Dieser Trend scheint sich laut der Umfrage nun fortzusetzen.

Der deutschen Industrie stehe zwischen Juli und September das schlechteste Quartal seit über drei Jahren bevor, sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Auch andere Experten fürchten, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden dritten Quartal schrumpfen könnte. So ist der Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigstes Konjunkturbarometer im August zum vierten Mal in Folge zurückgegangen. Auch die Bundesregierung erklärte zuletzt, die weiteren Aussichten blieben verhalten und es gebe erhebliche Risiken.

Zum Vergleich: In den ersten beiden Quartalen war das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent und 0,3 Prozent gewachsen. Bereits Ende 2011 war die Wirtschaftsleistung zum ersten Mal seit fast drei Jahren um 0,2 Prozent zurückgegangen. Dies war jedoch noch keine Rezession. Davon sprechen Ökonomen erst bei zwei Minusquartalen in Folge.

Industrie baut Stellen ab

Laut Markit baute die deutsche Industrie wegen des Mangels an Neu- und Folgeaufträgen den fünften Monat in Folge Stellen ab. "Im Vergleich zu Juli verlangsamte sich der Jobabbau jedoch deutlich", hieß es. Immerhin spüren die Unternehmen auch Entlastung. Die Einkaufspreise sanken insgesamt erneut, nur bei Stahl und Mineralölprodukten zogen die Kosten spürbar an. Ihre Verkaufspreise senkten die Industriebetriebe so stark wie zuletzt im Januar 2010.

Mit der sinkenden Nachfrage aus dem Ausland trübt sich auch in Deutschland zunehmend die Stimmung ein. Die Förderbank KfW fragt in ihrem Mittelstandsbarometer monatlich die Stimmung bei kleinen und mittleren Firmen ab. Das Geschäftsklima dort ging im August zum sechsten Mal in Folge zurück. Die Krisenangst erfasse zunehmend auch die deutsche Binnenwirtschaft, hieß es. Den stärksten Stimmungseinbruch verzeichnete die KfW im Einzelhandel. Dabei hatte die Branche aufgrund des stabilen privaten Konsums der Krise lange getrotzt.

Die schlechtere Stimmung im Einzelhandel könne als Signal gedeutet werden, dass eine diffuse Krisenangst immer mehr auch in der Binnenwirtschaft um sich greife, hieß es. Die KfW setzt aber darauf, dass der private Konsum die Wirtschaftsentwicklung zumindest so weit stabilisiert, dass das BIP im Gesamtjahr um ein Prozent wächst.

mmq/Reuters
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