Wirtschaftsprüfer unter Druck EY erstattet Anzeige wegen Wambach-Bericht zum Fall Wirecard

Ein vertraulicher Bericht über Versäumnisse bei der Kontrolle von Wirecard geriet an die Öffentlichkeit. Die Prüfer von EY sollen juristische Schritte eingeleitet haben.
EY-Büros in der Berliner Friedrichstraße

EY-Büros in der Berliner Friedrichstraße

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Jens Kalaene / dpa

EY hat nach der Veröffentlichung eines als geheim eingestuften Berichts über die Arbeit seiner Wirtschaftsprüfer im Fall Wirecard juristische Schritte eingeleitet. Es sei Anzeige gegen unbekannt gestellt worden, berichten die »Süddeutsche Zeitung « (»SZ«) und die »Frankfurt Allgemeine Zeitung « (»FAZ«).

Das »Handelsblatt« hatte die 168 Seiten des vertraulichen Dokuments online veröffentlicht. Es wirft EY umfassende Versäumnisse bei der Prüfung des Finanzdienstleisters vor. Die Entscheidung, die Unterlagen ins Netz zu stellen, wurde mit öffentlichem Interesse begründet.

Der »FAZ« zufolge will sich EY mit der Strafanzeige jedoch nicht mit den dafür verantwortlichen Journalisten anlegen, sondern mit den Quellen, die den sogenannten Wambach-Bericht – benannt nach dem Wirtschaftsprüfer Martin Wambach – weitergegeben haben.

Veröffentlichung kam Beschwerde vor dem BGH zuvor

»Unser Strafantrag betrifft ausdrücklich nicht die Frage, ob der Wambach-Bericht veröffentlicht werden darf«, wird in dem »FAZ«-Bericht aus einer Stellungnahme zitiert.

Der Bericht war von der Geheimschutzstelle des Bundestags als geheim eingestuft worden. In Auftrag gegeben hatte ihn der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Fall, der ihn auch gerne veröffentlicht hätte. EY hatte Wirecard in der Vergangenheit immer wieder geprüft und keine Auffälligkeiten festgestellt.

2020 rutschte der frühere Dax-Konzern Wirecard schließlich in die Insolvenz, nachdem er Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt hatte – insgesamt könnte es nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft um mehr als drei Milliarden Euro gehen. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Bilanzfälschung, Betrug, Marktmanipulation und Geldwäsche. EY kämpft seither um seinen Ruf  – und versuchte den Berichten zufolge eine Veröffentlichung auch vor dem Bundesgerichtshof zu verhindern.

Dort habe das Wirtschaftsprüfungsunternehmen auch Recht bekommen, so die »Süddeutsche«, jedoch laufe noch eine Beschwerde des Untersuchungsausschusses, über die in Karlsruhe bislang nicht entschieden wurde. Allerdings dürfte sie mit der Veröffentlichung durch das »Handelsblatt« auch hinfällig sein.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, der Wambach-Bericht sei nach dem Chef der Monopolkommission Achim Wambach benannt. Wir haben den Fehler korrigiert.

apr
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