ExxonMobil, Eni, Boeing Weitere Konzerne stellen Geschäfte mit Russland ein

Putins Krieg hat wirtschaftliche Folgen: Immer mehr westliche Ölkonzerne fahren ihre Geschäftsbeziehungen mit Russland herunter. Der Kreml versucht derweil, die Kapitalflucht einzudämmen.
Wladimir Putin 2012 mit dem damaligen ExxonMobil-Chef Rex Tillerson: Der US-Konzern ist bislang an Ölfeld im Osten Russlands beteiligt

Wladimir Putin 2012 mit dem damaligen ExxonMobil-Chef Rex Tillerson: Der US-Konzern ist bislang an Ölfeld im Osten Russlands beteiligt

Foto: Mikhail Klimentyev/ dpa

Auch abseits formeller Sanktionen schränken immer mehr Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen zu Russland ein. Der US-Flugzeughersteller Boeing will eigenen Angaben zufolge die Lieferung von Teilen, die Wartung sowie den technischen Support für russische Fluggesellschaften und wichtige Geschäftsaktivitäten in Russland einstellen.

»Während der Konflikt andauert, konzentrieren sich unsere Teams darauf, die Sicherheit unserer Kollegen in der Region zu gewährleisten«, sagt ein Boeing-Sprecher. Zuvor hatte der Airbus-Rivale bereits den Betrieb seines Trainingscampus in Moskau ausgesetzt und sein Büro in Kiew vorübergehend geschlossen.

Weitere westliche Ölkonzerne fahren wegen des Ukrainekriegs ebenfalls ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Land herunter. Der US-Ölkonzern ExxonMobil kündigte an, dass er sich schrittweise aus dem Betrieb eines großen Ölfelds in Russland zurückziehen will. »Als Reaktion auf die jüngsten Ereignisse beginnen wir mit dem Prozess der Einstellung der Aktivitäten und ergreifen Maßnahmen, um schrittweise aus dem Ölprojekt auszusteigen.«

Arktis-Projekt wegen Sanktionen schon seit Jahren eingefroren

ExxonMobil betreibt im Namen eines Konsortiums, dem der russische Ölkonzern Rosneft, ein indisches sowie ein japanisches Unternehmen angehören, seit 1995 das Sachalin-1-Ölfeld, das ganz im Osten des Landes liegt. Der US-Konzern besitzt 30 Prozent der Anteile an dem Projekt. Wie ExxonMobil am Dienstag weiter mitteilte, will der Konzern zudem nicht mehr in neue Projekte in Russland zu investieren.

Unterdessen hat der italienische Ölkonzern Eni erklärt, dass er sich aus der Blue-Stream-Gaspipeline zwischen Russland und der Türkei zurückziehen wird. Eni hält 50 Prozent der Anteile, die andere Hälfte gehört dem russischen Gaskonzern Gazprom. Ein Unternehmenssprecher sagte: »Eni beabsichtigt, seinen Anteil an Blue Stream zu verkaufen.«

Darüber hinaus besitze Eni kaum Geschäftsbeziehungen zu Russland. »Die derzeitige Präsenz von Eni in Russland ist marginal«, sagte der Sprecher. Gemeinschaftsunternehmen mit Rosneft, die mit Explorationslizenzen in der Arktis verbunden sind, seien aufgrund der seit 2014 gegen Russland verhängten Sanktionen bereits »seit Jahren eingefroren«.

Zuvor hatten etwa bereits die britisch-niederländische Ölfirma Shell und der britische BP-Konzern ihren Rückzug vom russischen Markt angekündigt. Shell erklärte am Montag, es werde seinen 27,5-Prozent-Anteil an dem Öl- und Gasprojekt Sachalin-2 im Fernen Osten Russlands abstoßen. Zudem werde es seine 50-prozentige Beteiligung an dem Ölfeld Salim in Westsibirien und an dem Gydan-Erkundungsprojekt auf der gleichnamigen Halbinsel im Nordwesten Sibiriens beenden.

Russland versucht Kapitalflucht einzudämmen

Shell habe zudem die Absicht, seine Beteiligung an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zu beenden. Shell ist eines von fünf Energieunternehmen, das an der umstrittenen Pipeline zwischen Russland und Deutschland beteiligt ist.

BP hatte wiederum am Sonntag bekannt gegeben, dass es seine Rosneft-Anteile verkauft. BP war mit knapp 20 Prozent an dem russischen Ölkonzern beteiligt. Das Unternehmen ist unter anderem auch noch an der für den deutschen Markt bedeutenden Raffinerie PCK in Brandenburg beteiligt, das Bundeswirtschaftsministerium prüft derzeit den geplanten Kauf weiterer Anteile.

Der französische Energieriese TotalEnergies wiederum hat am Dienstag erklärt, er werde nicht mehr in neue Projekte in Russland investieren. Die Franzosen erklärten jedoch gleichzeitig, dass sie nicht vorhaben, sich aus laufenden Projekten zurückziehen.

Weil sich immer mehr westliche Firmen wegen der Sanktionen aus Russland zurückziehen, bereitet der Kreml einen Präsidialerlass vor, der die Kapitalflucht verhindern soll. »Um den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, fundierte Entscheidungen zu treffen, wurde der Entwurf eines Präsidialdekrets vorbereitet, mit dem vorübergehende Beschränkungen für den Abzug russischer Vermögenswerte eingeführt werden sollen«, sagte Regierungschef Michail Mischustin am Dienstag.

Wegen Russlands Angriff auf die Ukraine wurde das Land vom Westen mit zahlreichen Sanktionen belegt. Zu den Wirtschaftssanktionen gehören unter anderem ein Ausschluss russischer Banken vom internationalen Swift-Zahlungssystem sowie Exportbeschränkungen für zahlreiche Industriezweige.

apr/AFP/Reuters
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