Außenhandel Deutsche Exportunternehmen erwarten 2019 Nullwachstum

Internationale Handelskonflikte und das Brexit-Chaos schaden den deutschen Exporteuren. Der Außenhandelsverband hat seine Prognose deutlich korrigiert und blickt pessimistisch in die Zukunft.

Die deutschen Autohersteller fürchten einen harten Brexit - aber schon jetzt sieht das Jahr für Exporteure nicht rosig aus
Mohssen Assanimoghaddam/DPA

Die deutschen Autohersteller fürchten einen harten Brexit - aber schon jetzt sieht das Jahr für Exporteure nicht rosig aus


Die deutschen Exportunternehmen rechnen in diesem Jahr kaum mit Wachstum. "Wir müssen das laufende Jahr 2019 wohl abschreiben und uns mit einer schwarzen Null im Export zufriedengeben", sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann. Maximal sei noch mit einem Mini-Wachstum von 0,5 Prozent zu rechnen. Noch in diesem Sommer hatte der BGA ein Exportwachstum von 1,5 Prozent prognostiziert.

Das "konsequente, ständige Foulspielen der US-Administration unter Präsident [Donald] Trump" beeinflusse besonders die international ausgerichtete deutsche Wirtschaft, sagte Bingmann. Zudem mache das Hickhack um den anstehenden EU-Austritt Großbritanniens längerfristige Planungen für die Unternehmen unmöglich - die Exporteure erwarten durch den Brexit einen Milliardenschaden. Bingmann sagte, unterm Strich könne die Branche mit dem laufenden Jahr deshalb nicht zufrieden sein.

Zuletzt hatte die deutsche Wirtschaft neun Jahre des Aufschwungs erlebt und fünf Jahre in Folge Rekordwerte beim Export erzielt. Das Tempo hatte sich im vergangenen Jahr aber schon deutlich verlangsamt. Für 2020 wollte Bingmann keine Prognose wagen. Eine Besserung sei aber frühestens im zweiten Halbjahr 2020 zu erwarten, sagte er.

Unternehmen fürchten Eskalation zwischen USA und EU

Die Unternehmen befürchten, dass der Handelsstreit mit den USA weiter eskaliert, wenn die EU nach der Genehmigung durch die WTO ihrerseits Strafzölle erhebt. Ein Land, das Zölle verlange, schade sich in der Regel selbst, sagte Bingmann. "Am Ende zahlt der Konsument die Zeche." Zugleich werde der freie Zugang zu den Weltmärkten für deutsche Unternehmen immer weniger selbstverständlich.

Ähnlich sorgenvoll wie in die USA blicken die Exporteure nach China. Zwar stiegen die Ausfuhren in beide Länder im ersten Halbjahr um 4,3 Prozent - das ist aber weit entfernt von den teils zweistelligen Zuwachsraten der vergangenen Jahre. In China mache zudem die starke Überwachung ausländischer Firmen und ein "Absaugen von Know-how" Sorgen, sagte Bingmann.

BGA hofft auf Mercosur-Handelsabkommen

Die Exportunternehmen setzten vor diesem Hintergrund besonders auf das umstrittene Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur. Besonders kleine und mittlere Unternehmen könnten von der Öffnung dieser bisher recht abgeschotteten Märkte profitieren, sagte Bingmann.

Die EU und die Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay hatten im Sommer eine politische Einigung über den Aufbau der größte Freihandelszone der Welt erzielt. Der Deal wird allerdings von Umweltschützern kritisiert. Sie befürchten, dass europäische Landwirte in einen gnadenlosen Preiskampf gezwungen werden und gleichzeitig die Regenwaldzerstörung in Südamerika befeuert wird. Aus diesem Grund verweigern unter anderem Frankreich und Irland derzeit die Ratifizierung. (Lesen Sie hier mehr zu den möglichen Folgen des Abkommens.)

"Ohne das Assoziierungsabkommen wird kein einziger Baum weniger gerodet", sagte Bingmann dazu. Außerdem dürften Klimaschutz und freier Handel nicht gegeneinander ausgespielt werden. "Auf dem freien Handel basiert schließlich unser Wohlstand, der notwendig ist, um die Wirtschaft klimafreundlich umzubauen."

kko/dpa

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rol.neumann 08.10.2019
1. NULL-Wachstum = Weniger CO2: Das ist Topp!!
Endlich geht die Entwiclung mal in die richtige Richtung, für ein besseres Klima. Nicht immer Wachstum, nein, Stagnarion oder Minuszahlen, die bewirken weltweit einen guten Klimaschutz. Das ist unwiederlegbar richtig - oder? Ihr lieben GRÜNEN Weltverbesserer, das dürfte euch am besten gefallen. Also, auch ihr bitte den Gürtel enger schnallen. Beginnt damit mal in Berlin und in den Landasparlamenten. Aber wenn es an euch ist, gibt es nur Ausreden und ein Rauswinden, dass für mich einfach nur zum KOTZEN ist.
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