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07. September 2012, 10:27 Uhr

Hohe Nachfrage aus Übersee

Deutsche Exporte legen überraschend zu

Die deutschen Exporteure haben im Juli trotz schwächelnder Wirtschaft gute Geschäfte gemacht. Die Ausfuhren legten im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozent zu. Für die kommenden Monate sagen Umfragen aber eine Abschwächung voraus.

Wiesbaden - Starke Nachfrage aus Ländern außerhalb der EU haben im Juli für einen überraschenden Anstieg der deutschen Exporte gesorgt. Sie legten im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozent zu, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Die Unternehmen verkauften Waren im Wert von 93,6 Milliarden Euro ins Ausland. Das ist ein Plus von 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Verglichen mit dem Vorjahresmonat wuchsen die Exporte in die Euro-Länder im Juli mit 3,2 Prozent vergleichsweise schwach. Die Ausfuhren in die Europäische Union insgesamt stiegen um 4,4 Prozent. Die Nachfrage aus Übersee war stark. Die Exporte in Länder außerhalb Europas stiegen um 15,9 Prozent.

Die Einfuhren nach Deutschland legten im Jahresvergleich um 1,9 Prozent auf 76,7 Milliarden Euro zu. Der Außenhandelsüberschuss betrug damit 16,9 Milliarden Euro.

Die guten Export-Zahlen im Juli kamen überraschend. Noch im Juni hatte es ein Minus von 1,4 Prozent gegeben. Experten hatten auch diesmal mit einem Rückgang gerechnet. Für die kommenden Monate zeichnet sich eine Abschwächung ab: Im August fielen die Exportaufträge laut einer Umfrage des Markit-Instituts unter 500 Unternehmen so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Auslandsaufträge der Industrie legten im Juli nur noch um 0,1 Prozent zu. Trotz der schwächeren Wirtschaft rechnet der Branchenverband BGA für das Gesamtjahr mit einem Plus von gut vier Prozent.

Besonders in Südeuropa ist aber angesichts der schweren Rezession die Nachfrage nach deutschen Produkten deutlich eingebrochen. Für die gesamte Euro-Zone gab es zwischen Januar und Juni bei den deutschen Exporten ein Minus von 1,2 Prozent. Es ist vor allem die Nachfrage aus Asien und den USA, die die Ausfuhren stützt. So gab es in den ersten sieben Monaten des Jahres bei den gesamten deutschen Exporten ein Wachstum von 5,4 Prozent auf 644,1 Milliarden Euro.

Analysten sehen deutsche Exportwirtschaft stabil

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet nicht mehr damit, dass die deutsche Wirtschaft angesichts der schwelenden Euro-Krise weiter Zuwächse schafft. Sie sagt für Deutschland im zweiten Halbjahr eine Rezession voraus. Die Wirtschaft wird demnach im dritten Quartal um 0,1 Prozent, im vierten Quartal um 0,2 Prozent schrumpfen.

Andere Experten rechnen aber trotz der schwächelnden Wirtschaft zumindest nicht mit einem Einbruch für die deutsche Exportwirtschaft. "Die schwächere Nachfrage aus der Euro-Zone kann von den guten Geschäften außerhalb der Währungsunion mehr als kompensiert werden", sagte Analyst Ralph Solveen von der Commerzbank. "Einen Einbruch der Exporte wird es nicht geben, eher eine Seitwärtsbewegung - wie bei den Industrieaufträgen."

Es sei jedoch nur eine Frage der Zeit, bis sich die schlechten Umfragewerte bei Konjunkturindizes in harten Daten niederschlagen werden, sagte Andreas Rees von Unicredit. Der Industriesektor werde im Sommer schwächer laufen als im Frühjahr.

mmq/Reuters/dpa

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